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Interview mit Frank Busch, Pressesprecher der Scientology Kirche Hamburg
Interview mit Frank Busch, Pressesprecher der Scientology Kirche Hamburg
Eine Frage noch...
Interview des MAGICKAL OBSERVER mit Frank Busch, Pressesprecher der Scientology Kirche Hamburg, geführt per e-mail im März 2008.
TMO: Sind Sie Mitglied der CS oder einer zu Scientology gehörenden Organisation?
Frank Busch: Ich bin seit 1994 Mitglied der Scientology Kirche
TMO: In welcher Organisation und Funktion sind Sie in der CS tätig?
Frank Busch: Seit 1996 bin ich bei der Scientology Kirche Hamburg e.V. für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
TMO: Wie sind Sie "Scientologe" geworden? Können Sie uns etwas zu Ihrem "Werdegang" in der Scientology Kirche sagen?
Frank Busch: Ein Bekannter hatte mir 1994 über das Buch Dianetik erzählt, welches mich dazu bewogen hat, 1994 die Scientology Kirche Hamburg zu besuchen und mir meine eigene Meinung zu bilden. Ich habe mich umfassend selber informiert. Alle meine Fragen wurden zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Darüber hinaus habe ich durch mein Studium der Scientology Religion Antworten gefunden, die ich woanders nicht gefunden habe. Dies sind Antworten auf viele Fragen über das Leben und den Tod und das Danach. Das faszinierende an Scientology ist, dass man nur das akzeptiert, was man selbst als wahr erkannt hat. Niemandem wird ein blinder Glauben aufgedrängt. Durch Studium der Lehre und Teilnahme am Auditing – der Scientology-Seelsorge - finde ich die Antworten selbst.
TMO: Wie viele Mitglieder hat die CS weltweit/in Deutschland?
Frank Busch: Es gibt weltweit ca. 10 Millionen Mitglieder und in Deutschland ca. 30.000
TMO: Wie finanziert die CS ihr aufwändiges Verwaltungs- und PR System?
Frank Busch: Die Scientology Kirche finanziert sich aus den Spenden Ihrer einzelner Mitglieder.
TMO: Wer leitet die CS?
Frank Busch: Jede lokale Scientology Kirche wird durch ihren jeweiligen Vorstand geleitet. Alle Scientology Kirchen sind für sich eigenständige Körperschaften und für sich selbst verantwortlich. Die Mutterkirche ist die Church of Scientology International mit Sitz in Los Angeles, USA. Ihre Leitung liegt in den Händen ihres Vorstands. Unterhalb dieses Vorstands befinden sich die Leitungsgremien, die weltweit alle Scientology Kirchen in den innerkirchlichen Belangen anleitet. Oberhalb von der Mutterkirche besteht das Religious Technology Center (RTC), deren Vorsitzender Herr David Miscavige ist. Die Aufgabe des RTC besteht darin, die Reinheit der Lehre und Ausübung der Scientology Religion zu bewahren, so wie vom Gründer der Scientology, L. Ron Hubbard, niedergelegt, und sicherzustellen, dass die Schriften von Herrn Hubbard weder von interner noch externer Seite verfälscht werden.
TMO: Was genau lehrt die CS und wie tut sie das?
Frank Busch: Die Beantwortung dieser Frage befindet sich in der Antwort zu nachfolgenden Frage.
TMO: Was ist der Kern der Scientology-Religion?
Frank Busch: Kernaussagen der Scientology Lehre sind: die Unsterblichkeit der Seele, die jeder Mensch IST (nicht "hat"), THETAN genannt. Der Thetan ist Teil des geistig-göttlichen Universums. Er ist Träger einer Lebensenergie (THETA genannt), die den Körper belebt. Der Thetan lebt aufgrund seiner geistigen Natur ewiglich und ist nicht an die Grenzen des materiellen Universums gebunden. Letzteres wird in Scientology als MEST bezeichnet, ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Bestandteile des materiellen Universums (engl. Mattter/Materie, Energie, Space/Raum und Time/Zeit). Der Thetan ist im MEST-Universum bestrebt zu überleben. Dieses Überleben teilt sich nach der Lehre von Scientology auf in die Acht Dynamiken. Diese umfassen das Streben nach Überleben als (1) Individuum, als (2) Familie, als (3) Gruppe jeder Größenordnung, als (4) Menschheit, als (5) Tier- und Pflanzenwelt, als (6) materielles Universum, als (7) geistiges Wesen und durch (8) Gott, dem Höchsten Wesen und der Ewigkeit. Alle diese Dynamiken sind Bestandteil des Überlebens. Nach dem Menschenbild von Scientology besteht der Mensch aus dem Thetan, Verstand und Körper. Der Thetan ist von Grund auf gut. Die Scientology Religion weist einen exakten Weg zu spiritueller Freiheit und Erlösung für jeden einzelnen, der zu vollständigem Verstehen und Gewissheit über die eigene spirituelle Natur führt. Dieser Weg geht über verschiedene Erlösungsstufen, die zu höheren Daseinsstufen führen (in Scientology CLEAR und OT = OPERATING THETAN genannt).
