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Wes Geistes Kind - Thelema vs. Dianetik
Wes Geistes Kind - Thelema vs. Dianetik
Wes Geistes Kind...
In diesem Artikel will ich versuchen, die Unterschiede und Ähnlichkeiten von Dianetik und Thelema aufzuzeigen, ich will herausfinden, ob der "Operating Thetan" und der "Thelemit" strukturell ähnlich oder identisch sind. Dazu habe ich verschiedene Scientology Publikationen und die thelemitischen Quellen untersucht und gegenübergestellt. Woher kommt Scientology wirklich?
Lafayette Ron Hubbard, der Erfinder der Dianetik, äußert sich zu Beginn des gleichnamigen Buches ganz unbescheiden über die neue Wissenschaft, die er zu entdecken geglaubt hatte. Um ihres Namens wirklich würdig zu sein, müßte diese Wissenschaft über den Geist in ihrer experimentellen Genauigkeit mit Physik und Chemie auf gleicher Ebene stehen. Ihr Gesetze dürften keine 'Sonderfälle' zulassen, und sie dürfte sich nicht auf Autoritäten stützen. Die Atombombe explodiert, ob Einstein es erlaubt, oder nicht. Die Explosion dieser Bombe wird von Naturgesetzen geregelt. [1] Ob der indirekte Vergleich mit einer Atombombe nun wirklich so passend war, sei dahingestellt. Dem Anspruch, sich nicht auf Autoritäten zu stützen, wird Dianetik in der Scientology jedoch m.E.n. nicht gerecht, denn Hubbard wird in seiner "Kirche" wie ein Heiland gefeiert. In diesem Fall ist LRH der Experte", auf den sich die Gesetze der Dianetik stützen.
Fakt jedoch ist, daß Hubbard etwas erschuf, das Potential hatte zu wachsen und zu gedeihen. Die Dianetik entwickelte eine gewaltige Eigendynamik und wurde zum Fundament einer Bewegung: Scientology. Die Frage, die sich mir stellt, ist: Hat nun tatsächlich LRH diese Dynamik erschaffen, oder steckt da doch ein wenig mehr dahinter? Nachdem Hubbard sich in Pasadena intensiv an einigen magischen Operationen beteiligt hatte und in diesem Zusammenhang enge Berührung mit Thelema und den Inhalten des Liber Legis hatte, kreierte er eine eigene Philosophie, die Dianetik. In der South Orange Grove Avenue hatte er gemeinsam mit Jack Parsons daran gearbeitet, BABALON zur Inkarnation zu bringen. Sie wollten - sehr zum Unmut des OTO Chefs Aleister Crowley - ein "magisches Kind" erschaffen. Ich bin der Ansicht, daß ihre Operation von Erfolg gekrönt war, wenn auch nicht in der Form, wie es sich die beiden vorgestellt hatten. Die beiden Magier hatten beabsichtigt, ihre Scharlachfrau zu schwängern, um BABALON eine Inkarnation anzubieten. Die Idee dazu entlehnte Parsons aus einem Roman von Aleister Crowley. Es wurden Rituale zelebriert, die eine Manifestation von BABALON zur Folge haben sollten. Nun ist BABALON nicht eine Göttin oder metaphysische Person, sondern es handelt sich dabei um ein morphisches Feld [2]. Dieses Feld besteht aus einer bestimmten psychischen Energie, die zur materiellen oder ideellen Verdichtung fähig ist. Um eine solche Verdichtung herbeizuführen, ist es nötig, einen magischen Attraktor zu formatieren, der wie ein Kondensationskern die psychische Energie des morphischen Feldes um sich verdichtet. Ein solcher Attraktor kann das Bewußtsein einer natürlichen Person sein (in dem Fall spricht man von "Inkarnation"), oder ein Symbol (wie z.B. die Swastika). Aber auch Schriften können zu Attraktoren werden, wie beispielsweise beim Liber Legis von Aleister Crowley geschehen. Mit der Verdichtung eines morphischen Feldes erhöht man die Wirksamkeit desselben in der Welt, man nutzt solche Felder, um die Welt magisch zu beeinflussen, zu verändern.
Parsons war ein glühender Verehrer Crowleys, er sah in ihm zeitweise so etwas wie eine Vaterfigur [3]. Eifrig studierte er die Schriften des "To Mega Therion" und leitete die AGAPE Loge des OTO in Kalifornien. Er war mit Leib und Seele Thelemit und erachtete es als seine Pflicht, das aufkommende Neue Äon zu unterstützen [4]. Als Hubbard nun in Parsons Haus mehr oder weniger einzog, liefen die Vorbereitungen für die BABALON WORKINGS bereits. Es ist heute nicht mehr feststellbar, aus welchem Grund Hubbard sich so intensiv in diese Angelegenheit hineinhängte, aber die Aussagen der Beteiligten zeichnen ein Bild von einem enthusiastischen, mitten im Geschehen stehenden LRH. Er unterstützte Parsons bei den sexualmagischen Ritualen, er fungierte als "Schreiber", und zumindest in einem Fall [5] kann man davon ausgehen, daß Hubbard als "magischer Partner" fungierte. Später bezeichnete Parsons LRH auch genau so. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich dabei um ein sexualmagisches Ritual. Möglicherweise tat Hubbard dies alles nur aus reinem Opportunismus, einfach, weil er merkte, daß es sich geschäftlich auszahlen würde, wenn er dem okkultpraktizierenden Parsons ordentlich nach dem Munde redete, aber es gibt auch Anzeichen dafür, daß die Möglichkeit magischer Macht für ihn äußerst reizvoll war. So nannte er doch später sein Schiff "Magician", nach der zweiten Tarotkarte.
Wie auch immer, Hubbard hat bei den Ritualen mitgemacht, seine geistigen Energien sind in das Projekt eingeflossen. Sein Partner und er haben das magisch-morphische Feld, genannt BABALON, berührt und mit dem von ihnen geschaffenen Attraktor in Berührung gebracht. Ich bin der festen Überzeugung, das Feld hat reagiert. Vielleicht nicht unbedingt so, wie die beiden es sich vorgestellt haben, aber die Verdichtung am magischen Attraktor, der mit Blut und Sperma geladen wurde, zeitigte in der materiellen Welt eine Wirkung. Ein Kind wurde gezeugt: Dianetik Es soll hier nicht behauptet werden, BABALON hätte Dianetik erzeugt, dieser Artikel sollte keinesfalls so verstanden sein. Aber der chockmatische Impuls, der Antrieb, es zu tun, wurde von BABALON initiiert. Sicherlich ging Hubbard mit der Überlegung, eine "neue Philosophie" zu erschaffen, schon eine Weile schwanger, und sicherlich lag seine Hauptintention nicht im Heil der Welt [6], aber der magischen Kraft, die LRH und Parsons beschworen, ist die Motivation, aus der heraus gehandelt wird, egal [7]. Auf die Wirkung kommt es an. Die Wirkung dieser Kraft ist eine spaltende, eine auflösende. Altäonische Strukturen sollen geschwächt und zerstört werden [8] Und die Wirkung ließ nicht allzulange auf sich warten. Hubbard ging gute neun Monate mit seiner These schwanger, dann gebar er die "erste These", den Ursprung der Dianetik, auf den die gesamte Scientology Philosophie baut. Das "magische Kind", das "Moonchild" war geboren.
