Tarot & Kabbalah
Thoth Tarot
Thoth Tarot Atu 11 Lust
Thoth Tarot Atu 11 Lust
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XI - LUST
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![]() Der Weg der großen SCHLANGE Ist Ausgleich, keine Bange! |
Erneuerung, Schwangerschaft, Initiation Farbe: grünliches Gelb, Grau, dunkles Purpur, rötliches Bernstein Kurzbeschreibung: Atu XI-Lust ist eine der stärksten Karten des Thoth Tarot Decks. Die Kraft dieser Karte ist direkt verbunden mit den Urkräften des Lebens und den stärksten Trieben des Menschen, dem Arterhaltungs- und Vermehrungstrieb. Äonenbrechende Veränderung geht aus dieser Karte hervor, und sie initiiert im Menschen starke dekonditionierende Energien. Dies hat zur Folge, daß sie das Leben eruptiv verändern und gleichfalls bereichern kann. Atu XI ist das Aufsteigen archaischer Emotionen wie Wut, Lust, Antrieb und befähigt uns, weit über das normative Maß hinauszuwachsen und Übermenschliches zu leisten. Auch zeigt sie das Ergebnis des leidenschaftlichen sexuellen Aktes, nämlich die beginnende Schwangerschaft, das größte und geheimnisvollste Ereignis, das wir zu bewirken in der Lage sind. |
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Interpretation der Karte Auf dem Pfad Nr. 19 am Baum des Lebens, der von Chesed (Sephira 4 - Gnade) nach Geburah (Sephira 5 - Stärke) führt, liegt Atu XI-LUST (früher: "Kraft"), der mittlere der drei reziproken (ausgleichenden) Pfade. Hier findet ein Ausgleich zwischen begrenzenden und befreienden Kräften statt, von daher ist das Wirkungsspektrum der Karte stark polarisierend. Im Buch Thoth lesen wir auf der Seite 253 dazu folgende Anweisung, die stark an Vers II/78 des Liber Legis erinnert: "Besänftige Energie mit Liebe; doch laß die Liebe alle Dinge verzehren. Verehre den Namen - viereckig, mystisch, voll Wunder, und den Namen Seines Hauses 418." Wir sehen auf der Karte ein wildes, löwenartiges Tier mit 7 Köpfen, das von einer offensichtlich ekstatischen Frau geritten wird, welche die Zügel fest in der Hand hält. Ihre Haare sind wallend, ebenso wie die Mähne des mächtigen Löwen. Den Hintergrund der Karte bildet der Uterus, die Gebärmutterwand, an der einige Eizellen angebracht sind als Symbol der Fruchtbarkeit. Der Schwanz des Tieres nimmt die Form der Löwenschlange an, einerseits eine Verbildlichung des zugehörigen Zodiakzeichens (Löwe) und des zugehörigen hebräischen Buchstabens (Teth), andererseits ein mystisches Symbol der männlichen Samenzelle. Im oberen Bereich der Karte sind zehn Schlangen abgebildet, ein Hinweis auf den hebräischen Buchstaben Iod (Zahlwert=10), der seiner Form nach ein Spermatozoon bedeutet. Wir sehen hier auch deutlich gemacht das Verhältnis, in welchem das abgegebene Sperma zum für die Zeugung notwendigen Maß steht. Hier zeigt sich die Natur in ihrer bisweilen verschwenderischen Art, in der von Legionen Spermien letztlich nur ein einziges zum Zuge kommt und damit erfolgreich ist, während alle anderen vergehen. Der in Atu X-Glück angedeutete sexuelle Akt findet hier seine höchste Form der Erfüllung, nämlich die erfolgreiche Zeugung eines Kindes.
