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Thelema
Was ist Thelema?
Zur Behauptung, Thelema sei hierarchisch
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Was ist Thelema?
Zur Behauptung, Thelema sei hierarchisch
Zur Behauptung, Thelema sei hierarchisch
Nein, Thelema ist nicht hierarchisch, schon deshalb nicht, weil nur Strukturen das sein können und keine Konzepte zur individuellen Willensfindung und Selbstverantwortung. Eine Hierarchie ist für ein solches Konzept viel zu eng, weil es zweidimensional und auf denkbar trivialste Weise dual ist, denn eine Hierarchie kann nur vom Anfang bis zum Ende der Nahrungskette denken und keinen Millimeter weiter. Es gibt allerdings in der Tat Gruppen, die sich selbst als thelemitisch betrachten und zugleich hierarchisch organisiert sind - ich sehe darin ein Widerspruch in sich und denke, dass solche Gruppen und ihre Mitglieder Fragen nach ihrer ethischen Verfasstheit gefallen lassen müssen, was sie nach meiner Erfahrung natürlich nicht tun. Aber derartige Gruppen sind - trotz ihrer Selbstdarstellung als thelemitisch - nicht Thelema an und für sich.
Das ethische Konzept individueller Selbstverantwortung ist die Ethik zukünftiger, sozialer Strukturen. Obwohl das gerne als Faktum präsentiert wird, gibt es keine natürliche hierarchische Ordnung und schon gar nicht folgt Thelema einer so gearteten Ordnung, denn in I/3 ist definitiv kein Platz für Hierarchien herkömmlicher Prägung. Hierarchische Ordnungen als natürlich zu deklarieren ist Teil der Legitimationsmuster des Systems, um soziale Hierarchien als quasi naturgegeben erscheinen zu lassen, was durch religiöse Muster und Strukturen untermauert wird. Der Schlüssel zur Beseitigung dieses Dilemmas liegt in Modell von der Holarchie, der sozialen Struktur der Zukunft.
Begründet hat dieses Konzept Arthur Koestler in seinem Werk "Der Mensch, Irrläufer der Evolution" aus dem Jahr 1978, es wurde von Ken Wilber überarbeitet und erweitert. Eine Holarchie ist eine Organisation, die aus selbständigen Subsystemen, den Holonen, besteht. Koestler beschreibt das Holon als das Basiselement holarchischer Strukturen als ein Ganzes, das Teil eines anderen Ganzen ist. In jedem Holon besteht eine inhärente Spannung einerseits zwischen seiner Ganzheit und andererseits seiner Teilhabe am anderen; d.h. zwischen dem Streben nach Individualität und dem Streben zu Konformität in Bezug auf die zugehörige Gesellschaft in Gestalt der Holarchie. Diese Spannung erzeugt immer weitläufigerer Kooperation, weil jede holarchische Schicht sich selbst zu reflektiert und untergeordneten Schichten transzendiert, wobei jedes Holon stets bestrebt ist autonom zu bleiben. Holone haben also einerseits die Tendenz, ihre eigene Autonomie zu erhalten, andererseits leisten sie ihren individuellen Beitrag zur Erhaltung der gesamten Struktur. Durch dieses Wechselspiel zwischen beiden Tendenzen sind Holarchien in der Lage, extrem flexibel auf Umweltveränderungen zu reagieren. Die Koordination zwischen den einzelnen Holonen erfolgt über Selbstregulierungsprozesse, wozu in jedem Holon das organisatorische Wissen des Gesamtsystems gespeichert ist, was im Ergebnis der Holarchie eine holistische, ganzheitliche Perspektive ermöglicht.
Die Bedeutung von Koestlers Idee liegt darin, dass sie erlaubt, aus dem Zweidimensionalen auszubrechen und das Denken in einem dreidimensionalen Erfassen der Evolution ermöglicht, es berücksichtigt nicht nur die zeitliche Entwicklung, sondern auch die der Tiefe und deren Richtung auf eine immer weit ergreifende Kooperation. Der Bezug zum Gesetz Thelema stellt sich folgendermaßen dar: in I/3 manifestiert sich das Ganze, das Teil eines anderen Ganzen ist - ein Stern unter Sternen im Universum. In I/40 bildet sich die Autonomie und das inhärente Streben nach Individualität ab, in I/57 das inhärente Streben nach Konformität, sprich Kooperation als andere Seite der Autonomie. Diese Kooperation ist nicht das korrumpierte oder erzwungene Wohlverhalten in der Hierarchie, sondern Folge der Autonomie des Holons, sprich einer Willensentscheidung. Je mehr Menschen das als Sterne für sich realisieren, desto mehr wächst das holarchische System, in dem sich Menschen als Sterne und Holone in ihre autonomen Bestrebungen nach Individualität und Kooperation begegnen. Das ist zwar stark verkürzt, sollte aber den Grundgedanken hinreichend verdeutlichen.