Durch ihre magische Arbeit hatten Hubbard und Parsons einen String des neuäonischen Kraftstromes in die materielle Welt geleitet, allerdings waren sie nicht fähig, die Kraft zu bändigen. Parsons verlor sein Leben in einer gewaltigen Explosion, letztenendes verzehrten ihn die Flammen der Lust. Hubbard versuchte, die rote Göttin, die losgelassen war und das Tier ritt, zu bändigen, allerdings auch völlig erfolglos [9]. Das Tier (Scientology), welches die beschworene BABALON reiten sollte, wuchs und gedieh, es wuchs Hubbard förmlich über den Kopf und ging durch. Ich bin fest davon überzeugt, daß Scientology, so wie sie sich jetzt zeigt, nicht das war, was Hubbard 1948 erdachte. Der Kraftstrom, der in das Gefäß floß, das Hubbard mit Parsons magisch erschaffen hatte, sprengte alle Begrenzungen und wucherte unkontrolliert. Dazu später mehr. Erst einmal zurück zu den Anfängen. Betrachten wir das Kind in seinen ersten Lebensjahren, als es noch jung und unschuldig wirkte.
Die Erste These: Dianetik
Hubbard veranstaltete 1948 Hypnosevorführungen auf der Bühne, möglicherweise hatte das Hypnotisieren im OTO-Umfeld gelernt. 1949 zog er mit Sara nach New Jersey, wo sich der esoterisch interessierte Astounding-Verleger John Campbell um sie kümmerte. Er besorgte ein kleines Haus am nördlichen Zipfel der Barnegat Bay und war für LRH ein eifriger Zuhörer, wenn dieser seine Theorien ausbreitete [10]. Er kombinierte Hypnosetechniken mit Forschungsmaterial, das von Freud längst aufgegeben wurde und entwickelte daraus die Dianetik. In Campells Haus führte Hubbard seine Regressionshypnoseshow vor. Er veranlaßte Campbell in leichter Trance, bewußt zurückzugehen auf der "Zeitspur" der Erinnerungen, bis er letztlich seine eigene Geburt wiedererlebte. Während dieser Sitzung stellte Campbell fest, daß sich seine chronische Nebenhöhlenentzündung besserte, was er als Beweis der Funktionalität von Hubbards neuer Technik erachtete. Campbell war begeistert, Dianetik trat ihren Siegeszug durch die Glaubensmodelle der Menschen an. Wesentlicher Bestandteil der Theorie Hubbards war, daß viele Störungen psychischer und somatischer Natur durch sog. "Engramme", negativ besetzte Erinnerungen, ausgelöst wurden. Er betrachtete Dianetik als eine Technik, mittels derer man diese Engramme auf der "Erinnerungszeitspur" aufspüren und "löschen" konnte. Hubbard, Campbell und Winter begannen, gemeinsam die Dianetik-Theorien zu entwickeln und zu präzisieren, ein jungen Elektroingenieur namens Don Rogers und Art Ceppos, den Chef des Hermitage House, einem kleinen Verlag für medizinische und psychiatrische Bücher, kamen hinzu. Der sogenannte 'Bay Head Circle' entschied sich auch auch für den Begriff "Engramm" als Bezeichnung für die "Erinnerungsabdrücke" in der Zeitspur. Gegen Ende 1949 waren die Arbeiten am Vermarktungskonzept weit fortgeschritten. Das erste Buch sollte veröffentlicht werden, vorher wollte man noch einen Artikel dazu im Astounding platzieren. Das Ergebnis der BABALON WORKINGS lag nun vor, das Moonchild war geboren [11]. Die 'Hubbard Dianetik Forschungsgesellschaft' (Hubbard Dianetic Research Foundation) wurde gegründet. Am 9. Mai 1950 kam das Buch Dianetik, die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit ohne großen Trommelwirbel landesweit in einer Erstauflage von 6.000 Exemplaren in den Handel [12]. In der Dianetik-These unterteilte Hubbard das Wahrnehmungs- und Verarbeitungsspektrum des menschlichen Geistes in den reaktiven und den analytischen Verstand.
Nach der Theorie werden Zwänge dem Verstand im gegenwärtigen Zustand durch 'Aberrationen' auferlegt, die für gewöhnlich von physischen oder emotionalen Schmerzen verursacht wurden. Da Schmerz das Überleben (und damit das Grundprinzip der Existenz) bedroht, strebt der gesunde analytische Verstand danach ihn zu vermeiden. Die Evolution stellt mit dem "reaktiven Verstand" auch den dafür notwendigen Mechanismus zur Verfügung. In Stressmomenten setzt der 'analytische Verstand' aus und der reaktive Verstand übernimmt das Ruder; er speichert Informationen auf zellularer Ebene in sogennanten 'Engrammen' ab. Diese Engramme können nun in ähnlichen Situationen wie der, als die Aberration erfolgte, den analytischen Verstand veranlassen, auszusetzen und im reaktiven Verstand wird das Engramm wirksam. So kommt es zu Störungen.
Hubbard behauptete nun, er wäre mittels Rückführung ("Auditing") in der Dianetik-Behandlung in der Lage, die "zelluläre" Speicherung von Engrammen aufzuheben und die Information über das Engramm dem analytischen Verstand zugänglich zu machen. So könne der analytische Verstand das Engramm auflösen. Ziel der Dianetik-Behandlung sei es, den reaktiven Verstand zu "klären" (engl. "clear"), und damit dem analytischen Verstand volle Handlungsfreiheit zu bescheren, was nicht nur eine psychosomatische Störungsfreiheit garantiere, sondern auch den Intelligenzquotienten enorm steigern würde.