Im unteren Drittel der Karte sehen wir flehende, betende Hände, und die Jammergesichter von Toten, Überwundenen, über welche das wilde Tier mit mächtigen Löwenpranken in seiner Raserei hinwegtrampelt, ohne sich ihrer zu erbarmen. Dies erinnert an den Vers II/21 des Liber Legis: "Wir haben nichts zu tun mit den Ausgestoßenen und den Untauglichen: laßt sie in ihrem Trübsal sterben. Denn sie fühlen nicht. Mitleid ist das Laster der Könige: trampelt nieder die Erbärmlichen und Schwachen: dies ist das Gesetz der Starken: dies ist unser Gesetz und die Freude der Welt." In der Legung verweist Crowley anregend auf folgende Eigenschaften (Buch Thoth, S. 253): "Tapferkeit, Stärke, Energie und Tun, une grand passion, Zuflucht zur Magick, die Verwendung magischer Macht". Nach Ansicht der Autoren eine starke Untertreibung bzw. betont exoterische Auslegung, welche die Theorie unterstreicht, daß Crowley nicht gewillt war, die tiefgehenden Inhalte dieses Atu einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Ego-Bezug finden wir als Person einen sehr sinnlichen, den menschlichen Bedürfnissen aufgeschlossenen Menschen, der seine sexuelle Kraft voll entfaltet bzw. die Bereitschaft dazu zeigt. Als Ereignis ist Atu XI bedeutend, zeigt der Trumpf doch -ähnlich wie Atu VI- auf die Begegnung dualer Polaritäten im Akt der Vereinigung. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört. Zum Teil als unvereinbare Gegensätze gesehene Zustände beginnen, sich einander zu nähern, aus Abstoßung wird Anziehung, die sich nicht rationell steuern läßt. Die Begierde berührt uns in den tiefsten Ebenen unseres Bewußtseins. Die Vollendung dieser Begebenheit finden wir dann letztlich in Atu XIV-Kunst. Besonders die Begegnung von Animus und Anima wird häufig durch diese Karte angezeigt, ein Vorgang, der ein bislang eher konservatives Leben gewaltig erschüttern kann. "Zwei Seelen wohnen, ach ! in meiner Brust." In der Partnerschaft finden wir hier eine förmlich animalische Anziehungskraft zwischen zwei Partnern, die wahrlich füreinander geschaffen sind. Diese Karte kann eine inkarnationsübergreifende Beziehung andeuten, welche in der Zeit weit zurückreicht und großes Zukunftspotetialin sich birgt. Gleichwohl kommt es hier zu enormen Spannungen zwischen den Partnern, die es zu überwinden gilt. Die Lösung liegt oft darin, unabhängig vom körperlichen Geschlecht dem überwiegend weiblichen Teil der Beziehung die Führung zu überlassen. Auf einer anderen Ebene zeigt Atu XI an, daß der Fragende sich seiner magischen Kräfte bewußt ist, und diese auch mit Liebe unter Willen anzuwenden bereit ist. Auch Techniken der Sexualmagick werden durch die Lust angezeigt, dies kann den Fragenden -je nach Fragestellung- aktiv oder passiv betreffen. Gesundheitlich weist die Karte zunächst nicht auf Probleme. Im entsprechenden Zusammenhang kann sie jedoch in der Legung auf Herzprobleme hinweisen, die sogar psychosomatischen Ursprungs aufgrund unerfüllter Sexualität bzw. Liebe sein können ("gebrochenes Herz"). Erwachsene Frauen mittleren Alters sollten bei dieser Karte auf Anzeichen für Brustkrebs achten. In günstiger Aspektierung kommt es hier zu enormen Heilerfolgen bei bestehenden Krankheitsbildern, sog. Spontanheilungen sind unter dem Einfluß von Atu XI möglich, auch kann die Karte auf den Heilungsweg durch eine erfüllte Sexualität hinweisen. Finanzen: Eine hervorragende Karte für die Initiierung neuer Projekte. Fällt dieser