Szeneberichte
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
Teil 4: Spermagnosis - die etwas andere Obsession des Peter-Robert König
Teil 4: Spermagnosis - die etwas andere Obsession des Peter-Robert König
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
Teil 4: Spermagnosis - die etwas andere Obsession des Peter-Robert König
| "418 ist eine thelemitisch wichtige Zahl, denn kabbalistisch gesehen korrespondiert die Zahl 418 mit dem Zahlenwert des Begriffes Thelema." Peter-Robert König in "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" |
Dass der Begriff "Spermagnosis" schon vor König zur Anwendung kam, muss er niemandem erzählen, schließlich kann man im Netz einen Bericht von Epiphanius von Salamis über die Praktiken der Gnostiker nachlesen. Bemerkenswert ist der Kontext, dem er entstammt – die Häretikerverfolgung. Epiphanius von Salamis, geboren um 315, war ab 367 Bischof von Konstantia (Salamis) auf Zypern. Epiphanius sah Origenes [18] bzw. seine Schriften als Urheber aller Häresie [19] an und bekämpfte sie erbittert, als Epiphanius' Hauptwerk gilt sein Panárion (als "Adversus haereses" oder einfach "Haereses" bekannt, untertitelt als "Hausapotheke gegen die Schlangenbisse der Häresie"). Epiphanius gilt als Hauptprotagonist des Ersten Origenistischen Streits [20] – das Einsetzen der Häretikerverfolgung zeichnete sich ab, die Inquisition warf ihren ersten Schatten über die Christenheit und man kann in Epiphanius getrost den Urtypus des heutigen Weltanschauungsbeauftragten sehen, auch wenn man sich ihrer in 1.600 Jahren garantiert nicht wegen ihrer außerordentlichen Bildung und Sprachfertigkeiten erinnern wird, wie das heute mit Epiphanius der Fall ist.
Ist es Zufall, dass der wohl älteste Bericht über das, was man heute als spermagnostische Praxis bezeichnet, ausgerechnet aus dem historischen Vorfeld der Inquisition stammt? Ist es Zufall, dass die Tradition des Rückgriffs auf sexuelle Praktiken, auf die Darstellung sexueller "Perversionen", als vermeintlich argumentatives Muster sich über 1.600 Jahre hinweg bis zu Peter-Robert Königs Darstellung spermagnostischer Praxis als zentrales Element und de facto Alleinstellungsmerkmal von Thelema erhalten hat? Ich lasse die Fragen unbeantwortet im Raum stehen, denn ich habe keine Antwort darauf, hoffe aber, dass sie dem Leser – und Herrm König – Denkanstoß sind.
"Üppige Speisen tragen sie auf, essen Fleisch und trinken Wein, auch wenn sie arm sind. Wenn so miteinander getafelt und sozusagen die Adern mit ihrem Überschuß an Kraft angefüllt haben, gehen sie zur Anreizung über. Und der Mann verlässt den Platz an der Seite seiner Frau und spricht zu seinem eigenen Weibe: Stehe auf und vollziehe die Agape mit dem Bruder. Die Unseligen aber vereinigen sich miteinander, und wie ich mich in Wahrheit schäme, ihre schimpflichen Handlungen zu erzählen, weil, um mit den Worten des heiligen Apostels zu sprechen [21], das, was bei ihnen geschieht, auch zu sagen schändlich ist, so werde ich mich dennoch nicht scheuen, damit ich in jeder Hinsicht bei den Lesern der von ihnen verübten Unzüchtigkeiten einen Schauder errege. Nachdem sie sich nämlich vereinigt haben, erheben sie, nicht genug an dem Laster der Hurerei, noch ihre eigene Schande gen Himmel: Weib und Mann nehmen das, was aus dem Manne geflossen ist, in ihre eigenen Hände, treten hin, richten sich nach dem Himmel zu auf mit dem Schmutz an den Händen und beten als sogenannte Stratiotiker und Gnostiker, indem sie dem Vater, der Allnatur, das was sie an den Händen haben, selbst darbringen mit den Worten: 'Wir bringen dir diese Gabe dar, den Leib Christus'. Und dann essen sie es, kommunizieren ihre eigene Schande und sagen: 'Das ist der Leib des Christus, und das ist das Passah, um dessentwillen unsere Leiber leiden und gezwungen werden, das Leiden des Christus zu bekennen.'"