Scientology wendet sich also an die geistig-spirituelle Seite des Lebens. Sie geht nicht davon aus, dass der Mensch das Produkt seiner Umgebung und seiner Gene ist sondern als unsterbliches Wesen weit darüber hinausgeht. Scientology umfasst Wissen, das von bestimmten grundlegenden Wahrheiten ausgeht. Vorrangig sind diese:
Scientology geht davon aus, dass alle Menschen ungeachtet ihrer Rasse, ihrer Hautfarbe oder ihres Glaubens mit den gleichen Rechten geschaffen wurden und dass die Erlösung des Menschen von ihm selbst und seinen Mitmenschen abhängt und davon, dass er ein brüderliches Verhältnis mit dem Universum erreicht. Die Scientology Lehre wird in ihrer Literatur vermittelt und in Rahmen von Kursen, um das Verständnis der Lehre zu vertiefen.
TMO: Ist die CS eine Kirche / Glaubensgemeinschaft? Bitte begründen Sie Ihre Aussage.
Frank Busch: Religionswissenschaftler auf der Welt verwenden in der Regel drei Kriterien, um die Religionseigenschaft zu bestimmen:
Der Glaube von Scientology an eine letztendliche Wirklichkeit, die die materielle Welt transzendiert, ergibt sich aus den oben aufgezeigten Kernaussagen der Scientology Religion. Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele (des Thetan) und die Erlösung dieser Seele aus den ewigen Kreislauf des Geborenwerdens, Aufwachsens und Todes, verbunden mit dem Glauben an ein höchstes Wesen zeichnen die Lehre von Scientology als Religion aus. Das zweite Element findet man in der Ausübung der Scientology Religion in Form ihrer Seelsorge und der Unterrichtung in ihrer Lehre sowie in ihren Riten und Zeremonien, die alle von der Unsterblichkeit der Seele ausgehen und darauf aufbauen. Die Riten umfassen regelmäßige Sonntagsandachten, die Namensgebung bei Geburten, die Eheschließung und die Begräbniszeremonie. Was das dritte Element betrifft, so findet man den Nachweis dafür bei den zahlreichen Mitgliedern der Scientology Kirche auf der ganzen Welt. In jeder Scientology Kirche bilden sie eine sehr lebendige Gemeinde, die sich auch durch zahlreiche karitative Betätigungen hervortut.
Somit stellt die Gemeinschaft der Scientologen auf jeden Fall eine Religions- oder Glaubensgemeinschaft dar. Darauf kommt es an, nicht auf den Namen. Das Wort "Kirche" wird in vielen Teilen der Welt, insbesondere im amerikanischen Sprachraum, nicht nur für christliche Gemeinschaften verwendet. Im dortigen Sprachgebrauch sprechen die Menschen von der buddhistischen oder moslemischen Kirche und meinen damit die Gesamtheit der Gläubigen einer bestimmten religiösen Lehre.
TMO: Was würden Sie persönlich als das positivste Merkmal der CS sehen?
Frank Busch: Das es sich um eine praktische Religion handelt, die jedem Menschen aus der spirituellen Sichtweise Antworten auf viele Fragen des Lebens gibt, mit denen man sein eigenes und das Leben aller Menschen im Hier und Jetzt verbessern kann. L. Ron Hubbard sagte, dass nichts in der Scientology wahr ist, es sei denn man hat es für sich selbst herausgefunden. D.h. er fordert den einzelnen Scientologen auf, selber zu schauen, seine eigenen Erkenntnisse zu haben und die Wahrheit für sich selbst herauszufinden, die ihn letztlich freimachen wird.