Trumpf im Zusammenhang mit einer Legung bzgl. finanzieller Fragestellung, so weist sie auf Zuwachs in Verbindung mit der eigenen Aktivität des Fragenden hin. Hier ist die Aufgabe, den Vortrieb, welcher finanziellen Erfolg ermöglicht, zu bändigen und ihn wie ein wildes Tier zu "dressieren", heißt, die Kraft in eine geordnete Bahn zur Materialisierung zu zwingen. Gelingt dies und wird der Fragende Herr der Kräfte, so steht ihm enormer Zuwachs und Ertrag ins Haus. Auch zeigt Atu XI dem versierten Kenner Wege, durch angewandte Magick seine pekuniäre Situation zu verbessern. Alles in Allem sei zu Atu XI gesagt, daß diese Karte ihrer Herkunft mit dem Namen Kraft alle Ehre macht, jedoch weit über den historischen Sinngehalt hinausgeht, indem sie die Kraft mit der Lust an der Ausübung der Kraft verbindet. "Das sündige Wort lautet Einschränkung. O Mann! Verweigere dich nicht deinem Weibe, wenn sie will! O Liebender, wenn du es willst, trenne dich! Da ist keine Bindung, die die Geteilten einen könnte außer der Liebe: alles andere ist ein Fluch. Auf diesen Satz aus dem Liber Legis werden wir im Folgenden noch näher eingehen, da er die gesamte sog. sexuelle Revolution vorwegnimmt. In diesem Sinne sind Liber Legis und Thoth Tarot Wegbereiter für eine neue Form des Verständnisses von Liebe, Sexualität und Bindung. Hier wird deutlich, daß die Frau im neuen Äon längst nicht mehr bloß die Orgasmusassistentin des Mannes ist, sondern daß die Rollen sich verschieben, zum Teil sogar umkehren. Die befriedigte Frau ist im Äon des Horus das Ziel des Liebesaktes. |
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![]() Die Löwenschlange erzeugt Götter! Dein Thron das zügellose Tier, unsere Herrin BABALON! |
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Pfad: 19
Götterbilder: Horus, Ra-Hoor-Khuit, Pasht, Sekhet, Mau, Demeter, Vishnu, Venus, Typhon Eigenschaften: x Körperbezug: Die Brust, das Herz |
Gematrisch korrespondente Begriffe: 9: Vertriloquus: das spezielle "Feuer" der schwarzen Magie, Geist eines heraufbeschworenen Verstorbenen, Kunst der Beschwörung, Wasserschlauch, Beschwörer, heulendes Tier, Verwandter, Stammesgenosse, Freund, Decke, Gewand, Untreue, Abfall, treulos, abtrünnig, mißhandeln, gottlos, Oberkleid, Kommen lassen, das Geweissagte verwirklichen, hineingehen, hineinführen, untergehen, sterben, sich erheben, erhaben, Hochmut, wachsen, Rücken, Freudengeschrei 419: Schlange, Sodom und Gomorrha Pfad des Sepher Yetzirah: "Intelligenz aller Aktivitäten aller geistigen Wesen " Die Karte vermittelt die Macht, wilde Tiere zu dressieren. |
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Wir treffen hier auf das Symbol der Hure (mystische Zahl: 667), die das Tier (mystische Zahl: 666) reitet. Sie zerstören die Traditionen, zermalmen die Moral, und sind eine einzige Blasphemie gegen Gott. Darüber ist im Liber 418, 25.Aethyr -VTI- [1] folgendes zu lesen: "Nun kommt da ein Engel mit leuchtenden Flügeln herbei, der der Engel des 25.Aethyrs ist. Und der ganze Schleier ist ein dunkles Oliv gleich einem Alexandrit um ihn. Er trägt einen Krug[a] oder eine Amphore[b]. Und nun kommt da ein weiterer Engel auf einem weißen Pferd [c], und noch ein Engel auf einem schwarzen Stier [d]. Und nun erscheint da ein Löwe[e] und verschlingt die letzteren beiden. Der erste Engel geht hin zu dem Löwen und verschließt dessen Maul[f]. [...] Ich bin er [Anm.: der Löwe], der Tod[g] und Sieg[h] verschlingt. Ich