Thelema
Thelema 4 Newbies
Definition Thelema
Definition Thelema
Definition Thelema
1) Was Thelema NICHT ist
Einigen dieser Diffamierungen Thelemas soll an dieser Stelle zunächst einmal widersprochen werden:
1. Behauptung: "Thelema ist satanistisch"
Diese "These" ist eine der am häufigsten benutzten Kolportagen, um dem 93Current zu schaden. Aleister Crowley, einer der Initiatoren des Horus Äons, wird in vielen Publikationen als Satanist bezeichnet; neuerdings wird dieses gesellschaftliche Totschlagsargument auch durch den Zusatz "Neo-" intensiviert, da "Neo-Satanist" und "Neo-Nazi" ein praktikabel anwendbares Begriffsdoppelpack in der öffentlichen Propaganda bilden, das sich Publizisten hervorragend medienwirksam verkaufen läßt. Wer als "Neo-Satanist-Nazi" diskreditiert werden kann, den ist man quasi schon los, denn wer möchte schon mit "sowas" in Verbindung gebracht werden. Das geht inzwischen schon so weit, daß bestimmte Publizisten äußern, jede Form der Ablehnung des christlichen Gottesbildes sei als "Satanismus" zu bewerten [So z.B. der Publizist R. Fromm in Werbetexten für seine "Aufklärungsfilme" zum Thema "Satanismus in Deutschland", die er Schulen und anderen Institutionen über das Internet anbietet.]. Hier wird eindeutig versucht, Thelema als etwas Verwerfliches darzustellen. Dabei ist die Definition für den Begriff "Satanismus" keinsewegs unumstritten. Was ist das: Satanismus? Ist es die bloße Ablehnung eines monotheistischen Glaubenssystems? Dann ist jeder Kult, der nicht den Maßgaben des Konzils von Nicäa entspricht, per Definition "satanistisch". Auch der Buddhismus, der Islam, die Kulte aller Naturvölker...
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Ist es die dualistische Weltsicht, die von einem Gleichgewicht der Kräfte ausgeht, das demiurgische Prinzip, welches den Freimaurern, Templern und anderen gnostischen Richtungen nicht fremd ist? Sind Freimaurer wie Wilhelm II., Churchill und andere Satanisten gewesen?
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Ist es die Verleugnung einer spirituellen Schöpferentität, die Behauptung, der Mensch selbst sei "Gott", wie es z.B. die "Church of Satan" praktiziert? Nun, wenn dem so ist, so kommt jeder multinationale Konzern automatisch in den Verdacht, satanistisch zu sein.
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Ist es der kultisch praktizierte Anti-Gott-Glaube, der unter Zuhilfenahme diverser Klischees dazu führt, daß Morde "im Auftrag Satans" verübt werden? Sind alle Black-Metal-Fans automatisch auch Satanisten?
Wie also unschwer zu erkennen ist, existiert nicht einmal eine einheitliche Definition des Begriffes "Satanismus", so daß gewisse Anwürfe, Thelema sei satanistisch, getrost als völlig unsubstantiiert und aus der Luft gegriffen anzusehen sind. Wo es zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht reicht, wird eben das Schlagwort vom "bösen Satanisten" bemüht, um Stimmung zu machen.
Feststellung: Thelema ist kein satanistischer Kult, keine satanistische Religion oder dergleichen. Thelemiten betreiben keinen Götzenkult, sie ersetzen nicht Wissen durch Glauben.