TMO: Was würden Sie persönlich als das negativste Merkmal der CS sehen?
Frank Busch: Habe ich bisher nicht finden können
TMO: Fühlen Sie sich durch ihre Zugehörigkeit zur CS gesellschaftlich benachteiligt?
Frank Busch: Angesichts der Tatsache, dass die Scientology Kirche in vielen Ländern dieser Welt anerkannt ist (USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, England, Taiwan, Indien, Schweden, Italien, Ungarn, vielen Staaten Mittel- und Südamerikas, etc), im Jahre 2007 die vollständige staatliche Anerkennung in Portugal erhalten hat, in Spanien im Oktober 2007 auf Anordnung des Nationalen Verwaltungsgerichtshof in das Register für Religionsgemeinschaften eingetragen wurde und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einer Präzedenzentscheidung vom April 2007 ihren Anspruch auf Religionsfreiheit im Sinne der Menschenrechtskonvention bestätigt hat, mutet die Diskussion um Scientology in Deutschland eher hysterisch an. Es ist ein Fakt, dass Scientologen in Deutschland in vielen Bereichen des öffentlichen und beruflichen Bereiches allein wegen ihres Glaubens benachteiligt werden.
TMO: Wie genau äußert sich diese Benachteiligung?
Frank Busch: Die Benachteiligung ist vielfältiger Natur und erstreckt sich in vielen Bereichen. Sie umfasst den Ausschluss aus staatlichen Aufträgen für Firmen, nur weil deren Geschäftsführer oder Gesellschafter Scientologen sind; die Nichteinstellung in Angestelltenverhältnisse, die Verweigerung oder Kündigung von Bankkonten; die Weigerung, in Staatseigentum befindlichen Grundbesitz an Scientologen zu verkaufen, selbst wenn sie den besseren Kaufpreis bieten; die Zerstörung von Familien durch staatliche Angestellte samt der Verunsicherung von Kindern gegenüber ihren Scientology-Eltern; die Diskriminierung von Scientology-Kindern in Schulen mittels negativer (mit den üblichen Klischees und Vorurteilen behafteter) Unterrichtsmaterialien über die Scientology Religion; den Ausschluss aus Privatschulen und Privatkindergärten bei Offenlegung der Scientology-Zugehörigkeit; Boykottaufrufe gegen Firmen, die für ein Verlagshaus der Scientology Kirche Werbung schalten wollen; die Verweigerung von Werbeflächen oder Anzeigen für die Scientology Kirchen in Zeitungen; die Verwendung sog. "Sektenfilter" in allen Bereichen des beruflichen und geschäftlichen Lebens, bevor Verträge aller Art eingegangen werden können; die Kündigung von Verträgen mit Mitgliedern, die Schullandheime betreiben oder als Zimmermann oder Chorleiter oder als Nachhilfelehrer tätig sind; die staatliche Anschwärzung gegenüber dem Arbeitgeber bezüglich Scientologen, die im staatlichen Dienst tätig sind, damit sie entlassen werden, nur weil sie Mitglied der Kirche sind; die wiederholte Anschwärzung (Mobbing) von Scientologen, die im Staatsdienst als Lehrer tätig sind, um sie der verdeckten Missionierung zu bezichtigen, obwohl sie genau das nicht tun; die Verweigerung von Mietverträgen an Scientology Kirchen für öffentliche Veranstaltungen in städtischen Räumlichkeiten; die staatliche Intervention zur Verhinderung von Mietverträgen mittels des Baurechts, etwa um die Ansiedelung eines Drogenrehabilitations-zentrums von Scientologen zu verhindern; usw. usw.
TMO: Was tun Sie gegen diese Benachteiligung?
