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Klassische Rituale
Die Reise mit Ishtar
Die Reise mit Ishtar
Ishtar- Trancereise
Entspanne dich...atme tief ein...und wieder aus...ein...und wieder aus...konzentriere dich auf die Muskeln in deinen Füßen, spanne sie kurz intensiv an...und nun lockere sie wieder...richte nun deine Aufmerksamkeit auf deine Beine...spanne die Muskeln in deinen Beinen fest an...und lockere sie wieder... atme tief ein... und wieder aus...deine Beine sind nun ganz entspannt, sie fühlen sich an, als würdest du sie in warmes Wasser eintauchen...und jetzt richtest du deine Aufmerksamkeit auf die Muskeln in deinen Oberschenkeln...spanne sie kurz und fest an... nun lockere sie wieder...atme tief ein...und aus...spanne nun die Muskeln in deinen Geschlechtsteilen an...und lockere sie wieder...atme tief ein...und aus...konzentriere dich auf deinen Unterleib...spanne deine Bauchmuskeln fest an...und lockere sie wieder...atme tief ein...und aus...der ganze untere Teil deines Körpers ist nun völlig locker und entspannt...falls du das Gefühl hast, daß ein Muskel noch nicht völlig entspannt ist, spanne ihn noch einmal kurz und fest an und laß ihn dann in Gedanken los...atme tief ein...und aus...richte nun deine Aufmerksamkeit auf deinen Brustkorb und deinen Rücken...spanne die Muskeln in deinem Oberkörper kurz an...und lockere sie wieder...atme tief ein...und aus...spanne nun deine Hals- und Nackenmuskeln fest an...und lockere sie wieder...atme tief ein...und aus...die Entspannung erreicht nun deinen Kopf...spanne die Muskeln deines Mundes fest an...und lockere sie wieder...nun die deiner Nase...jetzt die deiner Backen...deiner Augen...deiner Stirn...zuletzt spanne die Muskeln deiner Kopfhaut fest an und stelle dir vor, wie sich auch dein Gehirn ein letztes Mal anspannt...und laß im Geist los...atme tief ein...und wieder aus...ein...und wieder aus...dein ganzer Körper ist vollkommen ruhig und entspannt, und du hörst mir genau zu, während deine Entspannung mit jedem langsamen Atemzug immer tiefer und tiefer und tiefer wird...du wirst dich später beim Erwachen an alles, was du gesehen, gehört und gefühlt hast, genau erinnern können...atme tief ein...und aus...ein...und aus...
Ishtar! ... Ishtar! ... Ishtar!
Königin des Morgensterns, dich rufe ich!
Du glänzend sich erhebende Fackel des Himmels und der Erde, dich rufe ich!
Zerstörerin der feindlichen Heere, dich rufe ich!
Löwin, Schlachtengöttin, dich rufe ich!
Gebieterin des Kampfes und des Liebesspiels,
Göttin der Lust zwischen den Menschen,
dich rufe ich!
Glänzende des Himmels, weise Ishtar,
Stolzeste unter den Göttern, dich rufe ich!
Dunkelheit.
Mit einem Mal blitzt vor dir in dieser Schwärze ein Licht auf. Ein weißes Leuchten strahlt da in der Finsternis, ein kreisrunder Punkt aus Licht.
Er dehnt sich allmählich aus, wird größer und größer, und plötzlich erkennst du, daß Strahlen aus diesem leuchtenden Kreis hervorschießen. Sie dehnen sich aus, in alle Richtungen, und der Kreis verwandelt sich durch sie in einen achtzackigen Stern, der ein gleißend helles Licht verströmt.
Vor dir funkelt dieser Stern in der Dunkelheit. Als du dich ihm langsam näherst, beginnt er vor deinen Augen zu verschimmen. Er wird unscharf, verblasst ein wenig, und ein Gesicht beginnt sich an seiner Stelle vor dir in der Finsternis zu formen. Es ist eingerahmt von einem schwarzen Kreis, und du erkennst mit einem Mal, daß es ein Spiegel ist, der sich vor dir befindet, und daß du gerade dein eigenes Spiegelbild erblickst.
Du blickst in den Spiegel und erkennst, wer du bist: Du bist Ishtar, die Göttin der Venus. Deine Hautfarbe ist von einem hellen Braunton, lange, glatte und pechschwarze Haare fallen dir über die Schultern. Auf dem Kopf trägst du eine bienenkorbähnliche Krone aus Lapis Lazuli. Ein langes Kleid, das deine juwelenbesetzten Brüste freiläßt, fällt bis zu deinen Füßen. Du fühlst zwei langgeschwungene, halbmondförmige Hörner an deinen Schläfen. Du kannst sie im Spiegel zwar nicht sehen, aber du weißt, daß du sie besitzt.
