Tarot & Kabbalah
Thoth Tarot
Thoth Tarot und der Baum des Lebens
Thoth Tarot und der Baum des Lebens
Die spirituelle Reise des Narren
|
(Anmerkungen [x] finden sich am Ende des Textes in den Fußnoten)
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Der Lebensbaum als Schlüssel zum Tarot "Und der Engel sagt: Siehe, Er hat seine Gnade und Seine Macht errichtet, und zu Seiner Macht kommt Sieg hinzu, und zu Seiner Gnade ist Glanz hinzugefügt. Und all diese Dinge hat er in Schönheit geordnet, und Er hat sie fest auf den Fels der Ewigkeit gesetzt, und daran hat Er sein Königgreich als eine Perle gehängt, die in ein Schmuckstück aus dreimal zwanzig und zwölf Perlen eingefügt ist. Und Er hat die vier heiligen Lebewesen als Wächter eingesetzt, und Er hat Sein Siegel der rechtschaffenheit eingraviert, und Er hat es mit dem Feuer Seines Engels poliert, und die Röte Seiner Lieblichkeit macht es offenbar, und mit Freude und Verschmitztheit hat Er es fröhlichen Herzens gemacht, und der Kern davon ist das Geheimnis Seines Wesens, und darin ist Sein Name Zeugung. Und Seine Stabilität hat die Zahl 80, denn der Preis dafür ist Krieg."[0]
Dieser Baum ist eine universelle Glyphe, die auf 7 Ebenen das Dezimalsystem abbildet und der Entwicklung des Thoth Tarot Decks als Schema zugrundelag. Die Kugeln des Bildes symbolisieren die Zahlen (hebr.: "Sephiroth", Einzahl: "Sephira") von 1 - 10 [1] und ordnen ihnen bestimmte Eigenschaften und Verhältnisse zueinander bei (sog. "Korrespondenzen"). Die Sephiroth sind zusätzlich durch eine Reihe von "Kanälen" verbunden (22 sog. "Pfade") [1], denen ebenfalls bestimmte Eigenschaften beigeordnet sind. Die Pfade transformieren durch ihre Eigenschaften die Informationen der Sephiroth, welche sie jeweils verbinden. Der Lebensbaum kann durchaus als "willkürliche Anordnung" bezeichnet werden, doch die über 2000jährige Anwendung und stete Verbesserung dieses Systems macht es mittlerweile zu einem funktionierenden Modell, das zurecht den Titel "Minutum Mundum" (kleine Welt) trägt. In Anlehnung an die Genesis-Verse der Bibel wird der Lebensbaum auch als "Himmelsleiter" bezeichnet. [...] ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. [...] Dieses System der Informationskatalogisierung und -bewertung ist Teil einer uralten traditionellen Lehre, der Kabbalah (hebr.: QBLH), was soviel bedeutet wie "vom Mund zum Ohr" und auf die antike Verbreitungsart der Lehre hindeutet. Die Zahlen oder Sephiroth ergeben sich aus der natürlichen Abfolge der Ereignisse, was A. Crowley im Liber 777 in der sog. "Neapel-Anordnung" verdeutlichte:
Der Lebensbaum wird vertikal in vier Welten unterteilt, von denen drei jeweils 3 aus sog. "Triaden" gebildet werden. Die erste Welt, Atziluth, ist die Welt der Archetypen und wird auch die "Erste Triade" genannt (1,2,3). Die Zweite Welt, Briah, ist die schöpferische Welt und beherbergt die "Zweite Triade" (4,5,6). Die "Dritte Triade" (7,8,9) liegt in Yetzirah, der formgebenden Welt. Die Vierte Welt jedoch, Assiah, die materielle Welt, ist eine einzige Sephirah (10). Zwischen der ersten und der zweiten Welt liegt der sog. "Abyssos", eine Bewußtseinsgrenze, die schon weit jenseits der allgemeinen Erkenntnisfähigkeit des Menschen liegt und nur im intensiven Studium der alten Wege erfahren werden kann. Das geistige "Durchwandern" dieser vier Welten auf den Pfaden des Lebensbaumes ist der Weg des Narren durch das Universum. Liber 333, Kapitel 0: Die Triade vor der Ersten, welche ist NICHT-GOTT. Die erste Triade, welche GOTT ist. Der Abyss Die zweite Triade, welche GOTT ist. Die dritte Triade Die zehnte Emanation Die Triade vor der ersten sind die sog. "drei Schleier der Negativen Existenz", die vor dem Erscheinen von Kether das Nichts zu potentieller Schöpfung verdichten. Kether, der erste Punkt der ersten Triade, ist dann die Initialzündung des Schöpfungsaktes. Bis zum Erreichen des Abyssos dann kommt es noch nicht zur Erschaffung/Verdichtung von Materie. Dieser Vorgang beginnt erst in der zweiten Triade mit Chesed und endet letztlich in Sephirah 10 (Malkuth). So entspringen die 10 Zahlen nacheinander und auseinander und bilden dadurch die Struktur des Lebensbaumes, der wir die verfügbaren mystischen und gnostischen Informationen zuordnen..