Frank Busch: Der erste Weg ist immer der Weg des Dialogs, um Hysterie und Panik durch Vernunft zu ersetzen. Das beinhaltet intensive Gespräche zum Abbau der Vorurteile über Scientology und Scientologen. Dies gilt für den Einzelfall. Im Verhältnis zur allgemeinen Öffentlichkeit bedeutet dies Tage der offenen Tür und Informationsveranstaltungen. Wenn das Gespräch nicht zum Ziel führt, haben sich viele Scientologen gegen diese Diskriminierungen natürlich auch gerichtlich gewehrt und in der Regel dort obsiegt. Der Scientology Kirche bleibt auch nichts anders übrig, als sich vor Gericht gegen staatliche Benachteiligungen zu wehren. Das sind dann leider immer sehr langwierige und zeitaufwendige Gerichtsverfahren, die auch sehr viel Geld verschlingen. Bei manchen Sachen bleibt einem jedoch nichts anderes übrig als die Gerichte zu bemühen, um hier der Diskriminierung Einhalt zu gebieten.
TMO: Was ist das OSA und was sind seine Aufgaben?
Frank Busch: OSA ist die Abkürzung für Office of Special Affairs. Es handelt sich um das Büro für öffentliche Angelegenheiten. Dieses Büro ist für alle rechtlichen und behördlichen Angelegenheiten der Kirche und die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit und Arbeit mit den Medien zuständig.
TMO: Haben Sie als Scientologe einen Missionsauftrag?
Frank Busch: Jede Religionsgemeinschaft möchte ihren Glauben über ihre Mitglieder verbreiten. Das trifft auch auf die Scientology Kirche zu. Doch ist dies eine Frage des privaten Lebensbereichs, die nicht mit dem beruflichen Bereich vermischt werden sollte. Wir leiten jedenfalls unsere Mitglieder regelmäßig an, hier zu unterscheiden und das Berufliche und Geschäftliche vom Privaten zu trennen. Wenn die Mitgliedschaft eines Scientologen bekannt wird, so wird er in der Regel von Bekannten von allein darauf angesprochen. Daraus können sich dann interessante private Gespräche ergeben. Ein Missionierungsgebot gibt es in der Scientology Kirche jedoch nicht. In welcher Form, wie oft und wann ein Scientologe missionieren will, bleibt ihm völlig selbst überlassen.
TMO: Wie lautet Ihr Auftrag?
Frank Busch: Meine Aufgabe innerhalb der Kirche besteht darin Fragen der Öffentlichkeit zu beantworten.
TMO: Was genau geschah 1982 in der CS?
Frank Busch: Mir ist nicht klar, worauf Ihre Frage abzielt, da in jedem Jahr besondere Ereignisse stattfinden. Seit der ersten Gründung der Scientologe Kirche 1954 in Los Angeles ist die Scientology auf mittlerweile 7700 Kirchen, Missionen und Gruppen in 163 Ländern angewachsen. Solch eine Expansion bringt organisatorische Veränderungen und Anpassungen mit sich. Vielleicht meinen Sie das Jahr 1981, weil in jenem Jahr die heutige Mutterkirche (CSI) und das Religious Technology Center (RTC) gegründet wurden.
TMO: In welchem Verhältnis steht die CS zur "Freezone"?
Frank Busch: Es gibt keine organisatorische oder sonstige Verbindung zur Freezone. Hierbei handelt es sich um eine Art "Sekte" in Form einer Abspaltung von der Scientology Kirche. Diese Gruppe rekrutiert sich in der Regel aus ausgeschlossenen Mitgliedern, die den spirituellen Befreiungsweg von Scientology, wie er von L. Ron Hubbard niedergelegt wurde, in vielfacher Weise abgeändert hat und vorgibt, weiterhin Scientology zu praktizieren.
TMO: Was ist "Sektor 9" und die "Galaktische Konföderation"?
Frank Busch: Dies entzieht sich meiner Kenntnis und hat jedenfalls mit der Scientology Lehre nichts zu tun.
TMO: War/ist Lafayette Ron Hubbard/Elron Elray ein Außerirdischer?
Frank Busch: L. Ron Hubbard war ein Mensch wie Sie und ich. Er widmete sein ganzes Leben der Aufgabe, den Menschen zu helfen. Seine Forschung über die Seele, den Verstand und das Leben ist auf ca. 500.000 Seiten und mehr als 3000 Vorträgen festgehalten. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, diesen Weg zu gehen und durch das Studium der Schriften nachzuvollziehen.