Du blickst in den Spiegel und erkennst DICH. Ishtar. Manche sagen, du seist die Tochter des Himmelsgottes Anu, manche sagen, daß Nanna, der Gott des Mondes dein Vater ist, manche auch denken, du seist die Tochter von Enlil, dem Gott der Winde. Vielleicht sind sie auch alle drei mit dir verwandt, der Himmel, der Mond und der Sturm. Wenn die Menschen nachts die Venus betrachten, denken sie an dich, und der achtstrahlige Stern ist dein Zeichen.
Dein Tier ist der Löwe, und sein Sturmgebrüll läßt die Heere erzittern, wenn du über sie kommst mit Blitz und Donner. Ja, eine Schlachtengöttin bist du. Manche halten dich für stolz und hartherzig, aber das Gerede anderer hat dich nie gekümmert. Du nimmst dir, was du willst, und du kämpfst, wenn dir etwas vorenthalten wird.
Doch du bist auch die Göttin eines anderen Schlachtfeldes. Du bist die Herrin der Liebe, des Sex und aller Freuden, die diese Welt hervorbringt. Du bist keine Göttin der Eheleute oder der Mutterschaft, sondern der Krieger und der Huren, die Göttin aller, die sich selbst gehören und die sich verschenken und hingeben nach ihrem eigenen Willen.
Du blickst in den Spiegel und erkennst dich. Du bist Ishtar. Ishtar. Ishtar.
Mit einem Mal verschwindet das Bild des Spiegels vor dir, und ein neues Bild entsteht um dich herum.
Du befindest dich in einem Wald. Die Sonne berührt den westlichen Horizont, und die Dämmerung bricht an. Du gehst einen gewundenen Pfad entlang. Um dich erheben sich Zedernbäume, ihr herber Duft erfüllt die Abendluft. Der Weg ist schmal und steinig. Er führt dich zu einer Felswand, die hoch und düster zwischen den Bäumen am Ende des Pfades aufragt.
Etwa in ihrer Mitte befindet sich der Eingang zu einer Höhle. Dunkelheit liegt in dem mannshohen Loch vor dir, und als du in den Schatten der Felswand trittst, fühlst du die feuchte Kälte des Gesteins.
Du betrittst die Höhle. Ein Pfad liegt kaum sichtbar vor dir. Nach einigen Schritten nimmt die Helligkeit um dich herum ein wenig zu. Schatten tanzen an den steinernen Felswänden entlang. Das Licht in der Höhle rührt von zwei brennenden Fackeln her, die rechts und links an den Wänden in eisernen Halterungen stecken. Vor dir befindet sich en breites Tor aus dunkelbraunem Holz. Als du den schweren eisernen Riegel niederdrückst, erkennst du, daß es verschlossen ist.
Es ist der Eingang zur Unterwelt. Hinter dieser Tür endet dein Reich, das Reich der Lebenden. Im Inneren dieser Höhle, hinter der Pforte zur Unterwelt, sind die Schatten derer, die einst waren, und alles, was lebt, muß einmal diese Schwelle passieren und in das Reich von Ereshkigal eintreten, deiner dunklen Zwillingsschwester. Sie ist die Herrscherin der Unterwelt. Niemals verläßt sie diesen Ort.
Vielleicht ist das Wissen darum, daß alles Lebendige einmal in Ereshkigals Reich hinabmuß, der Grund, weshalb du nun hier bist. Du bist die Herrin über alles, was lebt. Du willst verstehen, weshalb alles einmal aus deinen Händen genommen wird, und du hast dich aus freiem Willen entschieden, denselben Weg zu gehen wie die Menschen, die dich verehren und irgendwann diese Tür durchschreiten müssen.
Du öffnest deinen Mund und rufst mit lauter Stimme den Wächter des Tores zur Unterwelt.
„Torwächter, öffne mir!
Öffne das Tor, damit ich eintreten kann, um deine Herrin zu besuchen, Ereshkigal, die Königin der Unterwelt und Herrin der Toten!“
Es herrscht Stille um dich herum. Niemand antwortet dir.
Du spürst Ärger in die aufsteigen. Du bist Ishtar, die Herrin über alles, was lebt, und du bist es nicht gewohnt, daß man dich warten läßt. Erneut erhebst du deine Stimme, und du fühlst, wie ihr Klang durch alle Welten hallt:
„Torwächter, öffne mir!