In ersten Vollzeitkursen lehrte Hubbard seine Zuhörer das Auditieren, das Buch verkaufte sich zusehends besser [13]. Dianetik verbreitete sich als ein Hoffnungsschimmer für die Frustrierten einer Generation, die aus dem Krieg kam und in den Krieg ging [14]. Dianetik versprach Heilung für alle – und für alles. Über die Wirksamkeit dianetischer Techniken will ich hier nicht weiter referieren, dieser Artikel soll die Wurzeln der als Dianetik bekannt gewordenen Technik offenlegen. Richtig ist, daß Hubbard zusammen mit dem Bay Head Circle die Techniken ausgearbeitet hat. Doch die Grundidee, das Fundament der planmäßigen Dekonditionierung und Befreiung des Geistes durch einen Akt des freien Willens, entstammt einer anderen Strömung, mit der Scientology nur äußerst ungern in Verbindung gebracht wird:
Unterschiede und Ähnlichkeiten Thelema - Dianetik
Zwischen Thelema und Dianetik existieren einige handfeste Unterschiede, aber auch einige Ähnlichkeiten, die nicht von der Hand zu weisen sind. Der markanteste Unterschied ist: Thelema kostet nichts! Die markanteste Ähnlichkeit ist: Der Wille zur Veränderung.! Dianetik ist zwar mittelbar aus Thelema hervorgegangen, hat jedoch entwicklungstechnisch einen komplett anderen Weg genommen. Das mag daran liegen, daß Thelema aus dem europäischen Kulturraum kommt, Dianetik dagegen eine ziemlich typisch amerikanische Erfindung ist. Vorab einige Worte zu Thelema:
Was ist Thelema? Das Wort "Thelema" entstammt dem griechischen Sprachgebrauch und bezeichnet dort den "schöpferischen, kreativen Willen". Thelema ist eine universelle Lebensethik [15]. Im Jahr 1904 schrieb der englische Mystiker Aleister Crowley ein "Gesetzbuch" nieder, in den das fundamentale Recht des Menschen auf Selbstbestimmung formuliert wurde [16]. Gleich zu Anfang des Textes wird klargestellt, daß alle Menschen gleichberchtigt sind [17]. Der freie Wille des Menschen ist die oberste ethische Richtlinie [18]. Der Wille des Menschen muß in Liebe erfüllt werden [19]. Crowley formulierte damit erstmals eine Ethik, die fern jeder Religiosität und Konvention lag.
Thelemiten leben nach diesen Gesetzen. Sie ehren das Licht des Geistes, tun ihren Willen in Liebe, achten das Leben und streben nach Freiheit. [20]. Thelemiten arbeiten hart an sich selbst, sie ergründen ihr Bewußtsein, orten und bearbeiten die im Unterbewußtsein gespeicherten Konditionierungen, um die Hemmnisse für die Entfaltung des freien Willens zu beseitigen. Der Thelemit unterscheidet zwischen Gelüst und Wille. Er entfernt sich in seiner Entwicklung vom Gelüst, von der Konditionierung, und wendet sich dem freien Willen zu. Die Selbsterschaffung ist das Ziel und der Weg Thelemas.
Der freie, schöpferische Wille existiert in jedem Menschen gleichermaßen, bei manchen steht er deutlich im Vordergrund, bei anderen wiederum ist er komplett in ein Korsett aus Fremdkonditionierungen gesperrt und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Diese Menschen werden von Thelemiten als "Sklaven" bezeichnet.
Thelema ist eine Ethik, die befreit. Sie ist in der Lage, die Fesseln des Sklaven zu sprengen, Konditionierungen zu löschen und damit Platz für Kreativität und Lebensfreude zu schaffen. Thelema steht seit über einem Jahrhundert für Selbstbestimmung, Freiheit im Denken und Handeln, und für ein hohes ethisches Niveau in der Lebensgestaltung in Kooperation mit anderen Lebewesen.
Bei genauer Betrachtung offenbart sich ziemlich schnell, daß die Wurzeln der Dianetik beim thelemitischen Kraftstrom enden. Thelema baut für Menschen, die bereit sind, sich selbst neu zu erschaffen, eine tatsächliche "Brücke zur Freiheit", ohne daß es eines Apparates bedarf, wie ihn die Church of Scientology errichtet hat. Besonders deutlich wird dies, wenn man die Suchenden in der sog. Freezone anschaut, die sich vom organisatorischen Überbau des RTC [21] losgesagt haben. Hier sind die "Freezonies" noch dichter an ihren ideellen Wurzeln, als es in der "Church" der Fall ist.
1.) Unterschiede
Die Thelemiten und die "Dosendrücker" [22] unterscheiden sich auf den ersten Blick durch die Anwendung ihrer Methoden zur Selbstfindung und -erschaffung. Thelemiten neigen zu einer mystifizierten Anwendung geistiger Techniken (z.B. Meditation, Selbstreflektion, magische Rituale u.a.) um sich zu verändern. Scientologen bevorzugen i.d.R. Eine technisierte Methode der De- und Rekonditionierung (z.B. Auditing, E-Meter, Rundowns u.a.)
Während Thelemiten also durch das Studium der philosophischen, magischen und kabbalistischen Klassiker und durch Selbstreflektion versuchen, ihr Bewußtsein zu erweitern, um zu einer Selbsterkenntnis zu gelangen, werden die Scientologen durch Angehörige der "Kirche" behandelt. Dieser Unterschied ist markant, denn während der Thelemit sich selbst dekonditioniert, benötigt der Scientologe dazu die Hilfe einer anderen Person. Ersterer rekonditioniert sich selbst in freiem Willen, Letzterer wird durch einen Fremden rekonditioniert.
Daraus ergibt sich ein weiterer Unterschied, der besonders in den verschiedenen Organisationsformen zu Tage tritt. Thelemiten bevorzugen regulär lockere Organisationsformen, ohne große Hierarchien (mit Ausnahmen; z.B. O.T.O. u.a.). Die meisten Thelemiten sind Autodidakten und bewegen sich in keinem festgeschriebenen Lehrsystem. Scientologen sind i.d.R. straff organisiert und werden vom RTC in bestimmten Klassen kategorisiert. Es existiert ein festes Lehrsystem, in dem das Individuum sich gegen Zahlung nicht unerheblicher Beiträge bewegt.
"Fortgeschrittene Kurse (in Scientology) sind die wertvollsten Dienste auf dem Planeten. Lebensversicherungen, Häuser, Autos, Aktien, Wertpapiere, Sparverträge, all das ist vergänglich und nicht von Dauer... Es gibt nichts, was man mit Fortgeschrittenen Kursen vergleichen könnte. Sie sind unendlich wertvoll und reichen weiter als die Zeit selbst." L. Ron Hubbard über seine "Operierender Thetan Kurse", Flag Missionsanweisung 375.
Damit sind wir bei den Kosten. Thelemit sein kostet kein Geld, zumindest nicht zwangsläufig. Es ist auch nicht zwingend notwendig, z.B. die Schriften A. Crowleys oder anderer käuflich zu erwerben, um als Thelemit leben zu können. Es gibt viele Thelemiten, die das Liber CCXX noch nie gelesen haben. Ich wage allerdings die Behauptung, daß es keinen Scientologen gibt, der Dianetik noch nie gelesen hat. Das Scientology System ist ein durchweg kapitalistisches, ohne dies hier als Wertung verstanden haben zu wollen. Thelema kann man nicht kaufen, Clear und OT schon.
Thelemiten benötigen keinen großen Kapitaleinsatz, um zum Ziel zu gelangen. Die Textrecherche im Internet, der Gang in die öffentliche Leihbibliothek und ggfs. ein- bis zweihundert Euro für die Beschaffung spezieller Literatur reichen aus, um sich intensiv und philosophisch mit dem Thema zu befassen. Scientologen brauchen regulär einen nicht unerheblichen Kapitalstock, um "die Brücke zur Freiheit" überschreiten zu können [23]. Nicht selten ist es, daß Scientologen Summen im fünf- und sechsstelligen Bereich im Laufe ihrer Ausbildung investieren.
