Thelema
The Great Beast 666
This is the end...
This is the end...
Auszug aus dem Buch ALEISTER CROWLEY - DAS TIER 666 - LEBEN UND MAGICK Biographie von John Symonds
Meine folgenden Besuche korrigierten wenig an meinem ersten Eindruck. Seine hieroglyphischen Kritzeleien auf winzige Papierfetzen machten deutlich, wie krank und ruhelos er in seinen letzten Lebensjahren war und erklaerten seine wahnwitzigen Drohbriefe an Lieferanten und Freunde. Er notierte seinen Zorn ueber die "langweiligen Abende" und das Gefuehl von erdrueckender Laehmung, das so lange anhielt, bis seine unruhig zitternden Haende mit den langen, nikotinbefleckten Fingern wieder zur Spritze griffen und er sich das einzige Mittel in die Armbeuge jagen konnte, das ihm noch Erleichterung verschaffte.
"Nein. Versuche 1/3 Gran. Wird das reichen? Getan. 17.15 Uhr. Und ob ich Heroin brauche, aber alles andere waere fast genau so gut! Langeweile und A[nno] D[omini]! Ein Maedchen oder ein Schachspiel wuerden die Luecke fuellen. Aber ich habe keine Energie mehr, danach zu suchen. 19.00 Uhr. Ja, diese Dosis hat einen traurigen Gedankengang ausgeloest - hauptsaechlich ueber meine dahingeschwundenen Wertsachen. Welch leichtsinniger Narr bin ich gewesen! Was fuer ein Esel ich bin! Wird Heroin helfen, alles zu vergessen?"
Sein Tagesbedarf stieg von zwei oder drei Gran auf elf Gran - eine Menge, mit der man eine ganze Handvoll Menschen umbringen koennte (als groesste gewoehnliche Dosis gilt 1/8 Gran).
Was ihn nicht im Stich liess, war sein Humor. Zwischen seinen Wutanfaellen und den Stunden der Traenen konnte er herumalbern wie ein Schuljunge. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit streckte er seinen ausgemergelten Arm aus, um sich, wie er sagte, mit der Kraft zu fuellen, die ihn am Leben hielt. Ob ich nicht den Raum so lange verlassen wolle?
"Ganz und gar nicht", antwortete ich, "kann ich Ihnen behilflich sein?"
Er erklaerte mir, dass neulich, als er sich fuer eine Spritze vorbereitet haette, ein Armeeoffizier ein derart angewidertes Gesicht geschnitten habe, dass Crowley ins Bad ging. "Die Tuer liess ich angelehnt, und durch den Tuerspalt hindurch schrie ich wie ein Ferkel, das abgestochen werden soll. Als ich dann wieder ins Zimmer kam, war mein armer Freund der Ohnmacht nahe."
Crowley starb in der Nacht des 1. Dezember 1947 an Herzschwaeche und chronischer Bronchitis. Unter seinem Kopfkissen lag ein Pergament-Talisman, der auf enochaeisch "fuer einen grossen Schatz" geweiht war. Crowley ist zweiundsiebzig Jahre alt geworden.
Schon den ganzen Sommer hindurch war er zunehmend schwaecher geworden, so dass taeglich mit seinem Tod gerechnet werden musste. Die Haushaelterin von "Netherwood" gestand mir einmal, sie wollte, er waere tot, weil sie seinen Anblick nicht mehr ertragen koennte. Tatsaechlich laesst sich ohne Uebertreibung sagen, dass um ihn eine Aura des Seltsamen oder gar des Boesen war. Zu guter Letzt war Crowley fuer jedermann sichtbar das geworden, was er sein Leben lang zu sein beansprucht hatte: ein Magus, ein Geheimer Oberer, ein Wesen, das jedermann und zu allen Zeiten mit dem Teufel assoziieren wuerde.
Er wollte nicht sterben, und als er ins Koma fiel, rannen Traenen ueber seine bleichen Wangen. Schwester Tzaba war bei ihm und hielt seine zuckenden Haende. Seine letzten Worte waren: "Ich bin ueberrascht ..."
Er hatte kaum zu atmen aufgehoert, als jemand die Treppe empor in sein Zimmer schlich und seine goldene Taschenuhr stahl.
In KONX OM PAX hatte er geschrieben:
Bury me in a nameless grave! I came from God the world to save. I brought them wisdom from above: Worship, and liberty, and love. They slew me for I did disparage Therefore Religion, Law and Marriage. So be my grave without a name That earth may swallow up my shame!
Solange er lebte, hatte Crowley sich seinen Tod und sein Begraebnis als etwas durch und durch Imaginaeres vorgestellt. Aber als er im letzten Jahr seines Lebens das letzte und endgueltige Testament machte, hiess er seine Erben weder, dass sie ihn in Westminster Abbey bestatten, noch wie den Christian Rosenkreutz nach aegyptischer Sitte einbalsamieren sollen, noch, dass die Urne mit seiner Asche auf die Klippe hinter Boleskine House oder auf den Berggipfel bei Cefalu gestellt wuerde, wie er es in seinem Testament von 1931 gewuenscht hatte. Alles, worum er bat, war, dass ihm sein langjaehriger Freund Louis Wilkinson an seinem Grab die Hymne an Pan und die Gebete und Gesaenge seiner Gnostischen Messe intonierte.
Langsam sank der blumenbedeckte Sarg in die Tiefe. Dann erschien Wilkinson. Unter seinem Arm trug er das LIBER AL und seine Kopie von MAGICK. Er bestieg die Kanzel und rezitierte die Hymne an Pan.
Thrill with lissome lust of the light, O man! My man! Come careering out of the light Of Pan! Io Pan! Io Pan! Io Pan! Come over the sea ...
Die schaebigen Waende der Totenkapelle verschwammen, und die Todeskaelte wich, als die maechtige und sonore Stimme deklamierte:
Give me the sign of the Open Eye, And the token erect of thorny thigh, And the word of madness and mystery ...
Er verlas nicht, wie von Crowley erbeten, das gesamte BUCH DES GESETZES, sondern waehlte Passagen aus, die die verschwindend kleine Reporterschar in der Kapelle nicht allzusehr in Erregung versetzen wuerden. Dies war das "GNOSTISCHE REQUIEM", das die Stadtvaeter von Brighton zu scharfem Protest veranlasste. "Wir werden alle Massnahmen treffen", sagte der Vorsitzende des fuer das Krematorium verantwortlichen Komitees, "dass dergleichen Vorfaelle sich nicht wiederholen."
Crowley starb, wie er gelebt.
Thou, who art I, beyond all I am, Who hast no nature and no name, Who art, when all but Thou are gone, Thou, centre and secret of the Sun, Thou, hidden spring of all things known And unknown, Thou aloof, alone, Thou, the true fire within the reed Brooding and breeding, source and seed Of live, love, liberty, and light, thou beyond speech and beyond sight, thee I invoke, my faint fresh fire Kindling as mine intents aspire. Thee I invoke, abiding one, Thee, centre and secret of the Sun, And that most holy mystery Of wich the vehicle am I!



