Szeneberichte
Die Pasadena-Story - Jack Parsons & Ron Hubbard
Teil 7: John Marvel Whiteside "Jack" Parsons...
Teil 7: John Marvel Whiteside "Jack" Parsons...
Mythen in Tüten - Jack Parsons und Ron Hubbard
Teil 7: John Marvel Whiteside "Jack" Parsons, das LAPD, das FBI und Special Officer Hubbard
Zunächst – um Herrn Busch zu korrigieren – Parsons war kein Atomphysiker, er war von 1936 bis 1944 einer der führenden Forscher am Jet Propulsion Laboratory, weswegen es in bezug auf Parsons und das Lab heißt: "... which has led some to affectionately refer to it as the Jack Parsons Lab" [19]
In den oben zitierten Darstellungen der Scientology Kirche wird die Tätigkeit zwei voneinander unabhängiger, administrativer Organe einfach vermischt, um Hubbards Tun irgendwie eine gewisse Bedeutungsmächtigkeit zuzuweisen – die des Los Angeles Police Department (LAPD), für das Hubbard als Special Officer im Einsatz gewesen sein soll, und die des Federal Bureau of Investigation (FBI).
Frau Webers Ausführung "Wie aus dem Zeitungsausschnitt hervorgeht, schien es durchaus strafrechtlich relevante Handlungen zu geben..." ist dahingehend inakzeptabel, weil wir im konkreten Fall und in Hinsicht auf etwaige rechtliche Verfehlungen Parsons nicht von "scheinen" zu reden brauchen. Entweder es wurden strafrechtlich relevante Handlungen seitens der dazu bestimmten Organe, also der Justiz, geahndet oder eben nicht, alles andere ist rein spekulativ oder eben schlichte Unterstellung. In Parsons Fall wurde nichts geahndet, er wurde nie wegen irgend etwas angeklagt, geschweige denn verurteilt. Im Übrigen kann ich in dem Zeitungsausschnitt nichts dergleichen finden, da ist in der hinlänglich bekannten, verschwiemelt-aversiven Weise nur von "schwarz-magischen" und "barbarischen und bestialischen Riten" zu lesen. Trotzdem "strafrechtlich relevante Handlungen" seitens Parsons zu behaupten heißt, sich derselben Methodik zu bedienen, mit der die sogenannten Kritiker im Fall der Lisa McPherson auf Mord, mindestens aber Totschlag bestehen - nur mit dem Unterschied, daß es in diesem Fall tatsächlich eine Tote gab.
7a. Los Angeles Police Department
Also trennen wir wieder, was nicht zusammengehört, und sehen uns zuerst an, was uns seitens des LAPD an Parsons Auffälligkeiten bekannt ist. Die unter Punkt 5 – Umfeld – beschriebenen Zustände in Parsons privater Umgebung legen nahe, daß es den einen oder anderen, eher unfreiwilligen Kontakt Parsons zum LAPD gab – und damit ist nicht Hubbard gemeint. Aber auch ohne Käpt'n Ron wird das lustig, den Reigen der putzigen Schnurren eröffnet Colin Bennett:
"One evening in 1942, several police appeared to investigate reports of a pregnant woman jumping naked through a fire in the back yard. Ever the gentleman, Parsons convinced the officers of his status as a respectable scientist and the affair was laughed off." [20]
Eine andere Quelle weiß folgendes zu berichten: "Soon after the party, the Pasadena police received a letter from San Antonio, Texas. Signed "A Real Soldier", it stated that a 'black magic' cult flourished at 1003 Orange Grove Avenue, practicing 'Crowleyism' and 'Sex Perversion'. The letter also named one of the house's inhabitants, Frederick Mellinger, as an 'enemy alien'. When FBI officers came to investigate, Parsons gave them a tour and smoothly explained that 1003 housed a fraternal study group who discussed 'philosophy, religion, personal freedom and the mysteries of life and eternity'. In the ensuing years the police and the FBI would investigate 1003 time and again, but they would never find anything incriminating." [21]
Schließlich sei noch The Magician mit einer, in unserem Kontext bemerkenswerten Schlußfolgerung zitiert:
"After police received the anonymous letter, Parsons was interviewed by Det.-Lt. Cecil H. Burlingame. Parsons said he and others had formed a fraternity which would discuss philosophy, religion, personal freedom, and fortune telling. Two years later police investigated a minor fire at the house and found books and pamphlets about a'mysterious Church of Thelema'. 'Police made no further attempt to probe Parsons' bizarre personal life.' That was reassuring. At least the Pasadena police had the good sense to mind their own business." [22]
Das sind die Erkenntnisse, zu denen Hubbards vorgesetzte Dienststelle kam. Es ist nichts an darüberhinaus gehenden Erkenntnissen zu finden, mit denen Hubbard seinen Dienstherrn beglückt hätte. Tatsache bleibt, daß es seitens des LAPD – sei es mit, sei es ohne Hubbards, nun ja, Mitarbeit – keinerlei Erkenntnisse zu "strafrechtlich relevanten Handlungen" Parsons gegeben hat, stattdessen gab es für die Officer des LAPD - die echten Officer - unterhaltsame Führungen durch das Haus unter Leitung des Hausherrn.