2. Behauptung: "Thelema ist faschistisch"
Aufgrund der z.T. drastischen Gestaltung der Verse des Liber Legis wird oft unterstellt, Thelema weise quasi faschistische Tendenzen auf und wäre eine Art "suppressive system", das der Freiheit des Individuums entgegenstünde [Hier werden insbesondere die Verse aus dem 3.Kapitel des Liber Legis / Liber CCXX gern bemüht, um den Eindruck von gezielter Gewalttäigkeit zu erzeugen. Diese Verse stehen jedoch in keinerlei Widerspruch zum evolutionären Gesamtkonzept des Kosmos, ja nicht einmal zu den Methoden, die sogenannte Demokratien anwenden, um ihre Interessen zu verteidigen. Thelemiten führen allerdings keine Präventivkriege, sie nehmen allerdings für sich in Anspruch, ihr Territorium mit angemessenen Mitteln zu verteidigen.]. Thelemiten werden gern von Publizisten bestimmter Couleur in die Nähe von Rechtsradikalen gestellt, um Thelema zu diskreditieren. Faschismus ist ein politisches Merkmal, jedoch Thelema ist keine politische Bewegung. Die interdisziplinäre Wirkungsweise des 93Current schließt zwar eine politische Betätigung von Thelemiten nicht per se aus, jedoch kann der Faschismus kein thelemitisches Ziel sein. Zwar gab es in der Vergangenheit Versuche, in faschistischen Systemen thelemitische Strukturen zu etablieren, doch diese Versuche sind grandios gescheitert. Faschismus basiert auf Unterdrückung, Thelema hingegen auf Befreiung. Das Gesetz ist für alle (Liber Legis 1/34)
3. Behauptung: "Thelema ist eine Sekte"
Über viele thelemitische Gruppen wird gern das Gerücht verbreitet, es handele sich dabei um "Sekten" ["Eine Sekte bezeichnet im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig eine religiöse Organisation, die durch ein Schisma oder die Abspaltung von einer etablierten Religion entstanden ist."]. Auch hier finden wir i.d.R. als Urheber solcher Behauptungen stets dieselben Wortführer, die nicht selten selbst einer Sekte angehören (und zwar exakt im Wortsinn). Oft werden die bislang genannten - unrichtigen - Behauptungen über Thelema kombiniert, also Gruppen des 93Current als "satanisch-rechtsradikale Sekten" bezeichnet, um den Wirkungsgrad der beabsichtigten Verunglimpfung zu maximieren. Daß damit vehement z.B. gegen die Bekenntnisfreiheit verstoßen wird, interessiert diese Leute nicht im Geringsten bei der Verfolgung ihrer fragwürdigen Ziele. Es geht einzig darum, Thelema und Thelemiten zu diffamieren, um die Verbreitung des Gesetzes vom freien Willen zu unterdrücken. Und wenn Thelemiten es dann wagen, nicht stillzuhalten, sondern eine fundierte Gegenrede zu formulieren, dann wird der Moralfinger erhoben und es wird unterstellt, an den Vorwürfen müsse ja wohl etwas "dran sein", wenn Thelemiten "in aggressiver Weise" kontern. Solche Konstrukte kennen wir zur Genüge von sogenannten "Sektenbeauftragten" gewisser kirchlicher Organisationen oder staatlicher Verwaltungseinheiten. Letztere mißachten die verfassungsmäßig geregelte Trennung von Staat und Bekenntnis konsequent und gehen mit Mitteln, die z.T. alles andere als rechtstaatlich sind, gegen weltanschauliche Gruppierungen vor.
Da wird "zum Schutze der Bürger" doch schonmal gelogen, betrogen und eifrige Tatsachenverdrehung betrieben, die mit Rechtsprechung nichts mehr zu tun hat. Da werden "Belastungszeugen", sogenannte "Aussteiger" mit kirchlicher und staatlicher Subventionierung herumgereicht wie Popstars, um nur ja des Bild von den bösartigen und menschenverachtenden Thelema-Sekten aufrecht zu erhalten. Der Vorwurf, Thelemiten seien gewalttätig gegen Aussteiger, Andersdenkene und insbesondere gegen Frauen, kehrt stets auf Neue zurück. Das ist pure Propaganda, die allein dazu dient, die Massen unkritischer Medienkonsumenten gegen Thelema aufzubringen. So schreibt z.B. Adolf Hitler bereits in "Mein Kampf": "Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen , an die sie sich zu richten gedenkt (...) Handelt es sich [um] die Durchhaltung eines Krieges (...), so kann die Vorsicht bei der Vermeidung zu hoher geistiger Voraussetzungen nicht groß genug sein (...). Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß." Quelle: Adolf Hitler, Mein Kampf, München, Verlag Franz Eher, 1933, 18.Auflage, S. 197 f. Interessanterweise werden Versuche von Thelemiten, eine öffentliche Gegenrede zu führen, als "Hetze" diffamiert, während die "Arbeit" der "Sektenbeauftragten" natürlich reine Aufklärung und damit kulturell wertvoll ist. So unterschiedlich kann die Propaganda-Welt sein ... wenn es sein muß. Abschließend bleibt festzustellen, daß es keine thelemitischen Sekten gibt, und daß jede anderslautende Behauptung frei erfunden ist.