habe die gekrönte Ziege[i] erschlagen und das große Meer ausgetrunken[j]. Wie die Asche getrockneter Blätter werden die Welten vor mir hergeweht. Du bist an mir vorübergegangen, doch erkannt hast Du mich nicht. Wehe dir, daß ich dich nicht ganz und gar verschlungen habe! Auf meinem Haupt befindet sich die Krone mit 419 Strahlen[k], die weit sich erstrecken. Und mein Leib ist der Leib einer Schlange[l], und meine Seele ist die Seele des gekrönten Kindes[m]. Auch wenn ein Engel in weißen Roben mich führt[n],wer wird auf mir reiten außer der Frau der Greuel[o]? Wer ist das Tier? Bin ich nicht eins mehr als er[p]? In seiner Hand befindet sich ein Schwert, das ein Buch ist[q]. In seiner Hand liegt ein Speer, der ein Kelch der Unzucht ist. Auf seinen Mund gesetzt ist das große und schreckliche Siegel[r]. Und er besitzt das Geheimnis des V. Seine zehn Hörner entspringen von fünf Punkten[s], und seine acht Köpfe[t] sind wie der Wagenlenker des Westens[u]. So erhitzt das Feuer der Sonne den Speer von Mars[v], und so soll er verehrt werden wie der Kriegsherr der Sonne[w]. Und doch befindet sich in ihm die Frau, die mit ihrem Wasser das gesamte Feuer Gottes verschlingt. [...] Wann wird der Tag kommen, an dem die Menschen sich vor meinem Tore zusammenscharen und in meine hitzige Kehle, einen Strudel aus euer, stürzen werden? Dies ist eine Hölle, die nicht gelöscht werden kann, und sie alle sollen darin ganz und gar verzehrt werden" Diese Beschreibungen von Crowleys Visionen weisen auf den archaischen Charakter des 666/667-Symbolismus hin und zeigen auf, welche magische Macht in der Vereinigung von TIER und SCHARLACHWEIB verborgen liegt.
Auch in dieser Karte finden wir erneut Tiphareth im Schoß der Hauptperson wieder, und ihren Fuß in Yesod. Das Tier tritt in Malkuth hinein. Die Sephiroth Chockmah, Binah, Chesed und Geburah berühren Köpfe. Binah und Geburah auf der Säule der Strenge die des Tieres, während Chockmah den Kopf der Löwenschlange, Chesed den Kopf der Frau und beide jeweils eine Eizelle berühren. Netzach und Hod liegen auf der Brust und dem Hinterteil des stolzen Tieres, ähnlich wie beim niedergeworfenen Stier in Atu V- Der Hierophant. Der Löwe als Cherub des Horus Äons erhebt sich hier symbolisch gegenüber dem Stier als Cherub des vergehenden Äons. Die Zügel, welche die Frau hält, weisen auf Pfad 17 (Zain, Atu VI-Die Liebenden). Der Blick des Scharlachweibes scheint sehnsüchtig in Richtung des Kopfes der Löwenschlange zu gehen. 2) Freiheit und Liebe: Die Karte XI-Lust appelliert an die absolut freie Liebe. Erstaunlich ist: Gerade Crowley, dem man -ohne ihm übel nachzureden- ein äußerst gestörtes Verhältnis zu Frauen nachsagen kann, läßt sich im Liber Alef zu einer flammenden Rede für die freie Liebe hinreißen. Man mag von Crowleys diesbezüglicher Kompetenz halten, was man mag, aber der Text ist für die damalige Zeit durchaus revolutionär. Er schreibt im 34.Kapitel -DE LIBERTATE CORPORIS- "Es darf keinen Besitz an menschlichem Fleisch geben. Jeder Mann und jede Frau hat das unverletzliche Recht, den Körper einem anderen zur Freude zu geben. Das Inanspruchnehmen dieses Rechtes darf weder vom Gesetz noch durch die herrschenden Sitten bestraft werden; es darf keinerlei Bestrafung durch eine Beschneidung der Freiheit, der Rechte, des Wohlstandes oder der sozialen Anerkennung geben; sondern diese Freiheit muß von allen respektiert werden, denn es handelt sich ja um das