Magick
Sexualmagick
Phantasien und Praktiken
Phantasien und Praktiken
Phantasien
Sie sollen beim Partner, der denKleinen Energiekreislauf hergestellt hat, diesen wahrnehmen. Das kann auch durch Fühlen geschehen, etwa mit den Händen, wobei die vorher durch kräftiges Reiben ensibilisierten Handfläche in etwa 10 cm Abstand über die Haut des anderen geführt werden. Meistens verspüren Sie bei Erfolg ein leichtes Prickeln oder Kribbeln. Ebensogut können Sie natürlich auch die Energieströme quasioptisch wahrnehmen, tatsächlich ist die Technik mit dem Aurasehen identisch. Auch hier kommt es wesentlich darauf an, den 180° Blick zu verwenden und das Ziel nicht direkt anzublicken, sondern eine Spur schräg
an ihm "vorbei" zu sehen. Dies geht am besten bei einem unbekleideten Partner, der möglichst vor einer hellen kahlen Wand stehen sollte (also nicht vor der Blümchentapete in der Diele aufbauen!).
Wenn Sie einmal Schamanen beobachtet haben, wird Ihnen vielleicht aufgefallen sein, daß diese andere Menschen, vor allem bei der Begegnung, etwas schräg,
gewissermaßen "von unten her" anblinzeln. Dabei handelt es sich um ein Abtasten der Aura. Die mit diesen Übungen entwickelten Fähigkeiten dienen erstens der allgemeinen Intuitionsschulung und finden eine ihrer nützlichsten Verwendungen im Bereich der Geistheilung. Aber auch die Kampfmagie setzt diese Techniken ein, um die Schwachstellen beim Gegner ausfindig zu machen und ihn entsprechend gezielt anzugreifen. Sie sehen also, daß unsere Übungen alle durchaus magischen Charakter haben, auch wenn sie häufig von ganz anderen, nichtmagischen Disziplinen verwendet werden. Für die Sexualmagie spielen Aurasehen und feinstofflich Wahrnehmung ganz allgemein eine wichtige Rolle, weil ohne sie der Austausch rituell polarisierter oder verstärkter Energien sehr schwer, ja beinahe unmöglich wird.
Der Umgang mit sexuellen Phantasien Die moderne Sexualforschung hat die sexuelle Phantasie erheblich aufgewertet. Man hat erkannt, daß der Mensch auch ein "Traumtier" ist, und die sexuelle Phantasie ist keineswegs nur ein Ersatz für eine erfüllende Sexualität, sondern vielmehr ein wichtiger integraler Bestandteil der Sexualität selbst. Gewiß, die sexuelle Phantasie kann die Sexualität beleben und bereichern, kann ihr zu Höhenflügen verhelfen und manches Ungleichgewicht beheben. Leider wird sie aber nur selten geschult und dient den meisten Menschen eben oft doch nur als Ersatzbefriedigung. Vor einer solchen seelischen und sexuellen Verarmung muß jedoch eindringlich gewarnt werden! Wenn die sexuelle Phantasie nämlich wie ein Kraken mit ihren Tentakeln die gesamte Sexualität eines Menschen zu bestimmen beginnt, und das geschieht sehr leicht, so hat dies fast immer auch negative körperliche Folgen.
Eine der Grundursachen für Impotenz und Frigidität ist oft ein Übermaß an sexueller Phantasie, das zum beherrschenden Faktor in der Gesamtsexualität geworden ist. Genau genommen handelt es sich dabei um eine "Verkopfung" der Sexualität, der nur durch Abstinenz von jeglicher sexuellen Phantasiererei entgegengewirkt werden kann. Wer, aus welchen Gründen auch immer, seine Sexualität (meist masturbatorisch) nur noch auf der Phantasieebene allein ausleben kann, der hat den Kontakt zur Körperlichkeit verloren - mit den entsprechenden Konsequenzen. Darin liegt die eigentlich Gefahr der Pornographie, und nicht etwa in irgendwelchen sittenverderbenden Einflüssen. Damit keine Mißverständnisse auftreten: Ich spreche hier zunächst von etwaigen Gefahren, ohne damit jedoch die Sache pauschal abzulehnen. Man muß sich dieser Aspekte jedoch bewußt sein, will man nicht durch unnötige Fehler den Segen, den die sexuelle Phantasie eben auch darstellen kann, aufs Spiel setzen.