L. Ron Hubbard war aber auch ein bekannter Science Fiction Autor. In seinen Sci-Fi Geschichten hat er über Außerirdische als Gegenstand seiner Romane geschrieben. Die Frage scheint den Autor mit den Gestalten in seinen Romanen zu verwechseln.
TMO: Was geschah auf der Erde vor ca. 75 Millionen Jahren?
Frank Busch: Dieser Fragenkomplex zielt wohl auf die Entwicklungsgeschichte des Menschen ab. Hierzu hat L. Ron Hubbard ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Scientology: Die Entwicklungsgeschichte des Menschen". In diesem Buch wird die Evolutionskette des Lebens auf der Erde beschrieben. In erster Linie bestätigt dieses Buch die Evolutionstheorie von Darwin, die grob besagt, dass sich im Laufe der Zeit Organismen immer weiter entwickelt haben und dass diese Organismen zu immer größerer Komplexität heranwuchsen. Von einem Geschehnis von vor zig Millionen Jahren habe ich in diesem Buch nichts gelesen.
Die Scientology-Schöpfungsgeschichte befasst sich in der Lehre von Scientology nicht mit der Erde sondern mit dem Universum und das ist bekanntlich einige Milliarden Jahre alt, etwas älter als die Erde. Details dazu können Sie in dem Kapitel "Die Faktoren" in dem Handbuch "Was ist Scientology?" nachlesen. Wie bereits weiter oben dargelegt, geht die Scientology-Lehre von der Unsterblichkeit der Seele (Thetan) aus, die jeder Mensch ist. Nach diesem Verständnis gibt es auf geistig-spiritueller Ebene kein Anfang und kein Ende. Logischerweise ist damit die Existenz der unsterblichen Seele vom Beginn des materiellen Universums völlig unabhängig und in keinen zeitlichen Zahlenvorstellungen zu erfassen.
TMO: Was passierte Ende der Vierziger in Pasadena?
Frank Busch: Ich weiß nicht, worauf die Frage abzielt und was die Frage mit der Entwicklung von Dianetik als Vorläufer der Scientology Religion oder mit der Scientology Religion selbst zu tun hat. Die Geschichte von Dianetik begann im Jahre 1950 und setzte sich mit der Entwicklung der Scientology Religion im Jahre 1952 und der Entstehung der ersten Scientology Kirche im Jahre 1954 fort.
TMO: In den Publikationen der CS würde Hubbards Kontakt zu Jack Parsons nicht erwähnt, bzw. Hubbards Rolle in der Geschichte um Parsons und dessen Crowley OTO Kontakt unterschiedlich mal als Agent des Militärs, dann als Agent des FBI, dann als Agent des LAPD dargestellt. Was stimmt denn nun daran und wie ist das zu belegen?
Frank Busch: Ich greife an dieser Stelle alle Ihre Fragen zum Themenkomplex Parson, Crowley, OTO, etc. einmal auf, da sie in denselben Kontext gehören. Bereits Ihre erste Frage baut auf einem unwahren Gerücht auf, das von dem früheren ev. Sektenbeauftragten Haack gern verbreitet worden ist. Bereits Ende der 60er Jahre musste jedoch ein britisches Magazin aufgrund einer Klage der britischen Kirche derartige Unterstellungen öffentlich widerrufen.
Der US-Religionswissenschaftler Gordon Melton, Direktor des Instituts für Studien amerikanischer Religionen, hat jedoch diese Geschichte recherchiert. Das Ergebnis seiner Recherche hat er in einem Aufsatz, den er anlässlich einer Konferenz über alternative Religionen im Jahre 1981 an der Loyola Universität präsentiert hat, veröffentlicht. Laut Prof. Melton war L. Ron Hubbard – der nach dem 2. Weltkrieg Reserveoffizier der US Marine war und bis zu seinem Austritt aus der Marine jederzeit dienstverpflichtet werden konnte - als Undercover Agent des Los Angeles Police Departments im staatlichen Auftrag tätig gewesen, um die Gruppe um den Physiker Jack Parsons zu untersuchen und die Gruppe zur Auflösung zu bringen. Als ehemaliger Offizier des sog. US-Navy-Intelligence genoss Herr Hubbard nach dem 2. Weltkrieg hohes Vertrauen und wurde deshalb von Seiten des Staates für diesen staatlichen Auftrag herangezogen, dem er sich wohl als Reserveoffizier nicht entziehen konnte.