Recht des körperlichen Willens. Aus eben diesem Grund sollst Du die vollkommene Einschränkung und Bestrafung all jener bewirken, die versuchen könnten, diese Freiheit um ihres eigenen Profites, ihrer Sehnsucht oder ihres Ideals willen zu begrenzen. Jeder Mann und jede Frau hat das absolute Recht, den Körper zu geben oder zu verweigern, je nachdem, wie sich der Wille innen äußert. Ist dies zur Sitte geworden, werden die Übel der Liebe, von denen es viele gibt, die nicht nur störend auf den Körper übergreifen, sondern auch auf das Gemüt, nach und nach von dem Antlitz Seiner Herrlichkeit verschwinden." - Oswald Kolle würde sich freuen darüber... Im Kern trifft dieser Text schon das Wesentliche in der neuäonischen Verbindung zwischen weiblichem und männlichem Prinzip der Libido. Dabei spielt das tatsächliche fleischliche Geschlecht keine Rolle. Die Freiheit der Liebe, eben durch nichts anderes als durch Liebe gebunden zu sein und auf deren Schwingen die Feuer der Hölle zu durchfliegen, ist gültig für Männer, Frauen, Zwitter, Transsexuelle, Heteros, Homos, Bi- und Asexuelle! Da soll kein Unterschied sein! Nur in auf absolutem Vertrauen basierenden Beziehungen kann sich die volle Kraft des Tieres und der Scharlachroten entfalten, so wie es Atu XI-Lust bildhaft darstellt. "Ihr werdet diese Stunde erleben, o gesegnetes Tier 3) Animus & Anima - Tier & Scharlachrote: Wie bereits in Atu VI-Die Liebenden verbildlicht, ist der Mensch ein duales Wesen, dessen beide Seelenteile hier aufeinandertreffen. Einer dieser Teile ist männlich, er wird ANIMUS (bildlich: das Tier) genannt, der andere ist weiblich und wird als ANIMA (bildlich: die Scharlachfrau) bezeichnet. Diese beiden Teile existieren in jedem von uns, nur wird uns durch gesellschaftliche Rollenprägung diktiert, jeweils einen dieser Teile zu unterdrücken bzw. zu ignorieren. Dies jedoch entspricht nicht der wahren Natur des Menschen, dessen höheres Selbst eben hermaphroditischer Natur ist. Das durch die Konditionierung auf eine Rolle (entweder männlich oder weiblich) gedrillte Bewußtsein erinnert sich gelegentlich seiner eigentlichen Beschaffenheit, woraus sich dann tiefgehende Identitätskonflikte entwickeln können, wenn der Verdrängungsmechanismus, den man uns gelehrt hat, anspringt. Da werden dann Ersatz- und Ablenkungshandlungen initiiert, welche z.T. skurrile Formen annehmen können. Als Beispiel für solche Konflikte können z.B. extreme Rollenspiele in der BDSM-Szene (kurz für: Bondage/Discipline/Sadism/Masochism) angesehen werden, die nicht selten als Ergebnisse der unbewußten Verdrängung auftreten. Es sei hier angemerkt, daß die Autoren nicht die Spielarten des BDSM per se als Verdrängungskompensation ansehen, sondern daß dies lediglich in bestimmten, individuellen Fällen als Ursache eruiert werden konnte. Letztlich gilt auch hier der Vers I/51 des Liber Legis: "Nicht zuletzt auch, genießt ihr die Erfüllung und den Willen zur Liebe wie ihr wollt, Um nun einer solchen Problematik zu entgehen, ist es zunächst wichtig, die Natur der Dualität in uns zu erkennen und zu akzeptieren. Denn der erste Schritt, einer Falle zu entgehen, ist, zu wissen, daß es sie gibt. Wir müssen uns bewußt machen, daß wir sowohl männlich als auch weiblich veranlagt sind in unserer Seele. Unsere karmische Aufgabe ist es u.a., diese beiden Seelenteile harmonisch miteinander zu vereinen, um zu einem ganzheitlichen Wesen zu erwachsen. Animus und Anima müssen