Wenn du mir nicht Einlaß gewährst, werde ich das Schloß mit Gewalt öffnen. Ich werde die Torpfosten eindrücken, ich werde die Torflügel zermalmen und mir von selbst Einlaß verschaffen. Das Tor wird zerstört werden, die Toten werden ungehindert in die Welt der Lebenden eindringen, und Chaos wird über die Welt hereinbrechen. Also hindere mich nicht länger!“
Nach einem weiteren Moment der Stille hörst du mit einem Mal eine Stimme in deinem Ohr- ein trockenes Zischen wie der Lufthauch einer Gruft, in die seit Äonen kein Lichtstrahl drang.
„Zerstöre nicht das Tor, o Ishtar! Ich habe dich meiner Herrin Ereshkigal angekündigt, und sie hat mir befohlen, dir Einlaß zu gewähren, gemäß der Regeln, die für alle gelten, die Ereshkigals Reich betreten.“
Das große Tor öffnet sich mit einem lauten Knarren, und gleichzeitig spürst du, wie unsichtbare Hände die Krone aus Lapis Lazuli von deinem Kopf nehmen.“
Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir meine Krone?“
Die unsichtbare Stimme flüstert in dein Ohr:
„Weil dies die Regeln sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du schreitest durch das Tor und stehst nach wenigen Metern vor einem zweiten Tor im Gestein, das ebenso verschlossen ist, wie das erste.
Das Tor öffnet sich vor dir, und gleichzeitig fühlst du, wie unsichtbare Hände deine kostbaren Ohrringe aus Lapis Lazuli entfernen.
Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir meine Ohrringe?“
Die unsichtbare Stimme flüstert in dein Ohr:
„Weil dies die Regeln sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du schreitest durch das Tor und stehst nach wenigen Metern vor einem dritten verschlossenen Tor. Es öffnet sich vor dir, und gleichzeitig fühlst du, wie unsichtbare Hände deine Halskette entfernen.
„Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir meine Halskette?“
„Weil dies die Regeln sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du schreitest durch das Tor und stehst nach wenigen Metern vor einem vierten verschlossenen Tor. Es öffnet sich vor dir, und gleichzeitig fühlst du, wie unsichtbare Hände die Juwelen auf deinen Brüsten entfernen.
Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir die Juwelen auf meinen Brüsten?“
„Weil dies die Regeln sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du schreitest durch das Tor und stehst nach wenigen Metern vor einem fünften verschlossenen Tor. Es öffnet sich vor dir, und gleichzeitig fühlst du, wie unsichtbare Hände den Gürtel aus Lapis Lazuli um deine Hüften entfernen.
Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir meinen Gürtel?“
„Weil dies die Regeln sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du schreitest durch das Tor und stehst nach wenigen Metern vor einem sechsten Tor. Es öffnet sich vor dir, und gleichzeitig fühlst du, wie unsichtbare Hände deine juwelenbesetzten Arm- und Fußringe entfernen.
Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir meine Arm- und Fußringe?“
„Weil dies die Regen sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du schreitest durch das Tor und stehst nach wenigen Metern vor einem siebten Tor. Es öffnet sich vor dir, und gleichzeitig fühlst du, wie unsichtbare Hände dein Kleid entfernen.
Du fragst den Torwächter:
„Weshalb nimmst du mir mein Kleid?“
„Weil dies die Regeln sind für alle, die Ereshkigals Reich betreten.“
Du bist nun völlig nackt. Alle Insignien deiner Macht sind von dir genommen. Nackt betrittst du das Reich der Toten.
Der unsichtbare Torwächter geleitet dich in einen weitläufigen Thronraum. An seinem Ende steht ein steinerner Thron, auf dem eine Frau sitzt. Sie trägt dieselben Schmuckstücke wie du sie besaßest, und die dir alle genommen wurden, weil du nichts ins Totenreich mitnehmen kannst, als nur dich selbst.
Die Frau auf dem Thron sieht aus wie dein eigenes Spiegelbild, aber es ist, als würdest du dein Angesicht in einem dunklen Raum betrachten, denn ein Schatten liegt auf ihrer Gestalt, der allen ihren Bewegungen folgt und sie verhüllt. Es ist Ereshkigal, die Herrin des Totenreiches, deine göttliche Schwester.
Sie steht auf, tritt dir entgegen und richtet ihre Stimme gegen dich:
„Was Schwester, hat dein Herz bewegt, hierher zu kommen? Warum war es dein Wunsch, mich in meinem Reich zu besuchen?
Lehm zu essen wie Fleisch?
Staub zu trinken wie Wein?
Du willst erfahren, wie es denen geht, die mein Reich betreten? Du sollst es erfahren!