Wie Melton schreibt, hat er amtliche Urkunden über diesen Einsatz Hubbards gegen Parsons und Crowley selbst in Augenschein nehmen können. Laut Melton war Hubbard mit seinem staatlichen Auftrag auch erfolgreich. Hintergrund war demnach offenbar das Sicherheitsbedürfnis der US-Regierung hinsichtlich bestimmter Physiker, die an damaligen Atomforschungsprojekten der USA beteiligt waren. Parsons war einer dieser Physiker und wurde von der Regierung aufgrund seiner Kontakte zu Crowley offenbar als Sicherheitsrisiko eingestuft. Wenn Parsons aufgrund seines Kontaktes zur Crowley von den US-Behörden damals als Sicherheitsrisiko angesehen wurde und Herr Hubbard dieses Sicherheitsrisiko beseitigen sollte, so würde dies logischerweise zugleich die damalige Position von Herrn Hubbard im Verhältnis zu Crowley bestimmt haben. Ersichtlich ging es also um ein rein staatliches Anliegen und das Sicherheitsbedürfnis der US-Regierung im Zusammenhang mit dem damaligen Atomforschungsprojekt. Es kann zusätzlich davon ausgegangen werden, dass diese Sache der staatlichen und militärischen Geheimhaltung unterworfen war wie in der Tat alles, was das Atomforschungsprojekt der USA jener Zeit betraf. Die Geheimhaltung war sogar gesetzlich verankert gewesen. Herr Hubbard wäre damit gleichfalls staatlichen Geheimhaltungspflichten unterworfen gewesen. Dies sind geschichtliche Tatsachen jener Zeit. Alles andere sind haltlose Spekulationen. So interessant die Geschichte auch sein mag, sie gehört allenfalls in den geschichtlichen Kontext der damaligen US Atomforschung in der Folge des 2. Weltkriegs.
Danach besteht und bestand also zu keiner Zeit ein wie auch immer gearteter inhaltlicher noch zeitlicher Zusammenhang zur Scientology Kirche und der Entstehung ihrer Lehre. Folglich betrifft die Angelegenheit die Scientology Kirche ebenso wenig wie die Marineeinsätze von Herrn Hubbard im 2. Weltkrieg im Auftrag der USA etwa im Pazifik oder bei der Bekämpfung von Hitlers U-Boot-Krieg im Atlantik. Eine Gleichsetzung und Verknüpfung geschichtlicher Ereignisse und eines staatlichen Auftrags an Herrn Hubbard in der zweiten Hälfte der 40er Jahre mit der Gegenwart der Scientology Kirche wäre daher sehr unsinnig. Mit derselben unlogischen Assoziation könnte man die Kirche sogar für den Untergang des 3. Reiches im positiven Sinne mitverantwortlich machen. Die Parsons-Crowley Sache betraf augenscheinlich nur den amerikanischen Staat und hatte mit der Scientology Kirche und Entstehung ihrer Lehre absolut gar nichts zu tun. Jeder Versuch, dies heute in einem anderen Licht darzustellen, wäre Geschichtsklitterung.
Wenn Sie an der Entstehungsgeschichte der Scientology Religion wirklich interessiert sind, dann wäre eine Befassung mit den Reisen und Besuchen Hubbards in tibetischen Lamaklöstern und seine Diskurse mit den dortigen Lamamönchen Ende der 20er Jahre sowie seine damaligen Reisen nach Indien angesagt. Hier findet sich nämlich die tatsächliche Quelle der Lehrinhalte der Scientology Religion und ihres Anliegens zur Erlösung und Vervollkommnung des Menschen, so wie es von Herrn Hubbard niedergelegt wurde.
Was die Frage nach der Vergleichbarkeit von Scientology mit anderen Glaubenssystemen betrifft, so hat Herr Hubbard selbst diese Vergleiche aufgrund seiner genannten Besuche in Tibet und Indien zum Buddhismus und Taoismus gezogen. Sein Buch "Hymn of Asia" bietet ebenfalls einen interessanten Einblick über die Einbettung der Scientology Lehre in die Tradition der östlichen Religionen, mit denen sie zahlreiche Aspekte hinsichtlich ihrer Lehre teilt. Herr Hubbard hat deshalb einmal Scientology als eine direkte Fortsetzung des Werkes von Gautama Siddharta genannt Buddha bezeichnet und dass sie von dem ursprünglichen Pfad der Suche nach Wahrheit, Wissen und Erkenntnis für jeden Einzelnen niemals abgewichen ist.