Der ungeheure Kapitalbedarf des RTC bzw. der Church of Scientology ist auffällig. Die Organisation operiert ausschließlich auf marktwirtschaftlicher Basis. Das ist an sich nichts Verwerfliches, immerhin basiert das gesamte amerikanische Wertesystem auf dem Satz "Make money, make more money, get other people to make more money". Das Scientology-System ist also ein rein marktwirtschaftliches, während Thelema ein ethisches System ist.
Crowley, der als "Prophet des neuen Äons" Thelema literarisch in zahlreichen Veröffentlichungen manifestierte, war ein hochgebildeter Mystiker englischer Abstammung, er hatte die großen magischen Orden seiner Zeit kennengelernt und z.T. sogar geleitet. Er sah Thelema als etwas spirituell-ethisches an und jede Form der Vermarktung spiritueller Weisheiten war ihm vom Wesen her verhaßt. Er pflegte über Menschen, die meinten, Erkenntnis könne man kaufen, zu scherzen [24]. Lafayette Ron Hubbard, der durch den Crowley-Schüler Jack Parsons mit dem magischen Thelema-Kraftstrom in Berührung kam, war da aus ganz anderem Holz geschnitzt. Er war sicherlich nicht ungebildet, hatte aber von Magick, Kabbalah und Mystik i.w.S. keine Ahnung. Er war daran interessiert, Geld zu verdienen, es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, seine "neue Technologie" als schlichte Buchpublikation herauszubringen. Hubbard war Amerikaner, er war im aufstrebenden kapitalistischen System des frühen 20. Jahrhunderts aufgewachsen, und so nimmt es nicht Wunder, daß er aus Dianetik einen Konzern machte.
Ein nächster Punkt, der Thelema und Dianetik unterscheidet, ist der "spirituelle Background", wenn man es denn so nennen will. Während Thelema einen vorwiegend magisch-mystischen Hintergrund besitzt, erkennt man in Dianetik den unzweifelhaft vorhandenen Einfluß des SciFi Autoren LRH. Thelemiten betrachten sich selbst regulär als geistige Wesen in einem Kosmos, dessen Wahrnehmung sie als egozentrisches Abbild ihrer eigenen Vorstellungen erkennen. Eine Art spiritueller Kreationismus gewissermaßen. Sie betrachten Phänomene als Reflektionen in ihrem eigenen subjektiven Wahrnehmungsspektrum. Scientologen besitzen zwar auch eine metaphysische Wahrnehmungskomponente, diese jedoch wird von der Church vorgegeben und ist in den entsprechenden Kursen erlernbar. Hierbei handelt es sich nicht um subjektive Wahrnehmungen, sondern um erlernte Glaubenssätze [25].
Es ist natürlich jedem Menschen selbst überlassen, welche Art von Glaubenssätzen er zum Bestandteil einer Weltanschauung erhebt. Ein jeder mag seinen Glauben leben, und sei er noch so abstrus, wenn dadurch niemand anderer in seinem Leben gegen seinen Willen beeinflußt wird. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Scientology hat sich ein Glaubenskonstrukt errichtet, das es für einzig gültig hält. Scientology vertritt damit einen universellen Wahrheitsanspruch, ähnlich der katholischen Kirche. Das steht in einem krassen Widerspruch zum thelemitischen Grundgedanken [26]. Wahrheiten sind veränderlich, mutieren, sind immer individuell. In Norddeutschland sagt man: "Wat den een sien uhl, is den anner sien nachtigall". Das gilt in der Scientology Kirche nicht. Dort gibt es eine universelle Wahrheit, die von Gerüchten einer galaktischen Konföderation und einem kosmischen Holocaust getragen wird. Auf der Brücke zur Freiheit (zum O.T.) kommt der Scientologe an dieser SciFi-"Wahrheit" nicht vorbei [27]. Der Grund für diese obskure Geschichte mag darin liegen, daß die Legende es ermöglicht, die Scientologen zusammenzuschweißen, eine verschworene Gemeinschaft zu bilden, die sich von der Masse des "rohen Fleisches", wie die Allgemeinheit in Scientology-Kreisen bisweilen genannt wird, abzusetzen. Aber ob das sinnvoll ist?
"Wenn ihr mit mir, bis zum ersten Meilenstein in Scientology, auf dieser Linie bleibt und euch selbst auf ein hohes Fähigkeitsniveau bringt und euch dem widmet, werdet ihr frei sein - frei von mir und auch von Scientology." 520303 HCL 1, Scientology - Milestone One New R&D-Volume 9, p. 456
Scientology und Dianetik ist nunmal nichts Besonderes, sondern lediglich eine Variante bereits existierender Strömungen, die ihren Ursprung im Liber Legis haben, der Offenbarungsschrift des Horus Äons. In diesem Zeitalter wird der Mensch aus der Sklaverei der Fremdbestimmung herausgeführt und wird sich individuell selbst neu erschaffen als ein Stern unter Sternen. Die wahre Selbst-Erschaffung vollzieht sich im Individuum selbst, keine Organisation, keine Kirche, kein Verein vermag dies zu leisten.
So gravierend die Unterschiede Dianetik-Thelema zunächst auch ausfallen mögen, so interessant sind die offensichtlichen Ähnlichkeiten beider Systeme. Diese Synchronizitäten wollen wir im Folgenden betrachten.
2.) Ähnlichkeiten
Laut Aussage von John Atack soll Hubbard Aleister Crowley als seinen "guten Freund" bezeichnet haben, was wohl keinesfalls auf Gegenseitigkeit beruhte. Crowley hielt Hubbard für einen Blender und Gauner [28]. Dianetik entstand im Zuge der BABALON WORKINGS, die Jack Parsons gemeinsam mit LRH durchführte. Parsons war Vorsteher der Loge Agape des Ordo Templi Orientis und ein Thelemit durch und durch. Während der sexualmagischen Rituale, die LRH und Parsons durchführten, bekam Hubbard enge Berührung mit dem 93Current, dem thelemitisch-magischen Kraftstrom. Dieses magische Feld ist sehr stark, und durchaus in der Lage, Menschen in der Intention ihres Handels zu verändern. Wer von diesem Kraftstrom berührt wird, bleibt nicht unverändert. Und so ging es auch Lafayette Ron Hubbard. John Atack behauptet, selbst das Scientology-Kreuz habe dieser von Crowley abgekupfert [29]. Seine Idee, eine "neue Religion" zu erschaffen, reifte im Schoße BABALONs heran [30], und ab 1950 kam die Idee als Dianetik in Umlauf. Zweifelsohne hatte Hubbard auch Theorien von Sigmund Freud adaptiert, er arbeitete mit Hypnose, Rückführungen und redefinierte einige psychologische Begriffe, doch die "Handschrift" des Horus Äons ist nach wie vor unverkennbar.