Epiphanius von Salamis
Soweit die Geschichte - zurück zu Peter-Robert König. Auch mit häufiger Wiederholung seiner phänomenalen Erkenntnisse redet König die beiden problematischsten Punkte nicht weg. Da ist zunächst die Frage, was er da eigentlich an Quellen haben will. So, wie sich das in dem hier besprochenen Buch, aber auch in Königs "Der O.T.O. Phänomen Remix" darstellt, hat er alle Aussagen und Papiere, die er als Beleg wertet, zu einem gewissen Teil von diversen Szeneprotagonisten selbst aus erster Hand, den weitaus größeren Teil jedoch von irgendwelchen Lieferanten aus zweiter oder dritter Hand. Die versichern König natürlich die Echtheit derselben und König versichert diese dem Leser - und der soll sie ihm abnehmen, mithin glauben, wirklich prüfen kann der Leser das aber nicht. König hat, wie er im Buch selbst angibt, spermagnostische Praktiken als Augenzeuge nie erlebt und er hat auch nie ein Produkt spermagnostischer Herkunft oder Verwendung - einen Lichtkuchen oder ähnliches - gesehen, dessen spermagnostischer Gehalt auch nur einigermaßen zweifelsfrei feststand. Also bleiben in Bezug auf spermagnostische Praktiken nur Aussagen, Niederschriften über mehrere Ecken und Gekritzel, aus dem König "sexualmagische Anweisungen" mit direktem Bezug auf vermeintlich oder tatsächliche spermagnostische Praktiken herauslesen will, wie das putzige Bildchen auf Seite 248, dessen Untertitelung den Eindruck erweckt, Wolther sei immer noch Großmeister der Fraternitas Saturni. Mich erinnert das Gekrakel eher an Omnipotenzphantasien pubertierender Jungsatanisten, aber sei's drum - verblüffend bleibt der Umstand, dass König den Okkultisten definitiv und buchstäblich nichts von ihren Absichten, Anliegen und Werten abnimmt, was dann schlußendlich in die Pathologisierung mündet, aber an ausgerechnet diesen einen Punkt, den König da als praktizierte Spermagnosis belegt sehen will, glaubt er mit nachgerade obsessiver Inbrunst.
Die Backanweisungen für die "cakes of light" beispielsweise sind hinlänglich bekannt, und das sicherlich deshalb, weil König sie so enthusiastisch ventilierte. Genau deshalb habe ich sie nie ernst genommen, genauso wenig, wie ich Königs Eisenbahngeschichte auf Seite 232f. ernstnehme, wobei ich nicht bestreite, dass ein solches Papier vor ziemlich langer Zeit in irgendeiner Loge verfasst wurde und dass irgendwer dem König den Eisenbahnschwank tatsächlich erzählte. Meine Skepsis resultiert aus meinen Erfahrungen mit "Großmagiern" jeder Couleur, die von den außergewöhnlichsten magischen Experimenten und nachfolgenden Erfahrungen inklusive der tollsten sexualmagischen Praktiken und Rituale an den geweihtesten Orten, die der Papst sich denken kann, zu berichten wussten, was in den allermeisten Fällen bei näherer Befragung alles zu Illusionen, Halluzinationen oder bloßer Prahlerei zerbröselte. Es steckte schlicht nichts dahinter. So gesehen bin ich bei solchen Berichten und Papieren grundsätzlich sehr skeptisch. Mehr noch, ich habe mehr als einmal die verblüffte Nachfrage seitens diverser, an den höheren Mysterien interessierter Jungmagier gehört, dass es "sowas" bei Thelema aber geben müsse, wo der König das doch schreibe. Was zumindest als Hypothese nahelegt, dass Forschung a la König ihre Ergebnisse auch selbst generiert. Das liest sich im Original dann so:
PRK: Ich kenne da einen netten, jungen Mann, der sich selbst eine Tonbüste töpferte und sie in einem Wald salbte. Derselbe junge Mann masturbierte auch in einem Zug, der um 04:18 abfuhr auf die Sitze (418 ist eine thelemitisch wichtige Zahl, denn kabbalistisch gesehen korrespondiert die Zahl 418 mit dem Zahlenwert des Begriffes Thelema). Und dann kratzte er im Warburg Institute London, wo die Originalgemälde von Crowleys Tarot lagern, ein Stückchen blaue Farbe von einem dieser Ölgemälde ab, fügte es in die Vagina seiner Freundin ein, die nach vollführtem Verkehr über ein Stück jungfräuliches Pergament kauerte, auf dem ein magisches Sigill gezeichnet war und alles darauf tropfen ließ. Niemand von den Beteiligten war oder ist in einem Orden. Aber alles wurde mir detailliert berichtet.
