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Aleister Crowley Texte
Liber CL - De Lege Libellum
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Liber CL - De Lege Libellum
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Liber CL Vorwort: Tu was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes. Mit redlichem Herzen komme her und lausche: denn ich, TO MEGA THERION, habe dieses Gesetz jedem gegeben, der sich heilig hält. Ich bin es und kein anderer, der deine ganze Freiheit will, und das Aufgehen des vollen Wissens und der Macht in dir.
Von der Freiheit will ich euch zunächst schreiben, denn wenn ihr nicht frei seid zu handeln, so könnt ihr nicht handeln. Dennoch müssen alle vier Gaben des Gesetzes in gewissem Grade geübt werden, da diese vier eins sind. Aber für den Strebenden, der zum Meister kommt, ist das erste, was er braucht, Freiheit.
Es steht geschrieben "Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen." Hierin liegt ein Arkanum verborgen, denn in der griechischen Sprache hat AGAPE, Liebe, denselben Zahlenwert wie THELEMA, Wille. Hieraus erkennen wir, daß der Universale Wille seiner Natur nach Liebe ist. Nun ist die Liebe das Entflammen in Ekstase von Zweien, die den Willen lieben, Eins zu werden. Somit ist es eine universale Formel hoher Magie. Denn sieh hin, wie alle Dinge, die durch Trennung in Leid geraten sind, notwendigerweise Einheit als ihr Heilmittel wollen.
Systole (Zusammenziehung des Herzens) und Diastole (Ausdehnung des Herzens), das sind die Phasen aller zusammengesetzten Dinge. Dazu gehört auch das Leben des Menschen. Seine Kurve steigt aus der Verborgenheit des befruchteten Eies, sagt ihr, zu einem Zenit empor, von wo es zum Nichts des Todes herabsinkt? Recht betrachtet ist das nicht ganz wahr. Das Leben des Menschen ist nur ein Abschnitt einer Serpentinenkurve, die bis in die Unendlichkeit reicht, und seine Nullpunkte bedeuten nur die Übergänge vom Plus zum Minus und vom Minus zum Plus, den Koeffizienten seiner Gleichung. Dies ist einer von vielen Gründen, warum weise Männer in alten Zeiten die Schlange als Hieroglyphe des Lebens wählten.
Ich bitte euch, habt Geduld mit mir bei dem, was ich über das Licht schreiben werde; denn hier besteht eine ständige, wachsende Schwierigkeit im Gebrauch der Worte. Zudem werde ich selbst fortwährend durch die Erhabenheit des Gegenstandes fortgerissen und überwältigt, so daß die einfache Sprache vielleicht in Lyrik dahinströmt, während ich mich doch friedlich mit didaktischen Ausdrücken abmühen möchte. Meine einzige Hoffnung ist, daß ihr vermöge der Sympathie eurer Intuition versteht, wie Liebende sich in einer Sprache unterhalten können, die anderen ebenso unverständlich wie albern, lächerlich und dumm erscheint; oder wie in jenem anderen Rausch, den der Aether erzeugt, die Teilnehmer sich mit unendlichem Witz oder mit Weisheit, je nachdem die Stimmung es ihnen eingibt, sich durch ein Wort oder eine Geste verständigen, da sie durch die Feinheit des Narkotikums zu unmittelbarem Verständnis geführt werden. Möge auch ich, der ich von der Liebe zu diesem Lichte entflammt und vom ätherischen Weine dieses Lichtes berauscht bin, nicht so sehr mit eurem Verstand und eurer Intelligenz verbunden sein, als mit dem in euch verborgenen Prinzip, das bereit ist, mit mir daran teilzunehmen. Ebenso können Mann und Frau vor Liebe außer sich sein, ohne daß ein Wort zwischen ihnen gesprochen wird, sozusagen durch die Induktion ihrer Seelen. Und eure Erkenntnis wird von der Reife für das Verständnis meiner Wahrheit abhängen. Wenn übrigens das Licht in euch bereit ist, hervorzubrechen, dann wird das Licht diese dunklen Worte euch in der Sprache des Lichtes deuten, so wie eine richtig gespannte Saite ihrem besonderen Tone entsprechend schwingt, wenn dieser auf einer anderen Saite angeschlagen wird. Lest daher nicht nur mit dem Auge und dem Gehirn, sondern mit dem Rhythmus jenes Lebens, das ihr durch euren Willen zur Liebe erlangt habt, und das bis zum Tanzrhythmus durch diese Worte beschleunigt wird, welche die Bewegungen des Stabes meines Willens der Liebe darstellen und so euer Leben zum Lichte entzünden. |
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