Der erste Punkt, der gewisse Synchronizitäten aufweist, ist das Thema freier Wille und Selbstbestimmung. Thelemiten streben danach, ihren freien Willen zu erkennen und diesen von Fremdkonditionierungen jeder Art zu befreien. Der Thelemit trifft freie Entscheidungen, unbefleckt von äußeren Umständen und Zwängen. Scientologen versuchen, ihren reaktionären Verstand zu "klären", um sich in Richtung "operierender Thetan" zu entwickeln, also zu einem unabhängigen Geistwesen, das freie Entscheidungen - willentlich und unbeeinflußt von außen - trifft.
Die Ähnlichkeit Thelema-Thetan ist nicht nur phonetischer Natur [31]. Das THELEMA, der von äußeren Zwängen befreite Wille, macht den Menschen unabhängig, frei und individuell. Er ist nicht mehr empfänglich für Fremdbestimmung, für Einflüsterungen und Verlockungen, die dem wahren Willen widersprechen. So soll auch der THETAN der Scientologen sein. Er soll unabhängig von externen Stimuli agieren und in der Lage sein, die körperlichen Grenzen zu sprengen. OBEs [32] gehören für Thelemiten wie auch für Thetane durchaus zum gängigen Repertoire. Im Kern sind beide ähnlich motiviert: "Der Geist beherrscht die Materie".
Thelemiten betrachten sich im Kern als unsterbliche Seele, die zur Weiterexistenz nach dem physischen Tod unter bestimmten Umständen fähig ist. Scientologen vertreten regulär und offiziell eine Reinkarnationstheorie, die besagt, daß der unsterbliche Thetan in menschlicher Form wiedergeboren wird. Nun ist natürlich der Reinkarnationsgedanke als solcher nichts weltbewegend Neues, nichts, was nicht auch in anderen Weltanschauungen vorkäme. Allerdings ist es erstaunlich, daß diese Idee in einem technisierten System wie der Scientology überhaupt vorkommt. Scientologen sehen den Thetan als unsterblich an [33]. In den OT-Lehrgängen wird der Kosmos als ein "Spiel" deklariert. Hubbard klassifizierte die am Spiel Beteiligten wie folgt: Der Spielmacher (im Sinne von "Erfinder" des Spiels): Er selbst hat keine Regeln und er spielt nicht nach Regeln, zumindest nicht nach den Regeln, die er selbst für andere festgesetzt hat. Die Spieler: Die Regeln sind ihnen bekannt und sie werden befolgt. Spielerassistenten: Sie gehorchen den Spielern. Spielfiguren: Sie gehorchen Regeln wie sie von den Spielern diktiert werden, kennen sie jedoch nicht. Zerbrochene Spielfiguren: Sie nehmen nicht am Spiel teil - wissen nicht einmal, daß sie in einem Spiel sind.
Interessant ist, daß einige thelemitische Organisationen (hier insbesondere die deutsche "Thelema Society") seit einiger Zeit auch dazu neigen, vermehrt vom "Lebensspiel" zu reden, z.B. auf www.thelema.de ist häufig vom Spiel die Rede. Allerdings ist die Thelema Society in diesem Bezug eher die Ausnahme. Die meisten Thelemiten folgen dieser Ansicht nicht. Mit dem Spielbezug soll offenbar die kreative Größe des Geistes unterstrichen werden, immerhin ist es ein eher göttliches Attribut, das Privilieg zu haben, das Leben als Spiel zu betrachten. Damit sind wir bei der nächsten Synchronizität, der Betonung des kreativen Elements.
Ein weiterer Punkt, in dem beide Systeme sich ähneln, ist die subjektive Wahrnehmung bzw. das individuelle Erschaffen von Universen. Hubbard hat versucht, eine Differenzierung zu finden. Er sprach davon, daß es drei "Universen" gibt. Diese sind das Universum U1, welches von einem Individuum erschaffen wird, das Universum U2, welches von anderen geschaffen wird, und schließlich das Universum U3, welches uns allen gemeinsam ist. Vom letzteren spricht er als "das physikalische Universum" [34]. Diese Ansicht deckt sich weitestgehend mit der von Thelemiten vertretenen. Thelemiten erschaffen Universen, sie betrachten ihre subjektive wahrnehmung als Reflektion ihres wahren Willens. Übereinstimmende Willen erschaffen gemeinsame Universen. Scientologen erschaffen ebenfalls ihr eigenes Universum, als Thetanen betrachten sie dies sogar als eine Art Spiel. Es gibt gemeinsame Universen.
In beiden Systemen ist der freie und kreative Geist (Thelema/Thetan) der Schöpfer des individuellen Universums. Gemeinsame Universen werden durch Kommunikation und Kooperation erschaffen, das physikalische Universum wird synchron aus allen verfügbaren Faktoren (Materie, Energie, Raum und Zeit) erschaffen. Es ist natürlich auch keine weltbewegende Neuheit, daß der Mensch ein subjektiv wahrgenommenes Universum im Geist zu seiner Realität verarbeitet, aber es geht in diesem Bereich hier auch nicht darum, unverwechselbare Eigenschaften aufzuzeigen, sondern gewisse Gemeinsamkeiten beider Systeme darzustellen. Und die sind hier deutlich wahrnehmbar.
Im Grunde spricht mehr dafür als dagegen, daß Dianetik schlichtweg eine kommerzialisierte Kopie des thelemitisch-ethischen Konzeptes ist. Dies ist ein Umstand, der weder den Thelemiten, noch den Scientologen gefällt. Ie Scientology Kirche hat merkliche Bauchschmerzen damit, in die Nähe von Okkultisten und Esoterikern gerückt zu werden, während die Thelemiten auch nicht eben erfreut sind, daß die "Dosendrücker" Crowleys Schriften verwurstet haben. Das ist ein echtes Dilemma, denn gerade in Deutschland wird man nicht gern in einem Atemzug mit Scientology genannt. Aber was soll´s? Es ist nun einmal, wie es ist. Die Telemiten müssen damit leben, die Scientologen müssen es auch.
Die einzigen, die sich darüber möglicherweise freuen, sind die sogenannten Sektenexperten, macht es ihnen doch ihre Arbeit leichter, alles Fremde, "Unchristliche" und irgendwie nach Freiheit riechende per se als gefährlich und/oder unmoralisch zu verteufeln. Da fällt es einem Herrn G. aus B. oder einer Frau C. aus H. leicht, ihre Propagandalügen zu verbreiten, "aufzuklären" und die aus ihrer Sicht dumme und beeinflußbare Masse der Konsumenten vor solchen Strömungen des vermeindlich Bösen zu schützen. Sie können hier prima alles in einen großen Medientopf werfen, darin nach Belieben mit dem Löffel der Befindlichkeit herumrühren und das Süppchen dann im Abendprogramm der staatlichen und privatwirtschaftlichen Unterhaltungsanstalten lauwarm servieren.
Die Redaktion wünscht: Guten Appetit!