Huettl: Nach diesem Einblick in die angeblich größten Geheimnisse, die doch niemals ein Außenstehender erfahren dürfe, wären wir erneut bei der Arkansdiziplin, die von den Okkultgruppen angeblich mit solch großer Perfektion geübt werden soll. [...]
[Andreas Huettl, Peter-R. König: "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Kreuzfeuer Verlag 2006, Seite 232f]
Es ist wirklich deprimierend - um solch grenzdebiles Geschwätz unter die Leute zu bringen, müssen unschuldige Bäume sterben. Es ist, wie gesagt, ziemlich sicher, dass irgendwann irgendjemand dem König diesen Quatsch erzählte und genauso sicher ist, dass derjenige sich nun diebisch freut, damit in einem Buch verewigt zu sein. König nimmt solch groben Unfug nicht nur an der hier zitierten Stelle für bare Münze und Huettl reagiert, als hätte es Crowleys detaillierte Darstellungen magischer Praktiken oder Grosches Veröffentlichung von Crowleys magischen Ritualen nie gegeben. Dessen nicht genug – keiner der beiden ist in der Lage, sich die eigentlich doch naheliegende Frage zu stellen, ob es wirklich wahrscheinlich ist, dass Kabbalisten Begriffe in griechischer Sprache deuten, was keine Frage von Spezialwissen, sondern eine des gesunden Menschenverstandes gewesen wäre. Das ist natürlich nicht naheliegend und von einem, der seit über zwanzig Jahren in dem Metier als Sachverständiger hausieren geht, sollte man erwarten können, dass er die Korrespondenzen mittlerweile wenigstens soweit kennt, dass ihm nicht solch ein Unsinn unterläuft.
Die kabbalistische Korrespondenz zur 418 ist unter anderem der Begriff "Abrahadabra", das Wort des Neuen Aeons, wie Crowley es im Liber 777 aus den Wortbestandteilen herleitet. Was König meinte, bleibt unklar, die Gematria des Begriffes "Thelema", und zwar die griechische, ergibt allerdings 93. Deshalb auch der Gruß 93/93, Herr König, die zweite 93 steht für die griechische Gematria des Begriffes "Agape", die auch 93 ergibt. Es ist nicht, wie Sie vermutlich bis dato annahmen, die Mindestanzahl zu verzehrender Lichtkuchen zum Zwecke der vollständigen Erleuchtung gemeint.
Na da brat mir einer einen Storch! Da schreibt doch der Bischof Epiphanius, die ollen Gnostiker haben "Agape" bei ihren Schweinigeleien gesagt! Na wenn das mal kein schlagender Beweis ist - mit der messerscharfen Logik Königscher Induktion geschlossen heißt das, dass jeder (zumindest jeder Okkultist), der Agape sagt, ein Spermagnostiker ist. Schlimmer noch, der Thelemitengruß 93/93, bei dem, wie eben erläutert, die eine 93 für Thelema und die andere für Agape steht, heißt ohne jeden Zweifel – wenn man diesen schwarzokkultmagischgeheimbündlerischen Code entschlüsselt, weil also Thelema für Wille und Agape nur dem Anschein nach für Liebe, in Wirklichkeit aber für spermagnostischen Schweinkram steht – nichts anderes als "Ich will Spermagnosis mit dir machen." Die Antwort 93/93 heißt dann "Ich will auch Spermagnosis mit dir machen." und die gelegentlich im Gruß anzutreffende dritte 93 heißt somit und erwiesenermaßen schlüssig "Los, laß uns Spermagnosis machen." Hömma, Herr Chefredakteur, wenn du nochmal 93 zu mir sachst, dann schreibe ich das dem Peter-Robert und der beweist dann unwiderlegbar schlüssig anhand dieses absolut echten Originaldokuments, dass du ein Igittpfuiäbbäspermagnostiker bist! Jawollja!
