Hauptmenü
AHA Zeitschrift
Externe Seiten
Home
Thelema
Was ist Thelema?
Wahrer, unbedingter, motivloser o.ä. Wille?
Thelema
Was ist Thelema?
Wahrer, unbedingter, motivloser o.ä. Wille?
Wahrer, unbedingter, motivloser o.ä. Wille?
In den zahlreichen Debatten über Thelema ist der Wille ein zentrales Thema, wobei zu beobachten ist, dass der Begriff "Wille" mit den verschiedensten Attributen versehen wird, um den eigenen Begriff zu definieren und gegen andere Vorstellungen innerhalb und außerhalb des thelemitischen Diskurses abzugrenzen.
Eine unbedingte Willensfreiheit gibt es nicht und kann es nicht geben, der Wille eines Menschen manifestiert sich in der Kontingenz der aus ihm resultierenden Entscheidung, denn eine Willensentscheidung ist eine kontingente Entscheidung zwischen mindestens zwei Optionen. Deshalb ist der Wille und die Willensentscheidung grundsätzlich und immer bedingt, was nicht heißt, dass er per se determiniert wäre. Diese Bedingtheit drückt sich in Quantität und Qualität der kontingenten Optionen aus. Anmerkung: Kontigenz soll hier als Möglichkeit, Zufälligkeit, Andersseinkönnen und damit als Gegensatz zur Seinsnotwendigkeit verstanden sein, oder mit Thomas v. Aquin formuliert: contingens est, quod potest esse et non esse.
Wenn ein vorgeblich motivloser oder zufälliger Willen zur Sprache kommt, ist das sachlich falsch. Motivlos und zufällig ist der Wille deshalb nicht, weil er im Kontext des Handelns steht, wobei die einzelne Willensentscheidung durchaus zufällig sein kann, weil das als mögliche Option in der Natur der Kontingenz liegt. Das Belieben ist motivlos und zufällig und in ihrer übersteigerten Form als Begierde kann sie unbedingt sein – beide lassen sich deshalb nicht in verantwortungsethische Begriffe fassen. Sich in seinem Handeln aber eben nicht von Belieben und Begierde dominieren zu lassen - genau darauf zielt das ab, was als wahrer oder auch freier Wille bezeichnet wird, nämlich Willensentscheidungen frei von Konditionierungen zu treffen, sofern das sinnvoll ist (was es nicht immer ist, denn bestimmte "Entscheidungen" sollte man durchaus von Konditionierungen treffen lassen). Ich selbst verwende den Begriff vom wahren oder freien Willen ungern, weil er schlicht überflüssig ist, denn es gibt keinen unwahren oder unfreien Willen, das wäre nämlich Belieben oder Begierde.