Zum tieferen Verständnis der Inhalte des Toth Tarot Decks sei dem Leser ans Herz gelegt, kabbalistische Schriften [2] zu studieren und die erhältliche Sekundärliteratur zu bemühen. Es ist wichtig, sich einen Einblick in die Gedankenwelt von Aleister Crowley zu verschaffen, um seine Intention und seine Botschaft zu verstehen. Es ist für die magische Arbeit essentiell, zu verstehen, daß der Lebensbaum als universeller Zuordnungskatalog eine erhebliche Bedeutung in der Konstruktion mystischer bzw. okkulter Weltbilder hat. Die fast unendlichen Möglichkeiten der Kombination innerhalb des Lebensbaumes schaffen ein Schema, daß uns hilft, Informationen und Daten in ein logisches Verhältnis zueinder zu setzen und damit ergebnisorientiert zu arbeiten. Der Lebensbaum als kabbalistischer Maßstab entschleiert die okkulten Welten und entmystifiziert letztlich auch das Tarot, was der Sache als unbedingt zuträglich anzusehen ist. Um das Wesen der Korrespondenzen zu veranschaulichen, ist untenstehend eine kleine Liste von Entsprechungen für die Zehn Sephiroth aufgeführt. Daraus wird ersichtlich, wie Korrespondenzen entstanden sind, indem gleichartige Eigenschaften von Strukturen (z.B. Götter, Gerüche, Farben usw.) den Entsprechungen ihrer eigenen Natur nach gruppiert werden (von rechts nach links).
So wie alle Pflanzen, Tiere, Götter, Körperteile, Buchstaben und Zahlen, ja sogar die Trigramme des fernöstlichen I Ging diesem Schlüssel zuzuordnen sind, so lassen sich auch die Karten des Thoth Tarot den Sephiroth und den Pfaden zuordnen. In der Ausdeutung des Thoth Tarot Decks ist es von essentieller Wichtigkeit, zumindest über rudimentäre Kenntnisse der kabbalistischen Korrespondenzen zu verfügen, so man sich interpretativ nicht nur an der Oberfläche bewegen, sondern in den tiefen Erfahrungsschatz des Decks eintauchen will. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Eine Technik, die in der Kabbalah weit verbreitet ist, wird GEMATRIA (hebr. GMTRIA) genannt, diese soll hier zum besseren Verständnis kurz erläutert werden, da sie für das Verständnis der Korrespondenzen unverzichtbar ist. Da die Hebräer nicht über Zahlzeichen verfügten, wurden kurzerhand die Buchstaben des Alphabets mit Zahlwerten versehen. Das macht es möglich, z.B. statt eines Wortes einen Zahlwert anzugeben und umgekehrt. So lassen sich Informationen bequem codieren und sortieren. Das hebräische "Quadratschrift-Alphabeth" verfügt über 22 hieroglyphische Zeichen, die ausnahmlos Konsonanten abbilden (Auch A, I, O, U sind Konsonanten). Ferner existieren von einigen Buchstaben sog. "End-Formen", die -wie der Name sagt- am Ende eines Wortes stehen. Diesen werden andere Zahlwerte zugeordnet, als denselben Buchstaben am Wortanfang oder im Wort. Die Regeln hierfür sind vergleichsweise simpel. Hebräische Schrift wird -anders als lateinische- von rechts nach links gelesen. In der untenstehenden Tabelle sind die hebräischen Buchstaben mit ihren zugehörigen Zahlwerten aufgeführt. Es sei darauf hingewiesen, daß in der Transskription von nicht-hebräischen Worten auch die Aussprache eines Buchstabens für die Zuordnung ausschlaggebend sein kann. So wird z.B. der Buchstabe "C" in Worten wie "Abracadabra" (siehe Atu VII-Der Wagen) als Kaf (20) gewertet, hingegen in "Cäsar" als Tzaddi (90). Fixe Regeln hierfür existieren allerdings nur rudimentär, so daß gematrische Betrachtungen stets nur als eine mögliche Interpretation angesehen werden sollten.