Vorsorgliche Anmerkung: Dieser Absatz war Ironie.
Was tut Peter-Robert König eigentlich, wenn er die Spermagnosis als angeblich zentrales und, wenn man seiner Darstellung folgt, fast alleiniges Element von Thelema konstituiert, und zwar für die Thelemiten in toto, was er nur hin und wieder beiläufig in einer handvoll Nebensätzen relativiert? Zunächst konstruiert er über die Spanne seines Textes in dem Buch einen ebenso banalen wie effizienten, weil in der Flut von Anekdoten und Schnurren leicht zu übersehenden Zirkelschluss [22]: Er definiert sein selbst gewähltes Arbeitsfeld quasi axiomatisch [23] als das, was er als das wirkliche Thelema bezeichnet und was per Definition spermagnostische Praxis beinhalten muss. Er schlussfolgert aus den unter dieser Axiomatik ausgewerteten Quellen, dass Thelema sich über spermagnostische Praxis definiert. Auffällig ist, dass König ausschließlich über eine handvoll Hochgradmitglieder aus einer handvoll Orden schreibt oder sie zitiert - und ohne Unterlass auf den Thelemiten als solchen und überhaupt schließt, womit er praktisch 2 oder 3 Prozent auf den gesamten Rest der Thelemiten pauschalisiert. Die Spermagnosis ist nur ein Aspekt der Gnostik und die Gnostik wiederum ist nur eine von ungefähr 20 Strömungen, die Crowley in Thelema einbrachte. Das heißt, sie macht in Theorie und Praxis nur einen Bruchteil dessen aus, was Thelema ist. Auffällig ist, dass Reuß, Kellner, Metzger, Jantschik, Heikaus, kurz – so ziemlich alle "spermagnostischen Kronzeugen" Königs, nicht nur in der Mehrheit tot sind, sondern ausschließlich in den sehr eng gezogenen Grenzen ihrer jeweiligen Orden und Logen eine Rolle spielen und für größten Teil der Thelemiten der nachfolgenden Generationen - wenn überhaupt bekannt - völlig irrelevant sind. Tatsache ist, dass im deutschsprachigen Raum - und um den geht es in Huettls Buch - Orden und Logen der "spermagnostischen Kronzeugen" Königs nicht im Ansatz die Bedeutung haben, die König ihnen zumisst. Eben weil heute die nicht an Gradsystem und Arkandisziplin, weil die nur lose oder gar nicht an Gruppen gebunden Thelemiten nicht nur zahlenmäßig, sondern auch vom ideellen Output her überwiegen (was ich mangels Wissen in Bezug auf den angelsächsischen an dieser Stelle auf den deutschen Sprachraum beschränke), lohnt es weder in Hinsicht auf ihre personelle und materielle Ausstattung und schon gar nicht in Hinsicht auf ihren ideellen Output den Aufwand, den König in die Beschäftigung in diese Gruppen investiert. (Für die Fraternitas Saturni trifft das allein wegen Tegtmeiers Output nicht zu.)
Dass König es trotzdem tut und sein bis dato fast komplettes Erwachsenenleben damit verplempert hat, ist natürlich seine Sache. Jedem Sternchen sein Laternchen, würde der Thelemit in Anlehnung an Vers I/3 des Liber L. vel Legis sagen. Das aber als de facto definitives oder gar finales Investigationsresultat und quasi der Weisheit letzten Schluss zu nehmen, halte ich für ganz und gar unzulässig. Wer sich von der möglichen Spannbreite in Sachen thelemische Weltsicht einen Eindruck verschaffen will, der möge das Thelema-Heft des Magickal Observer lesen [24].
An dieser Stelle möchte ich die Erörterung mit Hilfe einer Hypothese fortsetzen - wir setzen der Einfachheit halber spermagnostische Praxis als Faktum voraus und nehmen als gegeben an, dass es Menschen gibt, die solche Praktiken wie die "cakes of light" benutzten, um was auch immer zu bewirken. Wir haben jetzt also eine handvoll Dokumente und Einlassungen inkl. der von Jantschik, die solches en detail und mit Namensnennung beschreiben. Huettls Intention war – wie oben schon erwähnt - der Nachweis, dass es regelmäßiges oder gar systematisches, kriminelles Handeln aus einem vordergründig und motivierend kausalen, esoterischen und/oder okkulten Grund nicht gibt, sein Part ist der juristische und somit rein exoterische Aspekt. Königs Aufgabe war als Sachverständiger für diesen Bereich die quasi Beweisführung von der esoterisch-okkulten Seite her. So weit - so gut. Die Intention ist klar, die Aufgaben sind definiert - und wir haben die Dokumente und Einlassungen, die das, was im Buch als Spermagnostik als spezielle Form sexualmagischer Praxis gilt, belegen sollen und von denen wir als gegeben annehmen, dass sie es tun.