7b. Federal Bureau of Investigation
Nun zum FBI – da ist die Sachlage natürgemäß komplizierter. Parsons wurde seit 1942 oder 1943, das läßt sich in den freigegebenen Akten nicht exakt ausmachen, vom FBI oberserviert. Colin Bennett schreibt:
"A character like Parsons could hardly avoid the FBI. From the early 1940s he was watched because of suspected communist affiliations, though we are left to speculate on what a communist occultist would sound like." [23]
Das näher zu ergründen schien zunächst nicht möglich zu sein. Die Dokumentation der Scientology Kirche verweist auf die "Regierungsdokumente, die durch den 'Freedom of Information Act' [...] freigegeben wurden". Allerdings stellte ich fest, daß die im virtuellen Leseraum des FBI [24] plötzlich nicht mehr abrufbar sind, wußte aber, daß das früher möglich war. Das bestätigte dann auch Nick Redfern in seinem Blog "The Strangest Secrets: The Mystery of the Missing Files":
"The 179-page FBI file on maverick scientist and Aleister Crowley disciple Jack Parsons is no longer available; the 287-page file on scientific genius Nikola Tesla is completely gone; as has the 789-page collection on Wilhelm 'cloud-buster' Reich." [25]
Aber – es gibt ja das Internet Archive und seine Wayback Machine [26] und mit ein bißchen Geduld findet man die Seiten wieder. Ein Leser in Redferns Blog hat das getan, so daß die FBI-Akten über Parsons doch noch heruntergeladen werden können - ich würde das auch dringend den Verantwortlichen der Scientology Kirche für solche Dokumentationen empfehlen, zumal sie sich explizit darauf berufen. [27] (Weil die Akten von Tesla und Reich mich interessieren, habe ich nach gleichem Muster die URLs für diese FBI-Akten gebastelt. [28]
Wenn man sich durch die beiden PDF-Dateien gräbt, stößt man gleich am Anfang, auf Seite 10 der ersten Datei, auf eine interessante Entdeckung – Parsons war nur von 1936 bis 1944 am Jet Propulsion Laboratory des California Institute of Technology (Caltech) tätig. Cecilia Rasmussen schreibt dazu:
"In 1944, Parsons resigned from JPL in favor of whizzing through time and space via peyote, mescaline, marijuana, opiates and hallucinogens. [...] The FBI was investigating him on suspicion of espionage, consorting with communists, including some allegedly at Caltech, and cult activities; the scrutiny cost Parsons his government security clearance." [29]
Das FBI ermittelte also und Parsons war klar, daß er erstens keine Lust mehr auf Institutsarbeit hatte – da war, im Gegensatz zur geradezu euphorischen Forschungsarbeit der Vorkriegszeit, mit dem Kriegsbeginn logischerweise militärische Ordnung eingezogen, und offensichtlich ahnte er, daß das eh nicht gut ausgeht, was sich später auch bewahrheitete. Brian Doherty schreibt dazu:
"The military wasn't designed for Parsons' unconventional life- and workstyles. Neither was Aerojet Engineering, the company he founded with his Suicide Squad pals to make and sell rockets. It took staid money boys and military discipline to turn his ideas into an industrial machine. Parsons was bought out of Aerojet in 1944 for $11,000." [30]
Halten wir an dieser Stelle als Fazit fest:
Als Hubbard im Frühjahr 1945 auf Parsons traf, arbeitete der schon einige Monate nicht mehr für die Regierung, sondern in der eigenen, mit Freunden gegründeten Firma Aerojet Engineering Corporation und ab 1946 bei der Vulcan Powder Company.
In Parsons privatem und okkultem Umfeld, was in der Zeit von Hubbards Anwesenheit identisch war, gab es keinen einzigen Forscher, der für die Regierung arbeitete - geschweige denn Kernforscher, die "unter demselben Dach untergebracht waren".
Im Grunde genommen und wenn man die oben zitiereten Behauptungen der Scientology Kirche als tatsächlich zutreffend annimmt, hätte sich Hubbard nach zwei Tagen wieder bei seiner vorgesetzten Dienststelle zurückmelden können.