Die sexuelle Phantasie ist dem Tagtraum und der magischen Imagination ähnlich, sie stellt also einen Zustand des erleichterten Zugangs zum Unbewußten dar, so daß man aus ihr leicht eine gnostische Trance machen kann. Speziell der Verkehr mit Inkubi und Sukkubi, auf den wir noch eingehen werden, findet entweder auf dieser oder auf der Traumebene statt. Halten Sie sich an folgende Regeln, wenn Sie mit sexuellen Phantasien umgehen:
* Wenn Sie sexuelle Hemmungen haben und sich Ihre sexuellen Wünsche nur ungern eingestheen, sollten Sie sich regelmäßig in sexuellen Phantasien üben, um dort
gewissermaßen "trockenschwimmend" Ihre Hemmungen abzubauen und sich selbst als sexuelles Wesen erfahren und schätzen zu lernen. Versuchen Sie aber auf jeden Fall, die sexuelle Phantasie körperlich sein zu lassen, etwa indem Sie dabei masturbieren, entsprechende Körperbewegungen machen usw. Das beugt einer Verkopfung vor.
* Sobald Sie feststellen sollten, daß Ihre Sexualität ohne sexuelle Phantasie unmöglich wird, daß Sie regelmäßig oder häufig Potenz - oder Orgasmusprobleme bekommen, wenn Sie ohne sexuelle Phantasie arbeiten, so sollten Sie dies als ernstes Alarmsignal werten und sich für eine Weile jeglicher sexuellen Phantasie enthalten. Das gleiche gilt für den Gebrauch von Pornographie, gegen den im Prinzip nichts einzuwenden ist, solange er nicht zum alleinbestimmenden Faktor Ihrer Sexualität wird.
* Nutzen Sie Ihre Fähigkeit zur sexuellen Phantasie, indem Sie sich auch regelmäßig in Ihren Phantasien mit sexuellen Praktiken auseinandersetzen, die Ihnen nicht zusagen, vor denen Sie sich ekeln o.ä. Damit nu tzen Sie die Macht der Imagination dazu, eine erweiterte, weniger bedingte Persönlichkeit aufzubauen, wie sie der Sexualmagier oder die Sexualmagierin braucht, um mit Hilfe ihrer Disziplin zur Selbsterfüllung zu gelangen. Allerdings bleibt dies bloße Ersatzbefriedigung, wenn es nicht irgendwann auch körperlich in die Tat umgesetzt wird. Allgemein ist die sexuelle Phantasie ein gutes Mittel der Imaginationsschulung, weil das mit ihr verbundene Lustprinzip ein kraftvoller Motor ist und den Erfolg erleichtert.
Sexuelle Praktiken
Sind Ihnen bestimmte sexuelle Praktiken sehr stark zuwider, können Sie sicher sein, daß an diesen Punkten auch sehr starke innere Energien gebunden sind. Zwingen Sie sich bewußt zur Auseinandersetzung mit diesen Praktiken, so werden Sie unweigerlich feststellen, daß dies in Ihnen eine ganz andere Kraft und Magis freisetzt, als dies bei weniger verfänglichen Techniken der Fall gewesen wäre. Das bedeutet freilich nicht, daß Sie deshalb dabei auch eine besonders angenehme Erfahrung machen werden, oft ist das genaue Gegenteil der Fall. Aber die "Einweihung durch Schrecken" war und ist ja auch nie eine angenehme oder gar "gemütliche" Erfahrung, und doch führt sie oft sehr viel gründlicher, schneller und effektiver zum nächsten Teilziel, als dies die Zimperlichkeit vermag. Dies sollten Sie stets bedenken, bevor Sie sich dazu entschließen, eine bestimmte sexualmagische Erfahrung zu verweigern (was allerdings durchaus auch sinnvoll sein kann!).
