Thelema
Thelema 4 Newbies
Die Götter des Liber Legis
Die Götter des Liber Legis
Text veröffentlicht mit frdl. Genehmigung von Lioness
Die Götter des Liber Al
In Liber Al vel Legis, dem Buch des Gesetzes, werden wir in eine neue und zugleich alte Kosmogonie hineinkatapultiert. Die Gottheiten, die einem in den 220 Versen des Buches des Gesetzes begegnen, entstammen allesamt der altägyptischen Mythologie, weswegen man Thelema auch als neo-ägyptisches Heidentum bezeichnen könnte... Die Gottheiten werden jedoch teilweise anders dargestellt, als man es in den einschlägigen Lexika finden kann. Dies aber sollte nicht verwundern: in den Jahrtausenden der ägyptischen Geschichte wurden die Götter auch immer wieder umdefiniert, anderen Verwandtschaftsverhältnissen zugeordnet oder gingen Synthesen mit anderen Göttern ein... Ich habe die Informationen zu den Göttern nach den Mythen zusammengestellt, die am weitesten verbreitet zu sein scheinen.
Auffällig beim Zusammenstellen war mir, daß fast alle Götter, auf die sich das Liber Al durch die Stelé des Ankh-af-na-Khonshu bezieht, als falkenköpfig dargestellt werden. Eine alte ägyptische Vorstellung vom Himmel war wohl, daß die Fittiche eines Falken sich über die Welt erstrecken. Und diese Vorstellung vom falkenflügeligen Himmelsgott findet man nicht nur in RA-HOOR-KHUIT, sondern auch in HADIT, MENTHU und KHONSHU...
1. Die Thelemisch-ägyptische Trinität
Die Thelemische Trinität sind die drei Götter, denen das Liber Al vel Legis geweiht ist. Sie sind Sprecher des Buches, Objekt der Verehrung des Buches und die Bestandteile der Kosmologie des Neuen Äons, die hier ausgebreitet wird.
Nuit
ägyptisch NUT ("Himmel") - Personifikation des Himmels als eines der Grundelemente des Kosmos.
Dargestellt wird NUT als nackte Frau, deren sternenbedeckter dunkler Leib sich über den Erdgott Geb neigt.
NUT ist in der ursprünglichen Götterneunheit Tochter von SHU (Luft) und TEFNUT (Feuchtigkeit). Sie ist Schwester und Gemahlin des GEB (Erde), und von ihm Mutter von ISIS, OSIRIS, SETH und NEPHTHYS.
NUT ist auch die Schutzgöttin der Toten, die ihre Seelen in den Himmel aufnimmt.
Al I, 3 "Jede Mann und jede Frau ist ein Stern."
Hadit
ägyptisch BEHEDTI
Dargestellt als Sonnenscheibe mit ausgestreckten Falkenflügeln, ist BEHEDTI eines der weitverbreitetsten Schmuckelemente der ägyptischen Kunst,.
Der Gott BEHEDTI, der "Buntgefiederte" wurde schon früh dem HORUS gleichgestellt. Durch den Bezug des HORUS auf den ägyptischen König wurden oft die königlichen Uräusschlangen der Sonnenscheibe zugesellt.
Ra-Hoor-Khuit
ägyptisch RE-HARACHTE.
Dargestellt wird er in Menschengestalt oder falkenköpfig mit Sonnenscheibe und Stab.
Sonderform des HORUS (HOOR): Ägyptischer Ortsgott, der später auch Gott des Landes und Schutzgott des Königs wurde. Sein Name bedeutet "das Antlitz".
HORUS ist Sohn, in einer späteren Mythologie Gatte der HATHOR.
Als falkenköpfiger Welt- und Himmelsgott überspannt er mit seinen Flügeln den Himmel und wird als Lichtgott HERACHTE ("der oben Befindliche der Ferne"), dessen Augen Sonne und Mond bilden, mit RE zu RE-HARACHTE verschmolzen.
In der Kosmologie von Heliopolis (On) wird HORUS zum Sohn von ISIS und OSIRIS, der als Jüngling seinen von SETH ermordeten Vater rächt.
Al III, "Nun verstehet zuerst, daß ich ein Gott des Krieges und der Rache bin. Ich werde hart mit ihnen verfahren."
Im Liber Al vel Legis erscheint HORUS auch in zwei anderen aus der ägyptischen Mythologie entlehnten Gestalten, die andere Funktionen von ihm bezeichnen:
1. Als HOOR-PAAR-KRAAT/ Heru-pa-kraath/ Hoor-pa-kraat (griech. HARPOKRATES; ägypt. HOR-PE-CHROD), "Horus das Kind".
Dargestellt wird der kindliche HORUS als Sonnenkind, das in der Lotusblüte sitzt. Seine typische Haltung ist, an einem Daumen lutschend, während er mit der anderen Hand an seiner Kinderlocke spielt. Diese Haltung wird auch oft als Geste des Schweigens (verschlossener Mund) interpretiert.