Anmerkungen
[1] Hubbard über Dianetik. Aus: "Dianetik" - New Era Publications, ISBN 87-7336-152-6, S.19
[2] Vergl. dazu R. Sheldrakes Theorien zur Morphogenetik
[3] Parsons pflegte Crowley in Korrespondenzen oft als "Vater" anzusprechen.
[4] Nicht zuletzt unterstütze Parsons den alternden Crowley auch finanziell mit nicht eben unbeträchtlichen Summen.
[5] Das Ritual in der Mojave-Wüste am 18.01.1946, welches Parsons und Hubbard gemeinsam ausführten, und zu dem es - entgegen Parsons sonstigen Gepflogenheiten - keine detaillierten Aufzeichnungen gibt.
[6] "Ich möchte eine Religion gründen. Dort liegt das Geld." L. Ron Hubbard an Lloyd Eshbach, 1949. Von Eshbach zitiert in "Over my Shoulder".
[7] Siehe dazu: Liber Legis:
"Nun ein Fluch auf Weil und seine Verwandschaft!"
"Möge Weil verflucht sein für immer! "
"Wenn Wille anhält und schreit Warum, und dadurch Weil beschwört, dann hält Wille an + tut nichts. "
"Wenn Kraft fragt warum, dann ist Kraft Schwäche."
"Ebenso ist Vernunft eine Lüge; denn da ist ein Faktor unendlich und unbekannt; + und all ihre Worte sind schiefliegend."
"Genug von Weil! Er sei verdammt als ein Hund!"
(Liber CCXX; II/28-33)
[8] Siehe dazu: Liber Legis: "Siehe! die Rituale der alten Zeit sind schwarz. Laßt die üblen verworfen sein; laßt die guten von dem Propheten gereinigt werden! Dann soll dieses Wissen richtiggehen" (Liber CCXX; II/5)
[9] BABALON wird in Anlehnung an die Apokalypse des Johannes oft dargestellt als "Die Hure Babylon, die das siebenköpfige Tier reitet" und das Kommen des "Antichristen" ankündigt. Es gibt Gerüchte, daß Hubbard in den OT VIII-Stufen als Verkörperung des Antichristen gefeiert wird (Quelle: Die Falle der völligen Freiheit: Scientology, Dianetik und L. Ron Hubbard; von Jon Atack; Übersetzung: Martin Beyer. Zitat: "Ein durchgesickertes OT8 Bulletin, dessen Echtheit nicht feststeht, behauptet, Hubbard sei tatsächlich der Antichrist.").
[10] Campbell schrieb im Juli 1949 an Dr. Joseph Winter: "L. Ron Hubbard, der auch Autor ist, hat einige psychologische Untersuchungen angestellt ... Er ist auf wichtige Ergebnisse gestoßen. Seine Herangehensweise basiert auf einigen sehr frühen Werken Freuds, einigen Arbeiten anderer Männer und sehr viel eigener Forschung. Er ist kein professioneller Psychoanalytiker oder Psychiater, eigentlich ist er Ingenieur. Er hat sich dem Thema Psychiatrie vom heuristischen Standpunkt genähert, um Ergebnisse zu bekommen."
[11] Am 8. März 1950 gebar Sara eine Tochter, Alexis Valerie, im örtlichen Krankenhaus. Winter, der praktischerweise da war, überwachte die Entbindung. Als sie das Baby zu ersten Mal in ihren Armen wiegte, bemerkte Sara zu ihrer großen Freude, daß ihre Tochter flammend rotes Haar hatte.
[12] Ziat aus Russell Millers: "The Bare Faced Messiah": "Anfang April hatte Campbells Editorial so viel Interesse stimuliert, daß man sich entschied, eine 'Hubbard Dianetik Forschungsgesellschaft' ins Leben zu rufen, um das Wissen über diese neue Therapieform weiterzuverbreiten und weitere Forschungen anzuregen. Die Gesellschaft befand sich in der unattraktiven Umgebung von Elizabeth, New Jersey, einer schmutzigen Industriestadt an den Ufern des Newark Bay gegenüber von Staten Island. Die Leitung der Gesellschaft konstituierte sich aus Ron und Sara Hubbard, Campbell, Winter, Don Rogers, Art Ceppos und einem Anwalt namens Parker C. Morgan. Dr. Winter der inzwischen seine Praxis in Michigan verkauft hatte, um sich ganz der Dianetik widmen zu können, akzeptierte den Posten des medizinischen Direktors 'ohne Bedenken'. Die Gesellschaft mietete das oberste Stockwerk eines alten Bürogebäudes auf der Morris Avenue und möblierte es mit gebrauchten Blechschreibtischen, ausgemusterten Vortragssaal-Stühlen der Marine und ausgemusterten Armeebetten. Ron und Sara mieteten ein kleines Haus auf der Aberdeen Road 42 in Elizabeth und zogen dann mit ihrem Baby dort ein. Sara bedauerte es sehr, Bay Head verlassen zu müssen und betrachtete Elizabeth mit offener Abneigung, doch Ron überzeugte sie davon, daß es für ihn essentiel wäre vor Ort zu sein, um die Geschicke der Gesellschaft zu leiten. Campbells Frau Dona litt in ähnlicher Weise an der Obsession ihres Mannes für Dianetik, und zwar so sehr, daß sie sich scheiden ließ und Dianetik als den 'letzten Anstoß' dazu bezeichnete. Autoren, die regelmäßig für Astounding schrieben, fingen ebenfalls an, Bedenken zu äußern, daß der Herausgeber an nichts anderem mehr interessiert schien als Hubbards wunderbarer neuer Wissenschaft und viele von ihnen teilten dessen Enthusiasmus nicht. Isaak Asimov las einen Vorabdruck des Dianetik-Artikels und hielt das Ganze für 'Geschwafel' während Jack Williamson sagte, seiner Meinung nach war das 'eine verrückte Überarbeitung von Freudscher Psychologie'."