So kann man statt des hebräischen Wortes AHBH (Liebe) auch 13 schreiben. Ebenso gilt dies für das Wort AChD (Einheit). Große Teile der kabbalistischen Strukturen fußen auf der Annahme, daß Zeichen und Worte, die denselben Zahlwert innehaben, auch in ihrer Bedeutung Gemeinsamkeiten aufweisen, sog. "Synchronizitäten" (Ähnlichkeiten) oder "Korrespondenzen" (Entsprechungen). Zwar sind die Synchronizitäten und Korrespondenzen nicht immer so offensichtlich, wie bei den Worten Liebe(AHBH=13) und Einheit(AChD=13), jedoch gibt es eine erstaunlich große Anzahl solcher Verhältnismäßigkeiten in den kabbalistischen Texten. Aus einer Auflistung dieser Zahlwerte ergab sich eine numerologischer Zuordnungskatalog, das SEPHER SEPHIROTH ("Buch der Zahlen"), das von Crowley begonnen und in den Achtzigern von M.D. Eschner und den Mitarbeitern des Verlags Peyn & Schulze in Bergen/D. erweitert wurde. Dieses Standardwerk der Gematria sei hier jedem ernsthaft Studierenden dringend ans Herz gelegt, zumal es mit den Tafeln der Korrespondenzen aus dem Liber 777 ein tiefes Studium des Thoth Tarot und seiner weitgehenden Korrespondenzen ermöglicht. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Im 18ten Jahrhundert stellte der französischer Okkultist A. Court de Gebelin die These auf, der Tarot (= franz. Name für das Tarrochi) sei ein Überbleibsel des Buches Thoth, der zur geheimen Wissensweitergabe von einem ägyptischen Gott erschaffen wurde. Im 19ten Jahrundert brachte Eliphas Levi (= Alphonse Louis Constant) den Tarot mit der Kabbala in Zusammenhang. Im gesamten Thoth Tarot Deck sind über 1.200 Einzelsymbole z.T. sehr verschachtelt eingearbeitet und es kostet einige Mühen, diese korrekt zu erfassen. So wurden Tarock und Kabbalah vereint und der Tarot wurde auf den kabbalistischen Lebensbaum projiziert, was dann später von Aleister Crowley präzisiert wurde. In der Tabelle unten sind die Namen der Sephiroth deutsch und hebräisch aufgeführt, sowie die Zuordnungen der Thoth-Tarotkarten und der hebräischen Buchstaben zum Lebensbaum [3].
Es sei an dieser Stelle noch einmal explizit erwähnt, daß die Anordnung der Trümpfe am Baum des Lebens nach Crowley nicht der z.B. in der Rider Waite Interpretation gebräuchlichen entspricht [3] und nur in Teilen der im Golden Dawn gebräuchlichen, so daß sich diesbezügliche Korrespondenz in älteren Werken u.U. nicht verwenden lassen. Siehe z.B. hier, ein Auszug aus G. H. Frater S. R. M. D. (McGregor Mathers): "Bemerkungen zum Tarot" "Verbindet man nun die wesentlichen Zuordnungen der Sephiroth und des Pfades, erhält man folgende Ergebnisse: Wer sich die Arbeit macht, und die Korrespondenzen der Tarot-Symbolik eingehend studiert, wird sich belohnt sehen mit einer Fülle von Interpretationsmöglichkeiten, die eine detaillierte Ausdeutung bis ins letzte Glied ermöglichen. Wenn die Weisheit des Gottes Thoth sich vor dem Studierenden ausbreitet, erlebt dieser das Gefühl tiefen Verständnisses für die mystischen Mechanismen des Kosmos. Das Deck des Thoth Tarot wird somit zum spirituellen Reiseführer durch das Innerste. Crowley schreibt im Liber ALePh (De Arte Kabbalistica): "Mein Sohn, bilde Dich mit äußerster Beständigkeit in der Kunst der heiligen Kabbala. Wisse, daß darin die Beziehungen zwischen den Zahlen, mögen sie auch machtvoll in ihrer Kraft und verschwenderisch im Wissen sein, nur das Geringere sind. Denn das Werk besteht darin, alle anderen Konzeptionen auf