von uns vollständig in der Kontemplation und Meditation erkannt und angenommen werden, so daß wir uns von der Beschränkung des "entweder-oder" zur grenzenlosen Freiheit des "sowohl-als auch" erheben können, um in Liebe unter Willen unser vollständiges Wesen zu entfalten. Diese Vereinigung wird in Atu VI eröffnet, in Atu XI auf der Ebene der Triebe dargestellt und findet in Atu XIV ihre Vollendung auf rationeller Ebene. Nur der vollständige und sich seiner Teile bewußte Mensch wird in den Künsten der Magick erfolgreich sein. 4) Sex & Magick: Über die Zusammenhänge von Sexualität und Magie -oder Magick, wie Crowley diese Kunst nannte- wurde und wird viel spekuliert. Dem Einen ist es hohe Kunst, dem anderen Ausdruck verwerflichster schwarzer Magie. Wie man im Niederdeutschen auch sagt: "Wat den Een sien Uhl, is den Anner sien Nachtigall" Natürlich wird man dem ablehnenden Betrachter die Zusammenhänge dieser magischen Kunst nicht nahebringen, das soll an dieser Stelle auch gar nicht erst versucht werden. Die Negierung der Macht, die in der magisch ausgeübten Sexualität verborgen liegt, sei jedem Leser unbenommen. Für die ernsthaft Strebenden, die Adepten und Forscher werden wir hier kurz auf die Sexualmagie eingehen, ohne jedoch die Geheimnisse derselben zu profanisieren. Unter dem Begriff Sexualmagie oder Sexualmagick versteht man gemeinhin das Bewirken magischer Effekte unter Zuhilfenahme sexueller Techniken wie Masturbation und Koitus. Es gibt auch andere Techniken und Rituale, die Libido zu stimulieren. Das "wie" soll hier auch nicht maßgebliches Thema sein, sondern lediglich das "was" und "wozu". Ziel der sexualmagischen Operation ist es, die Libido des Menschen auf ein Höchstmaß zu stimulieren, was im Körper zu gewaltigen hormonellen Schüben führt, welche wiederum geeignet sind, die sog. Kundalini-Kraft zu erwecken, die in der Magie als eine im Steiß zusammengerollte Schlange angesehen wird, die sich durch Sexualmagie in der Wirbelsäule aufrichtet, die Lebenskraft aus dem Muskelpanzer des Körpers zusamenzieht, in sich aufnimmt und dadurch das Individuum zu magischer Tätigkeit befähigt. Die über das Rückgrat in den Kopf aufsteigende Kundalini wird oft als Hitzewallung empfunden, und wird nicht selten von eigenartigen nervösen Zuckungen begleitet. Die Freisetzung dieser Kräfte und deren sinnvolle magische Anwendung bedarf einiger Übung und sollte nicht ohne sachkundige Begleitung nur anhand von zweifelhafter Literatur ausprobiert werden. Versierte Magier verstehen es, Teile dieser Kraft in die verschiedenen spezifischen Sexualsekrete (Menstrum, Vaginalsekret, Sperma, Orgasmusschweiß u.a.) zu transferieren, und verstehen es, mittels ritueller Verwendung daraus potenzierte Kraftliquide zu erschaffen. Hier spricht man von der Sexualalchemie. Diese Form der magischen Praktik gehört in okkulten Logen und Vereinigungen meist zu den bestgehüteten Lehrinhalten, welche gewöhnlich den höchsten Wissensgraden vorbehalten bleiben, aus gutem Grund. "Bei all meinen Treffen mit euch soll die Priesterin sprechen - und ihre Augen sollen brennen vor Verlangen wenn sie nackt und und sich erfreuend in meinem geheimen Tempel steht - Zu mir! Zu mir! die Flamme in den Herzen aller durch ihren Liebes-Gesang anrufend." 5) BABALON: In Atu XI begegnet uns NUIT, die Göttin des Himmels und Herrin der Sterne, in ihrer neuäonischen Form als BABALON, deren Inkarnation als SCHARLACHWEIB [3] bezeichnet wird.