[13] Ein typischer Käufer war z.B. Jack Horner, ein Psychologiestudent an einem College in Los Angeles: "Ich bin seit 1934 Science-Fiction Fan und war fasziniert von Campbells Editorials in Astounding. Ich bestellte das Buch, sobald ich davon gehört hatte. Ich bekam es am Montag, las es am Dienstag und auditierte am Mittwoch. Ich saß da und auditierte fünf Leute – und Mann: Es funktionierte genau so wie Hubbard es gesagt hatte. Ich dachte mir: 'Ok, er hat vielleicht nicht alles erkannt aber ganz schön viel.'" (Quelle: Interview mit Jack Horner, Santa Monica, 24. Juli 1986)
[14] "Ron lehrte jeden Tag. Er war sehr beeindruckend, engagiert und amüsant. Dieser Mann hatte unglaubliches Charisma; man wollte einfach jedes Wort von ihm mitbekommen und die Perlen seiner Weisheit hören. Wir sprachen nie darüber, woher er sein ganzes Wissen hatte. Für mich waren die Quellen seiner Daten irrelevant. Ich war im College gewesen und hatte die neuesten Entdeckungen der Psychologie studiert, und die waren keinen Pfifferling wert verglichen mit dem, was er zu sagen hatte und was es bewirken würde." (Quelle: Interview mit Jack Horner, Santa Monica, 24. Juli 1986)
"Seit dem Übernacht-Erfolg seines Buches Dianetik", so die Los Angeles Daily News, "ist Hubbard innerhalb einiger kurzer Monate eine Persönlichkeit geworden, eine nationale Berühmtheit und der Eigentümer der am schnellsten wachsenden 'Bewegung' der USA." (Quelle: Los Angeles Daily News, 6. September 1950)
[15] Nähere Informationen dazu im Heft Nr. 01/07 des MAGICKAL OBSERVER (www.magickal-observer.de/tmo_0107.html)
[16] Crowley faßte die Kerninhalte des Liber Legis (Liber 220) später im sog. "Liber OZ" (Liber 77) zusammen:
1. Man has the right to live by his own law--
to live in the way that he wills to do:
to work as he will:
to play as he will:
to rest as he will:
to die when and how he will.
2. Man has the right to eat what he will:
to drink what he will:
to dwell where he will:
to move as he will on the face of the earth.
3. Man has the right to think what he will:
to speak what he will:
to write what he will:
to draw, paint, carve, etch, mould, build as he will:
to dress as he will.
4. Man has the right to love as he will:--
"take your fill and will of love as ye will,
when, where, and with whom ye will." --AL. I. 51
5. Man has the right to kill those who would thwart these rights.
"the slaves shall serve." --AL. II. 58
[17] "Every man and every woman is a star." (Liber CCXX; I/3)
[18] "Do what thou wilt shall be the whole of the Law." (Liber CCXX; I/40)
[19] "Love is the law, love under will." (Liber CCXX; I/57)
[20] Lux, Amor, Vita, Libertas – die Grundprinzipien erfolgreicher spiritueller Arbeit.
[21] Das Religious Technology Center wurde am 01.01.1982 eingetragen und fungiert seit dem als Rechteeigner der Scientology, das RTC ist die organisatorische Zentrale des weit gefächerten und z.T. undurchsichtigen Netzwerkes der Church of Scientology.
[22] Scientologen werden oft - etwas sarkastisch - als "Dosendrücker" bezeichnet wegen der Benutzung des sog. "E-Meter", bei dem der Auditierte zwei Metallbüchsen in der Hand hält, die mit dem Hautwiderstandsmeßgerät verbunden sind.
[23] Die Reihenfolge der Schritte auf der Scientology Brücke änderte sich Jahr für Jahr. Nach dem Reinigungsprogramm und einem weiteren Gespräch mit einem Verkäufer könnte der Geworbene ohne weiteres mit dem Hubbard Key To Life Kurs (zum Preis von viertausend britischen Pfund oder achttausend US Dollar) weitermachen. [...] Als "Integritätsprozessing" findet sich das Verfahren mit genau den gleichen Fragenlisten wie die früheren Sicherheitsüberprüfungen auf Grad Zwei wieder und wird auch später oft wiederholt (zu Preisen von 130 bis 260 britischen Pfund oder 250 bis 500 US Dollar die Stunde). [...] Im Jahre 1992 wurde "OT-Abschnitt 1" für eintausend britische Pfund oder zweitausendzweihundert US Dollar angeboten. In der zweiten Stufe (Preis: zweitausend britische Pfund oder viertausendzweihundert US Dollar) ringt der "Prä-OT" mit scheinbar endlosen Listen von Sätzen [...] Der Prä-OT trennt sich von einer "Mindestspende" von dreitausendvierhundert britischen Pfund oder siebentausendzweihundert US Dollar, um die OT 3 "Feuerwand" zu durchqueren. Quelle: Die Falle der völligen Freiheit: Scientology, Dianetik und L. Ron Hubbard von Jon Atack
[24] Besonders deutlich wird dies im "Buch der Lügen" von Crowley; Kapitel 88: Goldziegel
Lehre uns Dein Geheimnis, Meister! Japsen meine yahoos.
Denn wegen der Härte ihrer Herzen und der Weichheit ihrer Köpfe lehrte ich sie Magick.
Doch ... ach!
Lehre uns dein wahres Geheimnis, Meister! Wie man unsichtbar wird, wie man Liebe erlangt, und oh! Vor allem, wie man Gold macht.
Doch wieviel Gold willst Du mir geben für das Geheimnis unendlichen Reichtums?
Dann sagte der erste und närrischste unter ihnen: Meister, es ist nichts; aber hier hast du hunderttausend Pfund dafür.
Dies geruhte ich anzunehmen und wisperte in sein Ohr folgendes Geheimnis:
JEDE MINUTE WIRD EIN IDIOT GEBOREN.
E.A.Crowley; Liber CCCXXXIII; Book Of Lies - Kapitel 88
[25] Im OT 3 wird dem Teilnehmer versichert, daß die Erde vor fünfundsiebzigmillionen Jahren Teil einer Galaktischen Föderation war, die von einem bösen Prinzen namens Xenu regiert wurde. Die Föderation habe unter erheblicher Überbevölkerung gelitten, daher habe Xenu einen Plan gefaßt, durch den die Völker von etwa 76 Planeten zur Erde verfrachtet und vernichtet worden seien. Die Geister oder Thetane dieser seien explodiert worden, indem Wasserstoffbomben in Vulkane plaziert worden seien. Ferner seien sie auf "elektronischen Schleifen" aufgereiht worden. Anschließend seien diese Opfer sechsunddreißig Tage lang mit Bildern von zukünftigen Gesellschaften der Erde ge-"implantet" worden. Nach Hubbard entstammen seither alle Kulturen und Religionen diesen hypnotischen Einpflanzungen. Er sagte beispielsweise, daß Christus eine Illusion sei, die in jener Zeit eingepflanzt wurde. Nach der Einpflanzung seien die Thetane dann in Klumpen zusammengepackt worden, und gemäß OT 3 ist jeder lebende Mensch eine Zusammenballung solcher Klumpen. Quelle: Die Falle der völligen Freiheit: Scientology, Dianetik und L. Ron Hubbard von Jon Atack
[26] Thelema ist keine einschränkende Ethik, sondern eine grenzenlose. Thelemiten negieren nicht per se Religionen oder Weltanschauungen, sondern sie betrachten sie als gleichberechtigte und ergänzende Weltbilder, sofern sie in sich schlüssig sind. Thelma erhebt keinen absoluten Wahrheitsanspruch, sondern ist als ein individueller Schlüssel zu Erkenntnis zu sehen, der in direkter Beziehung zum subjektiven Weltbild anzuwenden ist.. Zum Wahrheits-Komplex äußerst sich das Liber Legis im ersten Teil wie folgt: "[...] Alle Worte sind heilig und alle Propheten wahr; ausgenommen nur, daß sie wenig verstehen; [...]" Liber CCXX; I/56
Allerdings ist Thelema durchaus kritisch im Umgang mit Glaubenskonstrukten und Religionen. Der Thelemit hinterfragt grundsätzlich alle Glaubenssätze kritisch, um ggfs. den Nutzen für sein eigenes Weltbild daraus zu entnehmen. Wir lesen daher im dritten Teil des Liber Legis:
"Ich bin in einem geheimen vierfältigen Wort, die Blasphemie gegen alle Götter der Menschheit."