jene der Zahl zu reduzieren, denn auf diese Weise wirst Du eine jegliche Struktur Deines Gemütes offenbaren, dessen Herrschaft eher eine Notwendigkeit ist als eine vorgefaßte Meinung. Nicht bis das Universum auf diese Weise nackt vor Dir ausgebreitet ist, kannst Du es wahrhaft zergliedern. Die Neigungen Deines Gemütes liegen viel tiefer als jegliches Denken, denn sie stellen die Bedingungen und die Gesetze des Denkens dar; und diese sind es, die Du zu Nichts machen mußt." |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Anmerkungen: [0] Dieser Text, entnommen aus A.Crowleys Liber 418 (11. Aethyr -IKH-) zeigt sehr gut, wie in kabbalistischen Texten der Lebensbaum mittels Schlüsselwörtern dargestellt wird, also ein Wort-Bild erzeugt wird. Dies war in früheren Zeiten eine durchaus übliche Art der Veranschaulichung. [1] Es gibt noch eine elfte Sephirah (Daath), diese ist jedoch hier nicht erheblich. Sie besitzt in der magischen Arbeit mit dem Lebensbaum eine tiefe Bedeutung. Des weiteren existieren noch 16 "undokumentierte Pfade", auf die wir später noch zu sprechen kommen. Vollständig ist der Baum des Lebens so mit 11 Sephiroth und 38 Pfaden, also insgesamt mit 49 Positionen. In der gebräuchlichen kabbalistischen Literatur wird i.d.R. mit 10 Sephiroth und 22 Pfaden operiert. [2] Hier z.B.: Liber 777 & Sepher Sephiroth, Sepher Yetzirah, Kabbalah Denudata, Grimoire Armadel, Goetia, Greater Key of Solomon the King, Lesser Key of Solomon the King u.a. [3] Die Karten des Thoth Tarot sind dem Lebensbaum anders zugeordnet, als z.B. das Rider Waite Deck. Die Karten IV&XVII sowie VIII&XI sind von Crowley auf den Pfaden jeweils ausgetauscht worden, was die Korrespondenzen erheblich verbesserte. Siehe hierzu die Texte zu den jeweiligen Karten, sowie LIBER 777 - Tafeln der Korrespondenzen. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||


Der BAUM DES LEBENS (AaTz H-ChIIM)
Jeder Sephirah/Zahl und jedem Pfad zwischen ihnen ist somit eine bestimmte Qualität zugesprochen, z.B. Aktivität, Weisheit, Kraft usw., so daß sich alle Konstrukte mittels dieser Qualitäten in ihren Teilen und Gewichtungen beschreiben lassen. Es gibt 33 Hauptkategorien (10+1 Sephiroth & 22 Pfade), aus deren Kombinationen sich ein detailliertes Beziehungsmodell ableitet. Der Baum des Lebens ist damit ein universeller Schlüssel der Weisheit. Er ist kein starres Gebilde, denn durch alle Zeiten hinweg wurde dieser Schlüssel von fähigen Menschen weiterentwickelt und präzisiert. Solche Menschen waren Eliphas Levi, Samuel McGregor Mathers, Aleister Crowley, und viele andere mehr, bis in die heutige Zeit. Neue Planeten wurden im Verlaufe der Jahrhunderte entdeckt, neue chemische Elemente, fast vergessene Kulte; und neue Erkenntnisse der Astrophysik wurden gewonnen, sowie große Fortschritte in der Philosophie gemacht. All diese Erkenntnisse fließen in das Wachstums des Lebensbaumes ein, und mit jeder neuen oder verbesserten Zuordnung wird dieser Schlüssel in seiner Anwendung auf die Geheimnisse der Welt präziser.
Info: Zudem gibt es am Baum des Lebens noch 16 weitere Pfade, die sich aus der Summe der Möglichkeiten, je 2 Sephiroth zu verbinden, abzüglich der 22 bekannten Pfade ergeben. Diese werden die "verdeckten" oder "undokumentierten" Pfade genannt und finden in der kabbalistischen Literatur nur wenig Erwähnung. (Dieser Umstand wird bei der Neuzuordnung der Hofkarten näher betrachtet.) 