Andererseits ist ein erzwungener Tabubruch nur eine sinnlose Quälerei, wenn nicht dahinter die richtige Einstellung und Zielsetzung steht. Nackte Angst allein macht noch keine Einweihung, auch nicht die Tatsache, daß man sie vielleicht überlebt oder überwunden hat. Aus diesem Grunde ist es auch so wichtig, was übrigens alle guten Magiebücher betonen, daß der Magier zu seinem eigenen Willen findet, daß er ein Ziel vor Augen hat und weiß, weshalb er den Tabubruch begehen muß und will. Dies im Alleingang zu tun, ist oft sehr schwierig, weshalb sich auch manch ein angehender Adept nach einem Meister oder Lehrer sehnt. Doch hat das Meister - Schüler - Prinzip auch seine Tücken: Zwingt der Meister den Schüler wider dessen Wollen (nicht "Willen"!) zu bestimmten Dingen, richtet sich die Energie des also Gepeinigten nur zu oft in Form von Wut, Haß und Auflehnung gegen den Lehrer, anstatt sich auf die ihm gestellte eigentliche Aufgabe zu konzentrieren. Der Meister wiederum muß einen Großteil seiner Arbeit darauf Aleister Crowley, zu dessen Hauptverdiensten um die Magie es nicht zuletzt auch gehörte, das Prinzip der Selbsteinweihung auf feste Beine gestellt zu haben, weist in seinen Abhandlungen zur Magie darauf hin, daß vor allem der Anfänger dazu neigt, Praktiken und Gebiete zu bevorzugen, die ihm am meisten li egen und am leichtesten fallen. Dadurch werde, führt Crowley aus, ein bereits bestheendes Ungleichgewicht nur noch verstärkt. Insofern hat der gezielte Tabubruch zugleich eine pädagogische und eine ausgleichende Funktion, weil er zu einer ausgewogeneren magischen Persönlichkeit führen will. In kaum einem Bereich wird dies so deutlich wie in der Sexualität. Ich möchte an dieser Stelle die Behauptung wagen, daß die Sexualmagie aus dieser Tatsache auch den Großteil ihrer Kraft schöpft: Dadurch, daß sie auch mit Sexualängsten und - tabus arbeitet, setzt sie vor allem am Anfang eine ungeheure Erfolgsenergie frei, weshalb auch gerade Anfänger von ihrer Wirkung so überrascht sind. Doch ist ein Tabu einmal oder gar mehrfach gebrochen worden, verliert es natürlich an "Unterdrückungskraft". Es ist als würde man den Deckel des kochenden Wassertopfs ständig öffnen, um so den Dampfdruck zu vermindern. Allerdings führt die Sexualmagie über den reinen Tabubruch weit hinaus. Um ein Beispiel zu geben: Ist der Dampf erst einmal (meist explosionsartig)
abgelassen worden, kann man sich gezielt der Energie des kochenden Wassers selbst bedienen. Mit diesem Bild soll auch deutlich gemacht werden, daß es bei der
Sexualmagie nicht um den Tabubruch allein geht. Er stellt vielmehr eine wertvolle Hilfe dar und sollte auch als solche respektiert und angewandt werden, aber er ist keineswegs das einzige Kraftprinzip dieser Praktik und schon gar nicht ihr alleiniges Hauptziel!
Ein schwerwiegendes Problem, welches in der Praxis der Sexualmagie eine große Rolle spielt, ist das der Liebe. In diesem Werk wollen wir uns allerdings nicht ausführlich damit befassen, und zwar aus mehreren Gründen, die hier kurz beleuchtet werden sollen. Daß Liebe und Sexualität eng zusammengehören, galt keineswegs imm er als so unfraglich, wie wir es heute oft sehen. Gerade in Zeiten unterdrückter Sexualität wurde vornehmlich", die reine durch Sexualität "unbefleckte" Liebe propagiert. Das hat sich jedoch inzwischen weitgehend geändert, und heute sind sich, von wenigen religiösen Fanatikern abgesehen, die meisten Menschen darin einig, daß die Sexualität zur Liebe gehört. Egal, ob dies nun unbedingt im Rahmen einer institutionalisierten Ehe sein muß, oder ob man auch die sogenannte "freie Liebe" (oder "wilde Ehe") toleriert - die Grundeinstellung ist weitgehend dieselbe. Generell will die Magie befreien, und nicht versklaven - und die Sexualmagie will dies verstärkt eben auch auf sexuellem Gebiet leisten.