-Namtar, mein Bote und Diener! Nimm Ishtar gefangen, damit sie mein Reich nie mehr verlasse! Sende die sechzig tödlichen Krankheiten gegen sie!
Krankheit des Auges gegen ihre Augen!
Krankheit der Lenden gegen ihre Lenden!
Krankheit der Füße gegen ihre Füße!
Krankheit des Herzens gegen ihr Herz!
Krankheit des Kopfes gegen ihren Kopf!
Gegen ihren ganzen Körper, gegen ihr ganzes Wesen!“
Du versuchst zu fliehen, aber du bist wie gelähmt. Du spürst, wie deine Kraft dich verläßt. Ereshkigals Diener, die Dämonen der Unterwelt, sind gegen deinen Körper losgelassen. Du wirst hochgehoben und an einen Pfosten in der Mitte der großen Halle gehängt. Wellen von Schmerz überrollen dich, als Ereshkigals Diener dir deinen Lebensatem nehmen, deine Stärke und deinen Willen aussaugen und deinen hängenden Körper zurücklassen, eine leere und verlassene Hülle. Alles um dich herum versinkt in Dunkelheit.
Papsugal, der Bote der Götter, berichtet dem Gott Enki, daß du in die Unterwelt hinabgestiegen bist und getötet wurdest. Er spricht:
„Seitdem Ishtar tot ist, wird nichts auf Erden mehr gezeugt. Die Göttin der Fruchtbarkeit ist tot, die Erde ist unfruchtbar wie im tiefsten Winter. Kein Bulle besteigt mehr eine Kuh, keine Frau hat mehr das Verlangen, mit einem Mann zu schlafen. Freude, Lust und Wildheit sind verschwunden.“
Da ersinnt der Gott Enki einen Plan, um dich wieder ins Leben zurückzuholen. Er formt ein geschlechtsloses Wesen, Asu-shu-namir, den Eunuchen. Er beauftragt ihn, mit dem Wasser des Lebens in die Unterwelt hinabzusteigen und befiehlt ihm, was er dort zu sagen hat.
Asu-shu-namir geht hinab in die Unterwelt und tritt vor Ereshkigals Thron. Er findet Gefallen vor den Augen der Herrin der Unterwelt. Als sie ihn auffordert, einen Wunsch zu nennen, sagt Asu-shu-namir:
„Ich will von den Wassern des Lebens trinken.“
Da schreit Ereshkigal wütend auf und verflucht ihn. Sie sagt:
„Du hast einen Wunsch ausgesprochen, den ich dir nicht gewähren kann. Ich stehe in deiner Schuld.“
Asu-shu-namir verlangt, deinen Körper ausgeliefert zu bekommen. Er erhält ihn, und er sprenkelt sechzig Mal das Wasser des Lebens auf deinen Körper.
Da vergeht die Dunkelheit um dich herum. Das Leben pulsiert erneut in dir. Deine Sinne kehren zurück. Du beginnst deinen Körper wieder zu fühlen, du spürst, wie deine Stärke, dein Wille und deine Lebenslust zurückkehren. Du fühlst dich so kräftig und erfrischt wie nach einem langen und tiefen Schlaf.
Du bist wieder lebendig. Du, Ishtar, die Göttin allen Lebens, hast die Reise unternommen, auf die sich alles einmal macht, was lebendig ist. Doch nun kannst du nicht länger hierbleiben. Du bist Leben an einem Ort des Todes. Du verläßt die Unterwelt durch die sieben Tore, um zur Welt der Lebenden zurückzukehren.
Als du durch das erste Tor trittst, nimmst du dir dein Kleid zurück.
Als du durch das zweite Tor trittst, nimmst du dir deine Arm- und Fußringe zurück.
Als du durch das dritte Tor trittst, nimmst du dir deinen Gürtel zurück.
Als du durch das vierte Tor trittst, nimmst du dir die Juwelen für deine Brust zurück.
Als du durch das fünfte Tor trittst, nimmst du dir deine Halskette zurück.
Als du durch das sechste Tor trittst, nimmst du dir deine Ohrringe zurück.
Als du durch das siebte Tor trittst, nimmst du dir deine Krone zurück.
Du bist nun wieder in der Welt der Lebenden angekommen. Du bist Ishtar, die Göttin, die in die Unterwelt hinabstieg, die starb und wieder zum Leben erweckt wurde. Verweile noch ein wenig in dem Gefühl dieser langen und aufregenden Reise, die du unternommen hast.
(Pause)
Nun verabschiede Ishtars Anwesenheit in dir.