4. Behauptung: "Thelema ist verfassungsfeindlich"
Diese Unterstellung, die bislang selten, jedoch nunmehr in zunehmendem Maße verbreitet wird, stellt den nächsten Schritt antithelemitischer Propaganda dar. Sie gründet sich weitgehend auf Vers 2/78 des Liber Legis / Liber CCXX: "There is no law; beyond: do what thou wilt." Der Gedanke, Okkultismus als verfassungsfeindlich zu betrachten, ist weiß Gott nicht neu, besaßen doch z.B. Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof Kontakte in die okkulte Szene (Knaut, Horst: "Das Testament des Bösen", Stuttgart 1979, S. 297/298). Günther Nollau, einstiger Verfassungsschützer der BRD meinte, man müsse "Religiosität und Okkultismus in das vorterroristische Umfeld mit einbeziehen" (Nollau, Günther: "Das Amt-50 Jahre Zeuge der Geschichte", München 1978). Es ist nicht davon auszugehen, daß sich diese Ansicht im Amt bis heute geändert hat. Der Autor erhielt bereits 1993 entsprechende "Warnungen" des Schleswig-Holsteinischen Landesamtes für Verfassungsschutz, es mit den thelemitischen Äußerungen "nicht zu weit zu treiben". Da wird jenseits aller Differenzierungsfähigkeit behauptet, Thelemiten wären so etwas wie "Verfassungsfeinde" und würden keine Gesetze respektieren. Daß das ausgemachter Unsinn ist, sollte eigentlich keiner gesonderten Erwähnung bedürfen, doch sei der Vollständigkeit halber hier auf folgende Tatsachen in aller Deutlichkeit hingewiesen:
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Thelema als Ethik steht der in Deutschland gültigen Verfassung in keiner Weise ablehnend gegenüber. Vielmehr ist es so, daß eine reale Umsetzung der Artikel des GG in Deutschland (z.B. Bekenntnisfreiheit, Freiheit der Meinungsäußerung usw.) jeden Thelemiten erfreuen würde. Eine solche Umsetzung ist derzeit jedoch nicht feststellbar.
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Thelemiten gehören i.d.R. nicht verfassungsfeindlichen Organisationen an. Diese Aussage ist natürlich subjektiv. Dem Autor sind jedenfalls keine echten Thelemiten bekannt, die verfassungsfeindlichen Organisationen angehören würden.
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Thelema widerspricht grundsätzlich nicht einer FDGO, auch wenn derzeit verfügbare Konzepte in dieser Richtung nicht als rundweg befriedigend anzusehen sind. Zitat: "In der Demokratie geht die Macht vom Volk aus, doch häufig kehrt sie nicht mehr zu ihm zurück." - Hellmut Walters (1930-85), dt. Schriftsteller
Im Zuge der Bestrebungen der europäischen und amerikanischen Staaten, ihren Herrschaftsbereich global zu erweitern, ist zu erwarten, daß die hier beschriebene antithelemitische Behauptung in ihrer Gewichtung zunehmen wird. Alle Strukturen, die nicht konform mit dem derzeit installierten altäonischen System gehen, machen sich ja in zunehmendem Maße der Konspiration verdächtig, so daß es wohl nur eine Frage der Zeit sein wird, bis sich die fragwürdigen Schutzmechanismen des herrschenden Systems auch gegen den 93Current wenden [Daß dies bereits der Fall ist, mußten Thelemiten erfahren, die ihre Arbeit verloren, weil sie eben Thelemiten sind. So geschehen im Wendland.]. Doch der Versuch, Thelema mit Antidemokraten, Faschisten oder gar Terroristen auf eine Stufe zu stellen, wird mißlingen. Thelema ist Freiheit. Freiheit für alle.
2) Was Thelema ist
Über die Bedeutung und den Inhalt Thelemas ist in den letzten hundert Jahren viel spekuliert und diskutiert worden. Dabei kristallisierten sich zwei wesentliche Richtungen heraus.
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Die eine These besagt, daß es sich bei 93Current um eine neue Form der Religion handelt, die in der Lage ist, alle gängigen Religionen zu transzendieren und damit quasi eine Art "Meta-Religion" bildet.
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Die andere These besagt, daß Thelema eine Ethik sei, die unabhängig von religiösen Konzepten existiert und die sich quasi als Derivat der bisherigen philosophischen Strömungen gebildet hat.