"Fluch ihnen! Fluch ihnen! Fluch ihnen!"
"Mit meinem Falkenkopf hacke ich nach den Augen Jesu wie er da an dem Kreuz hängt"
"Ich schlage meine Flügel in das Gesicht Mohammeds und blende ihn"
"Mit meinen Klauen reiße ich das Fleisch des Inders und des Buddhisten, Mongolen und Din heraus."
"Bahlasti! Ompehda! Ich spucke auf eure jämmerlichen Credos"
Liber CCXX; II/49-54
Der scheinbare Widerspruch dieser beiden Zitate ist immanent wichtig. Der Thelemit erachtet die Wahrheit des Anderen zunächst einmal als gegeben (denn der Andere äußert diese Wahrheit schließlich), unterzieht sie jedoch der "blasphemischen Prüfung", d.h., er nimmt sich heraus, sie als untauglich für das eigene Weltbild zu verwerfen. Was vor ein-, zwei- oder dreitausend Jahren richtig und wichtig war, muß heute keine Gültigkeit mehr besitzen. Zumindest nicht zwangsläufig. Tatsächliche Wahrheiten können blasphemisch attackiert werden, sie nehmen keinen Schaden. Glaubenskonstrukte hingegen halten der Blasphemie nicht stand. Wer das in der Scientology Kirche versucht, der findet sich wohl schnell mit der Zahnbürste bewaffnet im Gemeinschaftsklo zum Putzdienst wieder, um seinen Wiedergutmachungs-Rundown zu absolvieren.
[27] Für Weird Fiction Interessierte ergeben sich bei genauerer Betrachtung der Scientology-Wahrheit einige interessante Parallelen zu den phantastischen Geschichten des Autors H.P. Lovecraft, die LRH sicherlich gelesen haben dürfte. Der Autor dieses Artikels hat in einer seiner Weird Fiction Tales einmal eine gedankliche Brücke in diese Richtung hergestellt, im Internet zu finden unter http://books.aeonarts.de/.
[28] Sehe dazu den Artikel "EinsFünfSex" in diesem Heft, dort insbesondere Anmerkung Nr. 24
[29] "Scientology "Geistliche" belegen einen Kurs über vergleichende Religion, der auf einem einzigen Buch basiert und lesen die wenigen Zeremonien, die von Hubbard verfaßt wurden. Ihre Ausbildung dauert ein paar Tage. In ihrer Kleidung ahmen sie christliche Geistliche nach, den steifen Kragen der Geistlichen und ein Kreuz, das wie ein christliches zu sein scheint, eingeschlossen. In Wirklichkeit ist das Kreuz ein Scientology Kreuz, das offenbar dasjenige von Hubbards Vorbild, dem Magier Aleister Crowley, imitiert." Quelle: Die Falle der völligen Freiheit: Scientology, Dianetik und L. Ron Hubbard von Jon Atack (Anm. d. Autors: Diese Behauptung bezieht sich möglicherweise auf das "Rosenkreuz" des "Order of the Golden Dawn", in dem Crowley Mitglied war, und das auf der Rückseite des von Crowley gestalteten THOTH TAROT zu sehen ist. Hubbard dürfte dieses in thelemitischen Kreisen und Schriften durchaus gebräuchliche Symbol im Laufe seiner magischen Arbeit mit Jack Parsons unzweifelhaft begegnet sein.)
[30] Siehe auch dazu den Artikel "EinsFünfSex" in diesem Heft
[31] Beide Worte, Thelema wie auch Thetan, entstammen griechischen Wortstämmen. Es ist anzunehmen, daß Hubbard sich in der Begriffsfindung für seinen "befreiten Geist" stark am Vorbild Crowleys orientierte, zumal die Wortbedeutung auch extrem ähnlich ist. Es ist wohl davon auszugehen, daß Hubbards "Operating Thetan" mit dem "Thelemiten" identisch ist. Nach der griechischen Gematria ergibt Thelema (Theta, Epsilon, Lambda, Eta, My, Alpha) die Zahl 93, Thetan (Theta, Epsilon, Tau, Alpha, Ny) ergibt 365.
[32] OBE = Out-of-body-experience (Außerkörprliche Erfahrung). Wahrnehmungen und Aktionen, die nicht im direkten Zusammenhang mit körperlichen Aktivitäten stehen. Hierzu zählen z.B. sog. "Astralreisen", das Weiterleben nach dem physischen Tod, luzide Träume u.a.
[33] Und wenn Ihr die Brücke hinaufgeht, werdet Ihr sicherlich beginnen zu verstehen - und während Ihr die Brücke weiter hinaufgeht - werdet Ihr vollständig verstehen, worum es eigentlich geht. Denn Leute oder Thetans waren niemals KÖRPER. Sie BENUTZEN einen Körper in einem Spiel, sie benutzen ihn genau so, wie Ihr ein gutes Werkzeug benutzen würdet, um etwas in einem Spiel zu handhaben. Aber Ihr seid nicht der Körper, also laßt Euch von Leuten nicht erzählen: "Du bist der Körper", seht Ihr? Diese Art von falschem Datum ist das, was Leute gefangen hält. Sie erkennen nicht, daß sie ein Geist oder ein Wesen oder ein Thetan sind. Quelle: Administrativer Vortrag Nr. 2; "Die Brücke"; 25.Januar AD 37 (1987); von Capt. Bill Robertson
Nun wirst Du vielleicht sagen: "Ist das alles, wirklich alles darüber? Willst Du damit sagen, daß es sich nur um einen Haufen UNSTERBLICHER dreht, die eine unendliche Anzahl von Spielen spielen? Und daß wir jetzt irgendwo in der Mitte der Unendlichkeit an Möglichkeiten feststecken? Und daß all dieses Zeug rundherum von uns UNSTERBLICHEN nur kreiert wurde, um UNLOGIK zu erfahren, sie zu analysieren und handzuhaben? Und daß einige sich nicht an die Übereinstimmungen gehalten haben und durch ihre Unterdrückungen anderen den Spaß daran verdorben haben?" [...] Nun, meine Antwort darauf lautet: "JA, ES IST SO." Quelle: Administrativer Vortrag Nr. 3; "Deine Brücke"; 1. September AD 38 (1988); von Capt. Bill Robertson
[34] Im Scientology-Jargon wird das pysikalische Universum auch als "MEST-Universe" bezeichnet. MEST= Matter(Materie) – Energy(Energie) – Space(Raum) - Time(Zeit)