HARPOKRATES ist ein Fruchtbarkeitsgott, besonders als Spender der Hülsenfrüchte.
Als kindlicher HORUS ist er der unmündige Sohn der Muttergöttin ISIS, im Gegensatz zum erwachsenen HORUS HAROERIS ("Horus der Alte"). Darstellungen von ISIS mit HARPOKRATES nehmen die christlichen Madonnenbilder mit dem Jesuskind um Jahrtausende vorweg.
Im Liber Al sind RA-HOOR-KHUIT und HAAR-PA-KRAAT zwei Teile des Großen HORUS, HERU-RA-HA:
Al III, 35: "Die Hälfte des Wortes von Heru-ra-ha, genannt Hoor-pa-kraat und Ra-Hoor-Khuit."
2. Eine weitere Form von HORUS taucht weiterhin im Liber Al auf, auch wenn man es aus dem Zusammenhang nicht vermuten würde.
Al III, 34: "... wenn Hrumachis sich erhebt und der mit dem Doppel-Stab meinen Thron und Platz einnimmt. Ein anderer Prophet wird sich erheben und frisches Fieber von den Himmeln bringen; eine andere Frau wird die Lust und Verehrung der Schlange erwecken; eine andere Seele von Gott und Tier wird sich in dem Priester des Erdballs mischen; ein anderes Opfer wird Das Grabmal färben; ein anderer König wird herrschen; und dem Falkenköpfigen Mystischen Herren wird nicht länger Segen zufließen!"
HRUMACHIS; griech. HARMACHIS, ägypt. HAR-MACHET, ist der "Horus im Horizont"; was urprünglich ein Titel der Großen Sphinx auf dem Totenfeld von Gizeh war, die ursprünglich den König Chephren darstellte und seit dem Neuen Reich als Abbild des Horus als Herr der Morgensonne angesehen wurde.
2. Andere ägyptische Götter im Liber Al
Im Liber Al vel Legis werden noch weitere Gottheiten des alten Ägyptens erwähnt, die für die Kosmologie von minderer Bedeutung sind, die hier aber dennoch aufgeführt werden sollen. Immerhin, Ankh-af-na-Khonshu war ein Priester, und dies sei nun die "Aufgabe des Hierophanten"...
Menthu
ägyptisch MONTH, MENTHU oder MUNTU
Dargestellt wird er als falkenköpfiger Mensch, von einer Sonnenscheibe gekrönt.
Sein Symbol ist ein weißer Stier mit schwarzem Kopf. ;-)
Ortsgott von Hermonthis, sowie Kriegs- und Königsgott, der dem König den Sieg verleiht.
Der als Sohn des RE, Gattin der RAITTAUI und als Vater des HAPRE ("Horus die Sonne") geltende Gott wird charakterisiert als "RE in seinen Gliedern, ATUM in seiner Gestalt, Allherr in all seinen Formen".
Khonshu
ägyptisch CHONS, CHONSU ("Der Durchschreiter")
KHONSHU wurde ebenfalls in Menschengestalt oder falkenköpfig, mit Stab und Mondscheibe, die über der Sichel das volle Rund des Mondes zeigt, dargestellt.
Er ist ein Gott des Mondes, Sohn des AMUN und der Himmelsgöttin MUT aus der Trinität von Theben.
Er ist Herr der Zeit, der Königen und Menschen die Jahre zählt und der Ratschläge erteilt. Er wird als Heilgott und Nothelfer angerufen.
Ra
ägyptisch RE ("Sonne")
Dargestellt wird er in Menschengestalt oder falkenköpfig mit der Sonnenscheibe. Die Sonnenscheibe heißt auch "Auge des RE".
Er ist Sohn des GEB und der NUT.
Er ist die Personiofikation der Mittagssonne, die in der Morgenbarke über den Tageshimmel fährt, von seiner Tochter MAAT und seinem Wesir THOTh begleitet. In der Nacht durchfährt er in der Abendbarke die Duat (unterwelt) und bringt den Toten Licht und Ordnung.
In Verbindung mit ATUM wird er als RE-ATUM oder ATUM-RE zum Schöpfergott. Seine tägliche Schöpfungstat wird in der Sonne, die Licht und Wärme als Grundbedingungen des Lebens spendet, symbolisiert.
Tum
ägyptisch ATUM ("Der Nichtseiende")
dargestellt wird ATUM in menschlicher Gestalt mit Doppelkrone, Stab und Ankh, seine Symboltiere sind Skarabäus und Schlange.
Chthonischer Urgott und Personifikation des Chaos, aus dem alles hervorging; als Selbstentstandener ist er aus den Urgewässern aufgetaucht.