Wesentlichen Anteil an der jeweiligen Thesenbildung hat die Gewichtung des zentralen Codex des 93Current - das Liber Legis / Liber CCXX. Die Frage nach der Athenzität dieser Schrift ist letztlich eine Glaubensfrage. Aleister Crowley selbst gab an, die Texte des CCXX seien ihm jeweils in den Mittagsstunden des 08., 09. und 10. April 1904 in Kairo von einer Wesenheit namens Aiwass diktiert worden. Versuche haben ergeben, daß es bei zügiger Schreibweise durchaus möglich ist, die Texte der drei Kapitel in je einer Stunde nach Diktat niederzuschreiben. Die Texte sind kabbalistisch fundiert und die Strukturierung läßt den Schluß zu, daß die Verse kapitelübergreifend sinn-vernetzt sind. Es ist von daher durchaus legitim, sie als "Offenbarung einer höheren Macht" zu betrachten.
Ebenso gibt es jedoch Anzeichen für ein zumindest im Ansatz konzipiertes, jedoch inspiriertes Werk, denn Crowley war ein mystisch und magisch hochgebildeter Mann und auch ein Schelm, der für durchaus gewagte Aktionen bekannt war. Auffällig "anders" als Teil 2 & 3 des Liber L. ist das erste Kapitel. Zunächst fällt auf, daß es keine Versnummerierung beinhaltet. Außerdem kommen in diesem Kapitel Veränderungen/Berichtigungen vor, deren Herkunft und Ursache bis zum heutigen Tage nicht schlußendlich geklärt wurden. So z.B. in den Versen I/34, I/49, I/51 und I/60. Letzerer soll hier exemplarisch zur Betrachtung herangezogen werden. Der Unterschied der Handschriften ist z.T. frappierend.
Meine Zahl ist 11, wie die Zahlen all derer, die von uns sind. Der Schatten meines Sterns ist der fünfzackige Stern mit einem Kreis in der Mitte, + der Kreis ist rot. Meine Farbe ist Schwarz für die Blinden, aber das Blau + Gold werden von den Sehenden erblickt. Ich habe auch eine geheime Pracht für die, welche mich lieben.
Hier gibt es eine starke Veränderung im Textfluß. Crowley scheint einen Satz zu "verlieren", er trägt ein: "(Lost) sentence" Später fügt er an derselben Stelle ein: "The shade of my star is -" und es folgt noch etwas, das jedoch später überschrieben wurde. Eine weitere Einfügung folgt, offensichtlich von einer anderen Person verfasst: "The five Pointed Star, with a Circle in the Middle, + the circle is Red". Da Andruck, Linienführung und Schriftbild sich grundsätzlich von Crowleys Schriftzügen unterscheiden, kann man wohl davon ausgehen, daß es sich um einen Eintrag seiner Frau Rose handelt.
Wen wundert´s daher, daß sich der Gedanke einschleicht, Mr.Crowley könnte die "heilige Übermittlung" eher ersonnen denn erlebt haben. Es ist sicherlich nicht falsch, hier einen Blick auf die Situation zu werfen, in der Crowley sich zur Zeit der Niederschrift des Liber Legis befand. Er war im G.°.D.°. aufgestiegen, und sein Verhältnis zum Ordensoberen Samuel Liddell McGregor Mathers war nicht eben das beste. 1900 hatte Crowley begonnen, die Aethyre zu öffnen, und er stand unter starker Anspannung, was ihn veranlaßte, sich zeitweilig von der Magie zurückzuziehen. Crowley selbst wähnte sich schon vor der Jahrhundertwende im Besitz eines "magischen Mittels von großer Macht" und trachtete danach, seinen Platz einzunehmen. Nach der Hochzeit mit Rose, während der Hochzeitsreise in Nordafrika dann ist es durchaus möglich gewesen, daß er - inspiriert durch dir imposanten Kolossalbauten der ägyptischen Kultur - den Moment für gekommen hielt, seine Studien wieder aufzunehmen. Immerhin hatte Ägypten im G.°.D.°. ja eine zentrale kultische Stellung inne. Als Crowley dann im Museum die Stele des Ankh-af-na-Khonsu besichtigte, könnte dies der Moment der Inspiration für ihn gewesen sein. Die zunehmende Intensität des 93Current verlangte ja förmlich nach einem Gefäß, in das dieser magische Strom sich ergießen konnte. Jedoch selbst für den Fall, daß Crowley das Liber Legis komplett selbst konzipiert hätte, tut das der Wirkung der 220 Verse keinerlei Abbruch. Das Liber Legis ist eine psychoaktive Zeichenkette, deren Wirksamkeit von ihren Lesern unbestritten ist. Wer dieses Buch liest, verändert definitiv seine Weltsicht, das Liber Legis ist ohne Abstriche als eine "initiatorische Schrift" zu werten und hat sich die Stellung als zentraler Codex des 93Current redlich verdient. Das Liber Legis scheidet die Geister. Für Thelema gilt: HAVE IT OR HATE IT!
