Szeneberichte
Die Pasadena-Story - Jack Parsons & Ron Hubbard
Teil 1: Der Dokumentationssachstand seitens der Scientology Kirche
Teil 1: Der Dokumentationssachstand seitens der Scientology Kirche
Mythen in Tüten - Jack Parsons und Ron Hubbard
Teil 1: Der Dokumentationssachstand seitens der Scientology Kirche
Die nachfolgenden Texte widmen sich der Legende, Ron Hubbard habe im Auftrag des LAPD oder gar des FBI die Agape-Lodge des O.T.O. unter Jack Parsons unterwandert und zerstört. Ich werde zeigen, daß diese, von der Scientology Kirche in die Welt gesetzte Legende frei erfunden ist und letztlich nur der Camouflierung ihrer okkulten Wurzeln und Quellen dient.
Die Frage, was Hubbard zur Kontaktaufnahme mit Parsons motivierte und was beide Anfang 1946 in Pasadena eigentlich taten, rührt offensichtlich an Essentials der Scientology Kirche in Hinsicht auf ihre Wurzeln und ihre Erörterung – sofern sie nicht mit der Darstellung der Scientology Kirche übereinstimmt – wird in jedem Fall dazu führen, daß man der Kirche - salopp formuliert - irgendwie "auf die Füße zu tritt". Das wurde mir schon nach ersten Erkundungen zu diesem Themenkomplex im Internet klar. Ebenso schnell wurde klar, daß die Darstellungen all jener, die dieses Thema im Kontext der Kontroverse um Scientology ventilieren - sei es als Mitglied oder Befürworter von Scientology, sei es auf der Seite der Weltanschauungsbeauftragten und Kritiker - stets den jeweiligen Opportunitäten ihrer Sicht auf Scientology folgen, mithin propagandistisch konnotiert sind. Also habe ich, um Licht in diese argumentative Finsternis zu bringen, Frau Weber in unserem Gespräch gebeten, mir die offizielle Sicht der Dinge seitens der Scientology Kirche zukommen zu lassen.
Als ich den Text, der nachfolgend als Vollzitat wiedergegeben wird, dann las, beschlich mich zunächst eine gewisse Ratlosigkeit. Was da in der mir zugesandten Dokumentation steht, kann so nicht stehenbleiben, und zwar aus zwei Gründen: Einerseits ist das Statement voller sachlicher Fehler und Ungereimtheiten, da paßt schlicht nichts zu den seinerzeitigen Ereignissen, es entbehrt einer inneren Logik und ist in sich inkonsistent. Andererseits entsprechen die Entäußerungen zum Okkultismus im allgemeinen und zum O.T.O. im besonderen inhaltlich und in der Art ihrer Formulierung exakt und zu 100% denen der bestallten und selbsternannten Weltanschauungsbeauftragten. Also entschloß ich mich zu einer kleinen Recherche, um die sachlichen Fehlern und die Unstimmigkeiten sortieren und benennen zu können.
Zuerst möchte ich die Ausgangslage beschreiben und die für meine Betrachtung verfügbaren und relevanten Aussagen der Scientology Kirche auflisten. Dabei beschränke ich mich auf das, was mir bzw. dem TMO zugesandt wurde, weil es allesamt repräsentativer Natur ist.
Zunächst haben wir die, mir auf meine Nachfrage von Frau Weber zugesandte, Dokumentation der Scientology Kirche. Da finden wir die Ablichtung eines Ausweises, ausgestellt auf Hubbard als Special Officer für die Metropolitan Area von Los Angeles, ausgestellt für das Jahr 1948 - ohne Dienstsiegel oder ähnliches.
Weiterhin finden wir die Ablichtung eines Textes aus der Sunday Times vom 05.10.1969 nebst Übersetzung. Der Text ist kein Bericht der Sunday Times, wie Frau Weber mir schrieb, und auch keine gerichtlich erzwungene Darstellung, wie es die Dokumentation der Scientology Kirche auf Seite 9 und 10 beschreibt, sondern das Ergebnis einer außergerichtlichen Vereinbarung zwischen dem Blatt und der Scientology Church. Deshalb gibt sie keineswegs per se die Sicht der Sunday Times wieder, wie die Formulierung "wie die Sunday Times 1969 berichtet" nahezulegen scheint, sondern ausschließlich die der Scientology Church. In der Gegendarstellung der Scientology Church finden sich die folgenden, für meine Betrachtung relevanten Aussagen:
- Zum Ort der Hubbardschen Ermittlungen: "Es handelte sich um ein großes Haus, in dem sich als zahlende Gäste amerikanische, in den Cal. Tech. Instituten tätige, Kernphysiker aufhielten. Bestimmte Behörden waren dagegen, daß die Kernphysiker unter demselben Dach untergebracht waren."
- Zum Objekt der Hubbardschen Ermittlungen: "Crowley führte eine weltweit verbreitete Organisation, die sich Orden des orientalischen Tempels nannte und barbarische und bestialische Riten durchführte."
- Zur Gefährlichkeit des Hubbardschen Einsatzes: "Crowley 'Das Biest 666' entdeckte erwiesenermaßen einen Feind und warnte Parsons. Das ist alles durch Korrespondenzen belegt [...]"
- Zum Erfolg des Hubbardschen Einsatzes: "Das Haus wurde abgerissen. Hubbard rettete ein Mädchen, das von der Gruppe benutzt wurde. Die Black Magic-Gruppe wurde aufgelöst und zerstört und erholte sich nie wieder."