Alle religiösen Systeme sind jedoch darin vereint, dem Menschen Hoffnung, Zukunft und Wahrheit zu geben und den Menschen aus seiner Verhaftung in das materielle Dasein herauszuheben. Ihre Propheten und Stifter verdienen für ihre Bemühungen daher Respekt und Hochachtung.
Nachsatz der Redaktion
"[...] Alle Worte sind heilig und alle Propheten wahr; ausgenommen nur, daß sie wenig verstehen; [...]"
Liber CCXX-I/56
So sehr ich es auch schätze, daß der Pressesprecher der Scientology Kirche Hamburg unserer Redaktion für ein Interview zur Verfügung stand, komme ich doch nicht umhin, an einigen der darin gemachten Aussagen zu zweifeln. Sicher, der Mann, der mir hier Antworten gibt, ist Scientologe, OSA-Mitarbeiter, Presseagent. Es ist sein Job, nur Gutes über sene Org zu berichten. Sensationelle Enthüllungen waren nicht zu erwarten. Ganz klar. Aber einige Dinge, die hier geäußert wurden, bedürfen des Kommentars, wie ich meine. Nach eigener Aussage kam Herr Busch 1994 zu Scientology, und bereits zwei Jahre später war er für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das ist eine erstaunliche Karriere innerhalb der Org, zu der man den Mann nur beglückwünschen kann.
Die Angaben zu den Mitgliederzahlen (weltweit 10 Millionen, in Deutschland 30.000) halte ich für völlig überzogen, ich denke, wenn man bei beiden Zahlen eine Null wegstreicht, bewegt man sich dichter an der Realität. Nach REMID sollen in Deutschland etwa 5.000-7.000 Menschen der Scientology angehören
(Quelle: http://www.remid.de/remid_info_zahlen.htm; Stand: 27. Juni 2007)
Die Fragen nach der Freezone und der Spaltung wurden nach meinem Dafürhalten sehr unzureichend beantwortet. Sicher, ein solches Shisma ist immer ein "Knackpunkt" in der Legende einer Org, aber die Art und Weise, wie die Abspaltung hier als "Sekte" bezeichnet wird, ist schon ziemlich schrill. Für Außenstehende ist es eh ziemlich schwerig, sich hier ein Bild zu verschaffen. Beide Gruppen behaupten von sich, die "reine Lehre" des Hubbard zu verbreiten bzw. anzuwenden und bezichtigen die jeweils "anderen" der Fälschung. Nach meinem Dafürhalten wäre es für die Scientology Kirche ein Zeichen von Größe, auf die Freezonies zuzugehen, konstruktive Gespräche zu suchen und eine sinnvolle Reunionierung anzustreben. Aber ich befürchte, dazu ist weder die eine, noch die andere Seite bereit.
Die Art und Weise, wie die Fragen nach "Sektor Neun" und "Commander Elron Elray" abgeblockt wurden, war schon ein wenig frech. Es mag angehen, daß der OSA für diesen Themenkomplex die Losung "Leugne, was Du nicht erklären kannst" ausgegeben hat, aber Fakt ist nunmal, daß die Geschichte der "galaktischen Konföderation" immer wieder in Verbindung mit Scientology auftaucht. Ist es sinnvoll, offensichtliche Tatsachen zu leugnen? Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Scientology Kirche zu diesem Themenkomplex deutlich Stellung bezogen hätte, statt sich hinter Phrasen zu verstecken. Das wirkt wenig glaubwürdig und schmälert den Wert aller vorherigen Aussagen.