"Laß das Scharlachweib sich hüten! Wenn Mitleid und Anteilnahme und Zartheit ihr Herz heimsuchen, wenn sie meine Arbeit vernachlässigt um mit den alten Süßen zu spielen, dann soll ihr meine Rache bewußt werden. Ich werde mir ihr Kind erschlagen: ich werde ihr Herz entfremden: ich werde sie aus der Menschheit ausschließen: als eine verwachsene, verachtete Hure wird sie durch dämmrige nasse Straßen kriechen, und an Kälte und Hunger sterben. Doch laß sie sich selbst in Stolz erheben. Laß sie mir folgen auf meinem Weg. Laß sie das Werk der Gottlosigkeit wirken! Laß sie ihr Herz töten! Laß sie laut und ehebrecherisch sein; laß sie bedeckt sein mit Juwelen und reichen Gewändern und laß sie schamlos sein vor allen Männern! Dann werde ich sie zu den Gipfeln der Macht erheben: dann werde ich von ihr ein Kind zeugen, mächtiger als alle Könige der Erde. Ich werde sie mit Freude erfüllen: mit meiner Kraft wird sie sehen + auf die Anbetung Nuits stoßen: sie wird Hadit erlangen." 6) Der Löwe: Dem Löwenbild mißt Crowley in mehrfacher Hinsicht besondere Bedeutung bei. Der feste "siderische" Tierkreis wird vom Stern Regulus aus gemessen, auf den 0° Löwe festgelegt wird. [2] So ist der Löwe als Krafttier des heraufdämmernden Äons in doppelter Hinsicht für die Bedeutung der Karte wichtig. Horus wird als "Der Herr der Löwen" bezeichnet. Im Liber Aleph -DE LEONE- schreibt Crowley an seinen magischen Sohn: "Vom Löwen, o mein Sohn, sei gesagt, daß er der Mut Deiner Mannbarkeit ist, indem er auf alle Dinge springt und sie als Deine Beute fallenläßt. Sein Buchstabe ist Teth, der eine Schlange impliziert, und seine Zahl ist Neun, der Aub [4] angehört, das geheime Feuer von Obeah. Neun ist auch Yesod, Wechsel mit Stabilität vereinend. Aber im Buch Thoth ist er der Atu namens Stärke, oder besser Lust, deren Zahl ELF ist, wie auch die von Aud [5] dem odischen Licht der Magick. Und darauf ist der Löwe abgebildet, DAS TIER elbst, und unsere Herrin BABALON rittlings auf ihm, so daß sie ihn mit ihren Schenkeln würgen kann. Hier merke wohl, wie sehr diese unsere symbole miteinander verwandt sind und das eine in das andere überfließt, weil jede Seele in angemessenem Grad am Mysterium der Heiligkeit teilhat und mit ihren Gefährten blutsverwandt ist." |
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Anmerkungen [1] Die Anmerkungen aus den Kommentaren zum 25.Aethyr im Liber 418 sind hier alphabetisch untersortiert. Crowley scheint bei der Schau des Aethyrs stark bewegt gewesen zu sein, und seine umfangreiche Kommentierung zeigt, daß er diese Symbolik sehr ernst nahm. Die neue Tarotzuordnung ist hier bereits ersichtlich, die Karte wird auch schon "Lust" genannt, obschon sie gelegentlich mit unterschiedlichen Titeln geführt wird. So ist sie im Liber 777 in der Grafik vom Lebensbaum (Edition Peyn & Schulze, Bergen 1989, S.99) mit "Lust" benannt, im Buch Thoth (Urania 1983/2001, jeweils S.261) jedoch mit "Strength" (Kraft). [2] Im Liber Aleph -ALTERA DE LEONE- schreibt Crowley bzgl. des Löwe/BABALON-Mythos:
[4] Aub = A-V-B = 1-6-2 = 9 [5] Aud = A-V-D = 1-6-4 = 11 |



Die rechte Hand der Frau berührt im oberen Kartendrittel die Ausbuchtung der Gebärmutterwand (von Crowley in Buch Thoth als Der Heilige Gral bezeichnet), welche im Zeugungsakt durch die männliche Samenflüssigkeit "aufgeweicht" wird und es der befruchteten Eizelle (Zygote) ermöglicht, sich einzunisten und eine Kapsel zu bilden, aus welcher sich dann der Fötus und die Plazenta entwickeln. Dies ist der definitive Beginn der Schwangerschaft, die Entstehung neuen Lebens, die Einleitung ein neues Zyklus des Werden und Vergehen. Kein Akt der Magie ist diesem Ereignis in Kraft und Erhabenheit ebenbürtig. In Atu XI- Lust finden wir damit eine der unzweifelhaftesten Aussagen des gesamten Decks, welche sich nicht nur auf spirituelle, sondern auch auf essentiell-materielle Ereignisse bezieht. Wir sehen hierin eine echte Neuerung, welche Crowley und Harris aus der Symbolfülle der bis dato bekannten Tarotzuordnungen erarbeitet haben.
Zahl: 9, 419
Buchstabe: TeTh (T, TITh)
1) Der Lebensbaum: An Kether sehen wir hier das erhabenste und heiligste magische Ereignis, den Übergang von der Möglichkeit zur konkreten Schöpfung.Aus diesem Kern der Schöpfung, dem Urknall des Lebens gehen die 10 Sephiroth, hier dargestellt als Follikel, hervor, und in zehn Strahlen verströmt hier das Licht, hervorgegangen aus dem Nichts. Auf dem Pfad Gimel, der, von Kether nach Tiphareth herabreichend den Pfad Teth kreuzt, den "Geburtsweg" der Meister des Tempels darstellt, liegt die Eizelle in ihrer Kammer, auf der Kreuzung mit dem Pfad Daleth.
Der Terminus des in Atu XI-Lust dargestellten Scharlachweibes wird im Liber Legis, besonders im dritten Kapitel -Ra Hoor Khuit- deutlich herausgestellt. Ihre Aufgabe ist es, als Priesterin das magische Schwert zu führen. Entgegen den altäonischen Ritualen, wo die Priesterin dem Magus als "Mittel zum Zweck" diente, steht sie hier im Mittelpunkt der magischen Operation, und sie ist der Avatar von BABALON, die das TIER reitet (Dies ist die magische Bedutung der Symbolik des Atu XI). Ihr Priesterinnenamt ist hier also nicht passiver Natur, sondern sie greift mit ihren Machtmitteln direkt und aktiv in den magischen Prozeß ein. Vergleiche hierzu auch Atu VIII-Ausgleichung. Das Scharlachweib wird im Liber Legis jedoch gemahnt, ihre selbstgewählte Aufgabe nicht zu vernachlässigen, nicht zu den alten Verhaltensmustern zurückzukehren. 'Ganz oder gar nicht' lautet die Devise:
[3] Möglicherweise wurde Crowley zur Darstellung des ATU XI von einem Bild des englischen Mystikers und Malers WILLIAM BLAKE (1757-1827) inspiriert, das den Titel THE WHORE BABYLON trägt. (siehe Abb. rechts)