Und nun? Belegen oder beweisen diese Dokumente und Einlassungen an und für sich und so genommen, wie sie vor uns liegen, in irgendeiner Weise, dass es kein regelmäßiges oder systematisches kriminelles Handeln aus kausal okkultem Grund nicht gibt? Nein, das tun sie nicht, sie beweisen nur, dass es diese Form sexualmagischer Praxis gibt - und nichts sonst. In dieser Konstellation ist nichts gegen die Möglichkeit systematischen, kriminellen Handeln belegt oder bewiesen. Wie funktioniert also Königs Methode, die Unwahrscheinlichkeit systematischen, kriminellen Handelns als schlüssig erscheinen zu lassen und sozusagen per "Indizienbeweis" in die Nähe eines tatsächlichen Beweises zu rücken? König erklärt kurzerhand – wie beispielsweise eingangs zitiert - den Okkultisten an und für sich für krank und zum psychopathischen Freak - er pathologisiert. Deshalb noch einmal meine Fragen - seit wann gelten Soziopathen als harmlos? Seit wann ist das bloße Zutrauen oder eben Nichtzutrauen, eine Art gefühlte kriminelle Energie sozusagen, eine irgendwie in beweisführender oder meinetwegen auch justiziabler Hinsicht relevante Kategorie?
Die Praktizierung sexualmagischer Techniken ist genauso viel oder wenig obskur wie das Verbot des Geschlechtsverkehrs inklusive aller bekannten, physischen Varianten zur Selbstbefriedigung, das die größte und wahrscheinlich älteste Sekte der Welt ihrer Priesterschaft und ihren Amtsträgern, sofern sie keine Laien sind, auferlegt - sie ist schlicht Privatsache und von keinerlei öffentlichen Interesse, solange geltendes Recht geachtet wird und Dritte weder signifikant beeinträchtigt oder gar geschädigt noch zu irgend etwas genötigt oder gezwungen werden. Esoterik und Okkultismus bilden einen Querschnitt durch die Gesellschaft ab, wie auch alle anderen Religionen und Glaubensbekenntnisse das tun. Deshalb finden sich da, wie überall sonst auch, Kriminelle. Aber sie sind in ihrer individuellen Verantwortung als Menschen kriminell geworden und als nichts sonst. Sie bedürfen keiner Sonderbewertung, sondern ausschließlich der, die das Recht dafür parat hat. Ebenso psychisch instabile oder psychotische Menschen, sie sind krank und bedürfen medizinischer und keinesfalls weltanschaulicher oder okkultforschender Begutachtung und Behandlung. Wobei mir klar ist, dass der Teil psychisch instabiler Menschen in der esoterisch-okkulten Szene höher als im Gesamtdurchschnitt der Bevölkerung ist. Aber das trifft ebenso auf alle anderen Bekenntnisse mit intensiveren Glaubensmustern und damit spirituellen Erfahrungen zu, als sie z.B. die Evangelische Landeskirche Berlin/Brandenburg zu bieten hat.
Zwar geht Huettl, außer in seinem Haupttext, gerade auf den Seiten 302ff. und 309ff auf diese Punkte ein. Es geht nur leider unter in dem Berg von "Fakten", den König so hoch stapelt, dass definitiv kein Leser, der mit dem Sujet nicht tiefer vertraut ist, noch drüber hinweg sehen, also Zusammenhänge und Kontexte erkennen kann. Es rutscht weg unter die nachfolgenden Erörterungen in Sachen Messen, Opferungen und Rituale, bis auf Seite 336 das obige Zitat folgt, das bis dahin systematisch aufgebaut wurde und dessen Motiv, wenn ich nicht irre, später noch einmal wiederholt wird.