Nach der Götterneunheit ist er Weltschöpfergott und Vater der Götter, der als "Einherr" und Selbstbegatter durch Ausspeien aus seinem Mund das erste Götterpaar SHU und TEFNUT als Dualität zeugte.
Mit dem Aufkommen des solaren Reichskultes wurde er von RE verdrängt und verkörperte nun die untergehende Sonne.
Khephra
ägyptisch CHEPRE ("Der Selbstentstandene")
Dargestellt wird er käferköpfig oder als Skarabäus-Käfer.
Urgott, der ohne gezeugt zu werden, aus der Erde aufgeht. Als solcher wurde er der Morgensonne gleichgesetzt. In der Vorstellung der Alten rollte CHEPRE die Sonne über den Himmel, so wie der Skarabäuskäfer seine Brutkugeln durch den Sand rollt.
Gleichgestellt wird er dem ATUM (Abendsonne) und dem RE (Mittagssonne).
Ahathoor
ägyptisch HATHOR ("Haus des Horus")
Dargestellt wird sie in Menschengestalt oder mit einem Kuhkopf mit Sonnenscheibe und Sistrum.
Sie gilt historisch abwechselnd als Mutter des HORUS oder Gemahlin des HORUS. Als Muttergöttin ist sie die Personifikation des Königspalastes, der als Mutter des Königs gilt.
Darüberhinaus gilt sie als Liebesgöttin und Herrin der Freude, des Tanzes, der Musik, Weltgöttin und Schöpferin der Mädchen. ;-)
da der König sich als ein Himmelsfalke manifestiert, wird Hathor auch zur Himmelsgöttin. Eine im Nildelta verbreitete Vorstellung vom Himmels als einer großen Kuh, die sich am Anfang aus den Urwassern erhob, führte dazu, daß sie u.a. auch Kuhgestalt erhielt.
Asar
griechisch OSIRIS (ägypt.: "Sitz des Auges")
Dargestellt wird er als Mensch in einer Mumienhülle mit Krummstab und Fliegenwedel, den Attributen des Hirten.
Ursprünglich war OSIRIS ein vorzeitlicher Kulturheros, der Acker- und Weibbau lehrte, Gesetze und Kulte stiftete. Er ist ein König von göttlichem Stamm, aber von menschlicher Art, dessen Amt in seinem Sohn fortlebt.
Nach der Götterneunheit ist OSIRIS der Sohn von GEB und NUT, Bruder von SETH, NEPHTHYS und ISIS, deren Gatte er auch war.
Nach der Jüngeren Fassung des Mythos wird OSIRIS von SETH ermordet und seine Leiche in 42 Teile zerstückelt. ISIS und NEPHTHYS suchen und finden ihn und unter ihren Klagen erwacht er zu neuem Leben. Während OSIRIS nun im Totenreich herrscht, tritt sein Sohn HORUS sein Erbe auf Erden an und rächt seinen Vater.
Tahuti
griechisch THOTH, ägyptisch auch DJEHUTI, koptisch THOUTH
Dargestellt wird er in Menschengestalt mit einem Ibiskopf, in der vom urzeitlichen Gott HEZ-UR übernommenen Gestalt auch als Pavian - "der Affe des Thoth". Als Attribute trägt er einen Schreibgriffel oder eine Palmrippe.
THOTH ist ein Gott des Mondes und der Zeitrechnung, der "silberne Aton"; er ist "Herr der Zeit" und "Rechner der Jahre", der die Zeiten und Monate der Jahre scheidet. Als solcher ist er auch Schutzpatron der Schreiber und der Magie, und erscheint im Griechischen als "Dreimalgrosser Hermes" oder "Trismegistos".
Als Wesir des RE bringt er durch das "Wort" Gesetz und Ordnung und Schöpfung in Existenz; als göttlicher Schreiber überwacht er im Jenseits das Totengericht und die Wägung der Herzen. Da über ihn der Weg zu OSIRIS führt, ist er Wegbereiter und Seelenführer ins Jenseits.
Als Gemahlin des THOTH galt MAAT, die Göttin der Gerechtigkeit.
Isa (?)
Die in Liber Al II, 49 "...and let Asar be with Isa, who are also one. But they are not of me. Let Asar be the adorant, Isa, the sufferer; Hoor in his secret name and splendour is the Lord initiating" erscheinende Gestalt von ISA ist als kontrovers zu betrachten. Da es keine ägyptischen Gottheit mit diesem Namen gibt, muß sie als verschlüsselt oder aus einem anderen Kulturkreis stammend betarchtet werden. Der Gleichsetzung von ISA = JESUS widerspricht, daß JESUS namentlich erwähnt wird (Liber Al III, 51), zudem diese Schreibweise unbekannt ist.