Im Liber Legis hat sich der 93Current der Menschheit offenbart und die Erkenntnisse, die der interessierte Leser aus dem Studium der 220 Verse gewinnen kann, sind durchaus geeignet, für das Individuum den Weg in ein vom freien Willen bestimmtes Leben zu ebnen. Das Liber Legis selbst ist kein Moralcodex, nicht ohne Grund weist Crowley im Kommentar darauf hin, daß es nützlich sei, das Buch "nach dem ersten Lesen zu verbrennen", sprich: es nicht zum Gegenstand permanenter Betrachtung zu machen. Dies ist ein wichtiger Hinweis darauf, daß Thelema eben kein typisch religiöses System ist, welches sich strikt an einem Grundsatzcodex orientiert.
Vielmehr ist Thelema eine persönliche Ethik, die sich am Menschen und aus ihm heraus entwickelt. Das ist ein frappierender Unterschied zu den eher statischen Religionsgebilden des Osiris Äons, welche die gnostische Erkenntnis mehr "von außen" an den Gläubigen herantragen. Der 93Current kehrt dieses Verhältnis quasi um, der Mensch initiiert sich in Thelema gewissermaßen selbst, "erarbeitet" sich so die Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit und schuldet keinem Priester Dank dafür. Während altäonische Strukturen vorwiegend mit "Verbietern" arbeiten (Du darfst nicht...Du sollst nicht...), ist der Mensch im 93Current hauptsächlich mit "Erlaubern" konfrontiert (Du sollst... Du darfst...Du kannst), die ihn zu aktivem Handeln veranlassen, statt ihn in eine ergebene Agonie fallen zu lassen. Thelema braucht keine Kirchen, keine Tempel und Paläste, es bedarf keiner Priesterkaste und keiner allgemeingültigen und alleinseligmachenden Interpretation. Jede thelemitische Wahrheit ist grundsätzlich die Wahrheit des erlebenden Individuums. Thelema ist eine Ethik der Verantwortungsübernahme, der Mensch entscheidet selbst, was richtig und was falsch ist. Kein Gott, kein höheres Wesen irgendeiner Art, kein Teufel und kein Dämon bestimmt das Schicksal, sondern einzig der Mensch selbst entscheidet willentlich über die eigene Zukunft.Thelema fordert auf, Verantwortung für das eigene Handeln nicht an andere abzugeben, sondern sie stolz und liebevoll selbst zu übernehmen.
Thelema ist Freiheit. Die Freiheit des Menschen, seinen Willen zu erfüllen.Die Freiheit des einen ist auch immer die Freiheit des anderen, und so ist es nicht nur die Pflicht jedes Thelemiten, seinen Willen zu tun, sondern auch den Willen des jeweils anderen zu respektieren. Thelemiten sind also keine rücksichtslosen Egomanen, sondern freie, selbstbestimmte und mitfühlende Wesen. Gerade in Bezug auf den Beriff "Mitleid" wird das Liber Legis oft unzureichend verstanden (z.B. 2/21, 2/58, 3/18, 3/42, 3/43). Das Liber Legis verbietet dem Thelemiten das Mit-Leiden, nicht jedoch das Mit-Fühlen.
Wer Thelema für sich selbst realisiert hat, der öffnet damit für sich die Tore zu seiner eigenen Kreativität, er kann es sich erlauben, mit seiner Situation zufrieden zu sein, und er darf sich ohne Scham selbst verwirklichen. Der Thelemit befreit sich nach und nach von allen Fremdkonditionierungen und "programmiert" sich selbst. Wenn dies vollbracht ist, braucht der Mensch keine Götter mehr um Beistand anzuflehen, denn er ist selbst der Schöpfer seines Universums geworden. Gleichwohl ist es Thelemiten nicht untersagt, sich einer Religionsgemeinschaft oder speziellen Weltanschauung anzuschließen, nur tut er dies eben dann in Liebe unter Willen und nicht aus einer Konditionierung heraus. Für den Thelemiten stehen alle Türen offen, er allein entscheidet, welche Tür er durchschreitet.