In den erklärenden Anmerkungen der Scientology Kirche wird in den Anmerkungen der Scientology Kirche ausgeführt: "Weitere Beweismaterialien, die Herrn Hubbards Rolle in der Auflösung des O.T.O. belegen, sind Regierungsdokumente, die durch den 'Freedom of Information Act' [...] freigegeben wurden [...] Die FBI-Untersuchungen, die vor dem Kontakt von Herrn Hubbard mit dem O.T.O begonnen hatten, wurden im Anschluß an den Zusammenbruch der Organisation beendet."
Als Zeuge wird in den erklärenden Anmerkungen der Scientology Kirche der "Theologieprofessor" J. Gordon Melton, der in Wirklichkeit ein Religionswissenschaftler ist ("Melton pursued graduate studies at Northwestern University where he received his Ph.D. in the History and Literature of Religions in 1975." [1]), ohne Quellenangabe zitiert.
Herr Busch schreibt in seinen Antworten zu einem Interviewfragebogen: "Laut Prof. Melton war L. Ron Hubbard – der nach dem 2. Weltkrieg Reserveoffizier der US Marine war und bis zu seinem Austritt aus der Marine jederzeit dienstverpflichtet werden konnte - als Undercover Agent des Los Angeles Police Departments im staatlichen Auftrag tätig gewesen, um die Gruppe um den Physiker Jack Parsons zu untersuchen und die Gruppe zur Auflösung zu bringen." [2]
Weiterhin stellt Herr Busch dar: "Hintergrund war demnach offenbar das Sicherheitsbedürfnis der US-Regierung hinsichtlich bestimmter Physiker, die an damaligen Atomforschungsprojekten der USA beteiligt waren. Parsons war einer dieser Physiker und wurde von der Regierung aufgrund seiner Kontakte zu Crowley offenbar als Sicherheitsrisiko eingestuft. [...] Ersichtlich ging es also um ein rein staatliches Anliegen und das Sicherheitsbedürfnis der US-Regierung im Zusammenhang mit dem damaligen Atomforschungsprojekt."
Als ich die oben zitierte Dokumentation gelesen hatte, stellte sich mir sofort eine Frage, die ich gleich an Frau Weber mit der Bitte um Antwort sandte, ich zitiere Frage und Antwort nachfolgend mit den relevanten Aussagen.
Kupfer: Wenn ich annehme, die Darstellung der Scientology Kirche entspricht in der Tat den damaligen Absichten Hubbards bei der Kontaktaufnahme zu Parsons und Hubbards nachfolgendem Tun, dann stellt sich mir sofort die Frage, wie das mit Regel 18 der im Leitfaden "The Way to Happiness" beschriebenen Regeln zu einem besseren Leben auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes zu vereinbaren ist, die da lautet: "Respektieren Sie die religiösen Überzeugungen anderer." Dabei sollte der Umstand berücksichtigt werden, daß weder das FBI noch das LAPD irgendwelche ungesetzlichen Handlungen Parsons feststellen konnte, [...]
Weber: Wie aus dem Zeitungsausschnitt hervorgeht, schien es durchaus strafrechtlich relevante Handlungen zu geben und nur die dürfen gemaßregelt werden. Was unter – wie die Sunday Times 1969 berichtet – unter "barbarischen und bestialischen Riten" genau zu verstehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Bis zu welchem Zeitpunkt die Teilnahme an solchen Riten freiwillig war oder ist, kann ich im Jahre 2008 natürlich nur schwer beurteilen. Der Respekt vor den religiösen Überzeugungen anderer muss den öffentlichen Zuspruch nicht mit einschließen. Halten sich die Beteiligten an Recht und Gesetz verbietet sich aber ein Angriff auf die Gemeinschaft. Natürlich darf auch ein Scientologe eine Meinung zu bestimmten Glaubensüberzeugungen haben und diese äußern. Aber generell wird er darum bemüht sein, den Glauben des anderen zu respektieren und etwaige Diskussionen – insbesondere öffentliche – zu vermeiden. [...]
Als ein Resultat meiner Recherche muß ich zuerst mich selbst, nämlich die Aussage in meiner Frage "[...] daß weder das FBI noch das LAPD irgendwelche ungesetzlichen Handlungen Parsons feststellen konnte, [...]" korrigieren. Diese Feststellung trifft nur auf das LAPD zu, das FBI ermittelte Handlungen und Absichten Parsons, die sehr wohl einen Rechtsbruch darstellten und somit als ungesetzlich einzustufen sind, die für Parsons aber keine strafrechtlichen Folgen hatten. Das war – ausweislich der FBI-Akten zu Parsons - allerdings im September 1950 und damit mehr als vier Jahre nach Hubbards Kontakt zu Parsons und die Vorfälle standen in keiner Verbindung zu Parsons okkulten Ambitionen. Sie zeigen darüberhinaus sehr deutlich auf, daß die Behauptung der Scientology Kirche in ihrer Dokumentation in Sachen Hubbard – Parsons: "Die FBI-Untersuchungen, die vor dem Kontakt von Herrn Hubbard mit dem O.T.O begonnen hatten, wurden im Anschluß an den Zusammenbruch der Organisation beendet." frei erfunden ist. Doch dazu unten mehr.
Das also ist der Sachstand hinsichtlich der mir zur Verfügung stehenden Dokumentation, mithin der Beweislage seitens der Scientology Kirche. Ich komme nun zur Erörterung der mir solcherart seitens der Scientology Kirche zur Verfügung stehenden Quellen.