In diesem Tenor geht es dann auch munter weiter. "Ich weiß gar nicht, was Sie meinen". Angesichts der Tatsache, daß ich meine Fragen hierzu schon im vorhinein in persönlichen Gesprächen stundenlang erläutert habe, ein etwas dürftiges Ergebnis. Naja, "offizielle" Versionen halt. Während der Pressesprecher also zunächst durch die Betonung der Gründungsdaten versucht, Scientology von den Tätigkeiten des "präscientologischen" Hubbard zu distanzieren, geht er dann mit der höchstoffiziellen Geschichtsversion an den Start. Diese Version ist ebenso löchrig wie unbelegt, und auch der Hinweis auf eine Rücknahme von Aussagen durch die Sunday Times 1969/70 macht es nicht eben besser und wahrer. Die mir in der Sache vorgelegten Fotokopien deuten auf einen außergerichtlichen Vergleich hin. Schön und gut. Es ist nur schwer verständlich, daß die Scientology Kirche sich auf einmal vom okkulten Hintergrund des L.Ron Hubbard distanziert. Dabei liest man doch auf der website www.scientologie.de folgendes zum Thema Okkultismus:
Die Ausarbeitung von G.Melton, auf die der Pressesprecher verweist, liegt mir in Kopie vor. Auch diese belegt überhaupt nichts. Herr Melton behauptet zwar, er habe eine ID-Card gesehen, die Hubbard als Mitarbeiter des LAPD ausgewiesen habe, der Redaktion liegt ein Faksimile dieser Karte, ausgestellt für das Jahr 1948, von zweifel-hafter Reproduktionsqualität vor.
Es wird angeführt, Parsons sei einer der Physiker des Atomprogramms gewesen, und darum sei er als Sicherheitsrisiko eingestuft worden. Herr Busch schreibt: Wenn Parsons aufgrund seines Kontaktes zur Crowley von den US-Behörden damals als Sicherheitsrisiko angesehen wurde und Herr Hubbard dieses Sicherheitsrisiko beseitigen sollte, so würde dies logischerweise zugleich die damalige Position von Herrn Hubbard im Verhältnis zu Crowley bestimmt haben.
Abgesehen von der Frage, wie genau man nun ein Sicherheitsrisiko "beseitigt", wirft diese Aussage doch einige weitere Fragen auf. Warum sollte die US Regierung ausgerechnet einen Reservisten der Marine mit zweifelhaftem Leumund aufbieten, um mögliche "Sicherheitsrisiken" zu beseitigen? In den Vierziger Jahren waren vornehmlich Dienste wie das FBI mit solchen Investigationen befasst. Es ist unwahrscheinlich, daß ein Angehöriger der Marine und Reservist mit derlei hoheitlichen Aufgaben betraut wurde. Im übrigen ist auch fraglich, ob das staatliche Interesse an Parsons wirklich so hoch war. Es existiert eine etwa hundertvierzigseitige FBI Akte zu Parsons, was im Vergleich zu anderen Vorgängen eher eine Randnotiz darstellt. Daraus läßt sich folgern, daß staatliche Insitutionen an Parsons nicht sonderlich interessiert waren. Parsons war Okkultist mit Hang zur politischen Schwärmerei, aber er war kein Kommunist, so wurde das auch vom FBI bewertet. Zudem war Parsons keineswegs am Atomforschungsprojekt beteiligt. Er war
von 1936 bis 1944 als Mitbegründer am Jet Propulsion Laboratory des California Institute of Technology (Caltech) als explosives engineer im Rahmen der Entwicklung von Raketentreibstoffen tätig. Hubbards "Verhältnis" zu Crowley (bzw. umgekehrt) läßt sich anhand der in den Archiven des OTO erhaltenen Korrespondenzen ziemlich genau rekonstruieren. Crowley machte keinen Hehl daraus, daß er Hubbard für einen Scharlatan, einen Schurken und Gauner hielt. Andersherum gibt es keinerlei Beweise für die von der Scientology Kirche verbreitete "Agentenlegende". Dianetik ist im Umfeld von Thelemiten entstanden, und dies zu verleugnen, ist m.E.n. lediglich der Versuch, die tatsächlichen Wurzeln der Scientology zu verbergen. Das ist auch nicht verwunderlich. Scientology versucht, durch verschiedene Projekte auf dem sozialen Sektor eine gesellschaftliche Akzeptanz zu erzeugen. Verbindungen zu Okkultisten, Magiern und Alienfreaks sind da eher hinderlich. Der Versuch, die Wuzeln zu verleugnen, kann nicht funktionieren. Richtiger wäre es, die Vergangenheit zu akzeptieren und sich im Zuge einer echten Reform davon zu distanzieren.



